Tipps für die Bewerbungsunterlagen 04.01.2013, 01:00 Uhr

Ingenieure sollten auf Bewertungen in der Zeugnissprache achten

Offiziell sind Bewertungen in der Zeugnissprache nicht zugelassen. Ingenieure sollten aber die verschiedenen Techniken kennen, die Arbeitgeber anwenden, um sich gegenseitig über die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter zu informieren. Einige Anspielungen lassen sich so klar interpretieren, als handle es sich um Schulnoten.

Zeugnissprache: Kann Bewertungen enthalten.

Zeugnissprache: Kann Bewertungen enthalten.

Foto: iStock / Thinkstock

Da haben wir die Schule lange hinter uns und mit ihr das Schreiben von Klausuren und deren Benotung, die uns zu Hause so manchen Ärger beschert hat. Wir freuen uns, dass wir zumindest dieser Zeugnissprache nicht mehr ausgesetzt sind und stellen dann fest: Die Bewertung hat nicht aufgehört. In Mitarbeitergesprächen werden wir beziehungsweise unsere „Performance“, wie es neuerdings so schön englisch heißt, beurteilt und diese Beurteilung ist nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Moment wirkt. Denn sie spielt für unser künftiges Konsumierverhalten eine Rolle: Kaufen wir unsere Möbel bei IKEA oder bei USM-Haller?!

Zeugnissprache für Ingenieure enthält viele Bewertungen

Wenn wir mit der Beurteilung nicht einverstanden sind oder uns andere Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz stören, haben wir die Möglichkeit, uns nach einem neuen, besseren Arbeitgeber umzusehen, wofür ein Zeugnis des jetzigen Arbeitgebers hilfreich ist. Und schon hängen wir wieder vom Wohlwollen derer ab, die über uns stehen und jetzt Chef anstatt Lehrer heißen. Unsere Leistung und unser Verhalten im Unternehmen werden bewertet, und das geschieht auch nach einer Notenskala von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft), auch wenn das für einen Ingenieur in der Zeugnissprache nicht immer sofort erkennbar ist.

Der Unterschied ist nur, dass hier nicht eine Note unter dem Arbeitszeugnis steht, sondern die einzelnen Formulierungen bestimmten Noten entsprechen, sodass der neue Arbeitgeber schnell sehen kann, handelt es sich hier um einen sehr guten (hervorragenden) Mitarbeiter, um einen guten oder eher um einen durchschnittlichen oder gar unterdurchschnittlichen. Der Arbeitgeber bedient sich dabei verschiedener Techniken in der Zeugnissprache für Ingenieure.

Diese Techniken werden in der Zeugnissprache für Ingenieure angewandt

Die Leerstellentechnik, bei der auf eine zu erwartende Aussage verzichtet wird, zum Beispiel: „Das Verhalten gegenüber Kollegen war einwandfrei.“ Hier fehlen die Vorgesetzten, denen gegenüber das Verhalten offensichtlich weniger gut war. Die Negationstechnik, mit deren Hilfe in der Zeugnissprache eine Abwertung des Ingenieurs erzielt wird. Gab das Verhalten eines Beurteilten „keinen Anlass zu Beanstandungen“, dann war es aber auch nicht wirklich gut. Die Ausweich-Technik, mit der Unwichtiges und eigentlich Selbstverständliches gegenüber den wirklich wichtigen Aussagen hervorgehoben wird, zum Beispiel die „vorbildliche Pünktlichkeit“ eines Ingenieurs.

Die Widerspruchstechnik, die dafür sorgt, dass der positive Ersteindruck aufgehoben wird. Werden einem Mitarbeiter sehr gute Leistungen attestiert, aber der Arbeitgeber dankt ihm nicht und/oder bedauert nicht sein Ausscheiden, ist das widersprüchliche Zeugnis vermutlich das Ergebnis einer Nachverhandlung, bei der nicht alle wesentlichen Aussagen aufgewertet oder ergänzt wurden. Es sind oft nur kleine Nuancen, ein Wort mehr oder weniger, die den Unterschied in der Bewertung bei der Zeugnissprache ausmachen.

Zeugnissprache für Ingenieure lässt sich direkt in Noten übersetzen

Wenn es zum Beispiel um die Einsatzbereitschaft eines Arbeitnehmers geht und der Arbeitgeber schreibt: „Er zeigte stets ein sehr hohes Maß an Eigenverantwortung, Initiative und Leistungsbereitschaft“, dann vergibt er mit dieser Zeugnissprache an den Ingenieur die Note 1. Entfällt in der ansonsten gleichen Formulierung das Wort „sehr“, handelt es sich um die Note 2. Geht es um die Leistung eines Mitarbeiters, dann wird in der Formulierung folgendermaßen abgestuft:

  • Note 1: Seine Leistungen fanden stets unsere vollste Zufriedenheit.
  • Note 2: Seine Leistungen fanden stets unsere volle Zufriedenheit.
  • Note 3: Seine Leistungen fanden unsere volle Zufriedenheit.
  • Note 4: Seine Leistungen fanden unsere Zufriedenheit.
  • Note 5: Er war bemüht, die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.

Manchmal sind die Formulierungen so geschickt gewählt, dass der kritische Leser nicht auf Anhieb erkennt, dass es sicher um eine Bewertung der Note „mangelhaft“ handelt, wie zum Beispiel bei folgendem Satz in der Zeugnissprache zur Befähigung eines Ingenieurs: „Zu den unabdingbaren Voraussetzungen für diese Funktion gehörten Eigenschaften wie Belastbarkeit, Flexibilität und analytisches Denkvermögen.“ Hier finden wir keine Aussage über den Stelleninhaber, sondern nur über die Voraussetzungen für die Stelle, was der neue Chef natürlich gleich erkennen wird. Er hat damit unter Umständen einen Wissensvorsprung vor dem arglosen Zeugnisempfänger.

Ein Ingenieur sollte die Zeugnissprache von einem Profi analysieren lassen

Auch in den folgenden Formulierungen zur Arbeitsweise ist nicht gleich offensichtlich, dass wir uns hier zwischen den Polen „sehr gut“ und „mangelhaft“ bewegen: „Die Aufgaben führte er immer äußerst selbstständig, effizient und sorgfältig aus“ (Note 1) und „Die Aufgaben wurden im Allgemeinen mit Sorgfalt und Genauigkeit ausgeführt“ (Note 5). Wenn Sie als Ingenieur bei der Zeugnissprache unsicher sind und auch bei mehrfachem Lesen einer Aussage deren Bewertung nicht einzuschätzen wissen, holen Sie sich Rat und lassen Sie Ihr Zeugnis von einem Profi analysieren. Sie werden möglicherweise überrascht sein, was ein Zeugnis aus professioneller Sicht aussagt und … was es verschweigt.

www.schmidt-partner-solingen.de

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