Personalmanagement 12.12.2008, 19:38 Uhr

Arbeiten auf Zeit  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 12. 08, jul – Zeitarbeit – dieses Wort ist für die meisten Menschen gleichbedeutend mit Jobs für gering Qualifizierte, mit Hungerlöhnen, mit Ausbeutung. Dabei gibt es laut Arbeitsagentur „34 000 Ingenieure, Chemiker, Techniker“ die für Zeitarbeitsfirmen tätig sind. Und es sind nicht immer die schlechtesten Aufgaben, denen sich die studierten Leiharbeiter stellen müssen.

Bernd Schubert fühlt sich „gut aufgehoben im Konzern“. Dieser heißt Tintschl AG, hat seinen Hauptsitz in Erlangen und beschäftigt zurzeit etwa 1400 Leute. 640 Ingenieure sind darunter, „die große Mehrheit ist bei Projekten im Hause der Kunden im Einsatz“, ist aus der PR-Abteilung zu hören. Zurzeit stehen etwa 60 Stellen offen – vom Planungsingenieur für Technische Gebäudeausrüstung bis zum Projektleiter in der Automobil-Industrie.

Verfahrenstechnik-Ingenieur Schubert gibt zu, er habe bei Tintschl „eine Sonderstellung: Als Ingenieurbüro machen wir Dienstleistungen aller Art. Wir arbeiten für internationale Firmen im Bereich Strömungsmechanik, machen Baumusterprüfungen für die ganze Welt, entwickeln auch neue Verfahren. Unser Prüflabor ist vor zwei Jahren völlig neu gebaut worden. Wir sind ein eingeschweißtes Team: Hier geht eigentlich keiner gerne weg. Und gerade sind wir auf der Suche nach einem Computer-Simulationsspezialisten von außen, denn die sind dünn gesät“. Was heißt: Weder unter den 70 Tintschl-Ingenieuren, die im eigenen Haus arbeiten, noch unter den Hunderten Ingenieuren bei Kunden ist die passende Fachkraft zu finden.

Bernd Schubert ist unter anderem stolz, die Klimaanlage der Konzerthalle Bamberg optimal eingestellt zu haben und weiter zu betreuen. Doch er erinnert sich auch „an Dienstreisen nach Indonesien oder nach Australien: Das kann nicht jeder von sich sagen“.

Bei der Frage nach dem Geld gibt er sich bedeckt: „Ich weiß, was ich verdiene: Ein Ingenieur-Gehalt wie üblich halt.“ Was dagegen die Kollegen bekommen, die bei Kunden im Einsatz sind, das weiß Schubert nicht. „In der klassischen Arbeitnehmerüberlassung läuft das so: Ein Kunde braucht jemanden mit einer bestimmten Qualifikation. Die Firma weiß, was eigenes Personal an dieser Stelle an Kosten verursachen würde. Dieser bestimmte Stundensatz kann von uns verrechnet werden: Daraus ergibt sich der Stundenlohn für den Kandidaten“, gibt Michael Siehr Einblick in die Kostenkalkulation eines Personaldienstleisters. Für den Ingenieur bleibt damit normalerweise weniger übrig, als der Tarifvertrag zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverband für Festangestellte vorsieht.

Siehr ist bei der Nürnberger Wolters-Rohkamp Personalmanagement GmbH (WRP) „für Recruiting zuständig“, also dafür, „in sehr intensiven Gesprächen ein Stellengesuch und einen Bewerber möglichst passgenau aufeinander abzustimmen“. Von Dresscode und Bewerbungsknigge spricht Michael Siehr und von Softskills: „Die werden heute immer wichtiger!“ Kann jemand ein Team führen, moderieren, sich auf neue Situationen einstellen? Oder ist er nach vielen Jahren in einem Konzern eingefahren?“

Das möchte Siehr in einem Bewerbungsgespräch herausfinden. Nicht immer, so meint er, ergebe sich eine Zusammenarbeit. Doch das Gespräch bringe seinem Gegenüber immer etwas: „Viele Bewerber sind fachlich auf hohem Niveau, aber oft nicht in der Lage, sich passend anzubieten“ – und diese Erkenntnis sei schon für viele Ingenieure für ihren weiteren Berufsweg hilfreich gewesen, erklärt der WRP-Mann.

„Die Kunden-Anfragen sind meist sehr spezifisch. Doch wir hinterfragen dieses Anforderungsprofil, beschaffen Informationen nicht nur von der Personalabteilung, sondern auch der Fachabteilung, wo die Arbeit stattfindet: Ist Teamfähigkeit gefragt? Gibt es ein internationales Umfeld und ist damit verhandlungssicheres Englisch unerlässlich?“

Diese sehr passgenaue Vermittlung führe dann auch „zu einer sehr hohen Übernahmequote: Bei uns ist kein Ingenieur länger als ein Jahr unter Vertrag“, erzählt Michael Siehr. „Die Übernahmequote liegt bei mindestens 70 %, auch wenn es keine konkrete Statistik gibt.“

Was bedeutet: Für Ingenieure, die Schwierigkeiten haben, ihre Fähigkeiten ins rechte Licht zu rücken, könnte der Weg über einen „Personaldienstleister“ der Zwischenschritt in eine Festanstellung sein. Doch es gebe Fallstricke, auf die Bewerber unbedingt achten sollten, heißt es von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Dr. Friedrich Sendelbeck – er betreut bei Verdi Mittelfranken den Bereich Zeitarbeit – kennt „inzwischen an die 100 Dumpingtarifverträge bei Zeitarbeitsfirmen“. Dabei gebe es einen Tarifvertrag zwischen dem „Arbeitgeberverband selbständiger Ingenieure und Architekten ASIA“ und Verdi: Dieser „ASIA-Vertrag“ werde auch von vielen Großen der Zeitarbeitsbranche eingehalten, freut sich Sendelbeck.

„Zeitkonten von bis zu 200 Stunden, über die der Arbeitgeber in eigener Disposition verfügen kann“, seien damit nicht mehr möglich. Doch der Verdi-Mann weiß auch, dass sich nicht alle Zeitarbeitsfirmen an den ASIA-Vertrag halten. „Nachfragen“ rät er deshalb den Ingenieuren, die mit dem Gedanken spielen, über Zeitarbeit eine neue Festanstellung zu bekommen. HEINZ WRANESCHITZ

Ein Beitrag von:

  • Heinz Wraneschitz

    Freier Fachjornalist in der Metropolregion Nürnberg. Der Ingenieur für Elektrische Energietechnik arbeitet viele Jahre in der Industrie, u.a. Zentrumsleiter für ein herstellerunabhängiges Solarberatungsunternehmen. Seit 2005 ist er mit dem Redaktionsbüro bildtext.de hauptberuflich journalistisch tätig. Seine Themen sind Umwelt, Energie und Wirtschaft.

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