Berufliche Neuorientierung

Wie lange sollten Ingenieure bis zu einem Jobwechsel warten?

Verweilzeiten vor einem Jobwechsel bewegen seit eh und je die Gemüter von Personalern. So wie zu den berüchtigten Lücken im beruflichen Werdegang werden ganze Theorie-Gebäude aufgestellt. Die Messlatte für Bewerber liegt bei der Lebenslaufanalyse hoch. Es wird spekuliert. Doch welche Regeln gelten für Ingenieure?

Mit dem Jobwechsel sollte nicht zu lang gewartet werden.

Mit dem Jobwechsel sollte nicht zu lang gewartet werden.

Foto: panthermedia.net/alphaspirit

Der Personaler wertet bei einem Jobwechsel nach weniger als zwei Jahren, dass der Ingenieur während der Probezeit überzeugte – danach offensichtlich weniger. Berufserfahrungen aus diesen Stationen zählen im Grunde nicht. Für das Unternehmen rechnete sich das Engagement nicht. Derartige Stationen sprechen für (Um)Orientierungsphasen, Überbrückungszeiten, Verlegenheitslösungen, Fehlgriffe. Diese Einschätzung galt zumindest früher.

Die Regel passt nicht mehr ganz zur heutigen Berufswelt. Werden Ingenieurstellen besetzt, muss der neue Inhaber schnell (besser gleich), produktiv werden. Er muss sich vom ersten Tag an für seinen Arbeitgeber rechnen. Gestandene Ingenieure sollten daher bei kurzen Berufsstationen in ihren Bewerbungen aufzeigen, welche Arbeitsergebnisse sie bereits nach kurzer Zeit erbrachten. Ideal: Wenn die Position mit einer Beförderung endet! Unglückliche Umstände wie Insolvenz, Umstrukturierung oder Wirtschaftsrezession führen manchmal zu einem schnellen Jobwechsel bei Ingenieuren. Arbeitszeugnisse und Lebenslauf beziehungsweise Anschreiben sollten klar darüber informieren.

Vor einem Jobwechsel sollten Ingenieure die Probezeit möglichst überschreiten

Eine unter der Probezeit liegende Betriebszugehörigkeit kann kein Erfolg sein. Offensichtlich ist der Kandidat so wenig geeignet, dass man ihn keinesfalls über die Probezeit hinaus beschäftigen möchte – so sieht die logische Interpretation aus. Aus freien Stücken sollte ein Jobwechsel von Ingenieuren daher nicht in der Probezeit angestrebt werden. Unterläuft dennoch ein solcher Fauxpas, sollte klar der eigene Fehlgriff zugegeben werden. Ein Gesundreden wirkt wenig glaubhaft.

Eine drei- bis fünfjährige Verweilzeit vor dem Jobwechsel spricht für den Ingenieur als Leistungsträger für sein Unternehmen. Er hat sich in der Position behauptet und für das Unternehmen gewinnbringend eingebracht. Es ist gut nachvollziehbar, wenn ein Ingenieur nach dieser relativ langen Verweilzeit zu neuen Ufern aufbricht, um seine Karriere weiter voranzutreiben.

Bei schwachen Positionen dürfen Ingenieure mit dem Jobwechsel nicht zu lange warten

Werden diese Lebenslaufstationen mit interessanten Aufgaben, Projekten, Verantwortlichkeiten und so weiter garniert, spricht das an. Insbesondere bei herausfordernden Positionen sollte die Verweildauer eher am oberen Ende der Zeitspanne liegen. Bei schwachen, anspruchslosen, artfremden Positionen, können zwei bis drei Jahre Verweilzeit vor dem Jobwechsel eines Ingenieurs toleriert werden.

Sonst kommt die Frage auf, ob der Kandidat aus Bequemlichkeit den Jobwechsel als Ingenieur nicht angestrebt hat, er seine Karriere bereits konsolidiert oder ihm schlichtweg das berufliche Selbstvertrauen fehlte. Bei „verkehrten“ Positionen aus Forschung, Entwicklung, Konstruktion können zwei bis drei Jahre auf dem Abstellgleis allerdings auch dazu führen, dass der Anschluss verpasst wird.

Mehr als fünf Jahre Verweildauer vorm Jobwechsel sind mit Vorsicht zu genießen

Lange Verweilzeiten vor einem Jobwechsel werden bei Ingenieuren kritisch gesehen. Die Statik im Lebenslauf weist möglicherweise auf fehlende Flexibilität, mangelndes Karriereinteresse oder Ähnliches hin. Lange Betriebszugehörigkeiten lassen sich durch zunehmende Aufgabenumfänge und Verantwortlichkeiten, hierarchischen Aufstieg, Wechsel in anspruchsvollere Aufgabengebiete und so weiter rechtfertigen. Es kommt Dynamik in den Lebenslauf. Der Kandidat kann gut dem Vorwurf begegnen, nach fünf Jahren im gleichen Unternehmen nichts mehr dazugelernt zu haben!

Frische Ingenieure können beim Jobwechsel mit Nachsicht rechnen. Die ersten Praxisjahre dienen der beruflichen Orientierung. Wer am Anfang seinen Job öfter wechselt – So what? Einem Personaler, der hier zu kritisch auf jeden Wechsel blickt, kann eigentlich nur eine gewisse Weltfremdheit vorgeworfen werden. Gerade am Anfang der Karriere können wertvolle Erfahrungen durch häufige Stellenwechsel gesammelt werden. Wenn nicht jetzt – wann dann?

Weniger Jobwechsel bei stabiler Karriere der Ingenieure

Je länger die Karriere anhält, desto stabiler sollte der Lebenslauf werden und jeder Jobwechsel eines Ingenieurs wohl überlegt sein. Idealtypisch verlängern sich die Verweilzeiten zum Ende des Lebenslaufes. Tatsächlich zeigt sich heute, dass sich bei einigen Ingenieuren Berufsstation an Berufsstation reiht und die Karriere trotzdem nicht abbricht. Dennoch kann dies auf Dauer kein gesunder Berufsweg sein.

Was die Betriebszugehörigkeit betrifft, tendieren Fachspezialisten zu überdurchschnittlich langen Verweilzeiten, bevor sie einen Jobwechsel in Betracht ziehen. Die Ingenieure sind von ihrem Interesse an der Arbeit fesselt! Mit der Zeitdauer entfernen sich diese Ingenieure schnell von der marktüblichen Bezahlung. Empfehlung daher: Nach abgeschlossenen Projekten häufiger einmal an einen Stellenwechsel denken, um vom Markttrend auch finanziell zu profitieren.

Jobwechsel werden bei gefragten Ingenieuren entspannter gesehen

Viele Verweilzeitregeln gelten kaum für die begehrten Fachspezialisten. Sie können häufig ohne Schaden einen Jobwechsel vollziehen, die Ingenieure sollten sich aber nicht zu professionellen Job-Hoppern entwickeln. Möglicherweise dreht sich in ferner Zukunft der Spieß und an die Lebensläufe wird wieder die traditionelle Messlatte angelegt. Allerdings sind diese Zeiten in ganz weite Ferne gerückt.

 

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