09.08.2016, 11:45 Uhr | 0 |

Kooperation mit Boeing Mit diesem Militärtransporter will brasilianische Embraer in Europa landen

Zu den fliegenden Stars der vergangenen Internationalen Luftfahrtmesse in Farnborough in Südengland zählte erstmals ein Militärflugzeug aus Südamerika. Entwickelt und gebaut wird es vom brasilianischen Flugzeugbauer Embraer. Um es auf dem Weltmarkt abzusetzen, ist Embraer eine Kooperation mit Boeing eingegangen. Zielmarkt ist auch Europa.

Erstflug des brasilianischen Militärtransporters KC-390 von Embraer
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Erstflug des brasilianischen Militärtransporters KC-390 von Embraer Anfang Februar 2015: Embraer hat jetzt eine Kooperation mit Boeing geschlossen, um das Flugzeug auch in Europa besser verkaufen zu können.

Foto: Embraer

Das derzeit meistgeflogene militärische Transportflugzeug der Welt ist die Lockheed Hercules, ein mittelschweres Flugzeug, das von vier Propeller-Turbinen angetrieben wird. Die Hercules ist von ihrer Kapazität her größer als die Transall der deutschen Luftwaffe und etwas kleiner als der Airbus A400M. Boeing hat mit der C-17 ein schweres Transportflugzeug entwickelt und lange Zeit gebaut. Diese Maschine wird aber seit kurzem nicht mehr hergestellt.

Boeing verfügt aber weiter über den Vertriebsapparat und die weltweite Ersatzteilversorgung für militärische Transportflugzeuge. Darin liegt nun der Reiz sowohl für Embraer, als auch für Boeing, künftig im Bereich militärischer Transportflugzeuge eng zusammen zu arbeiten.

Boeing übernimmt wesentliche Vertriebsaufgaben für Embraer, zugleich wird Boeing in die weitere Entwicklung der Embraer KC-390 eingeschaltet und kann Komponenten und komplette Systeme zuliefern. Das spart den Brasilianern viel Zeit. Boeing aber gewinnt zugleich dadurch, dass der amerikanische Konzern weiter im Markt für militärische Transportflugzeuge engagiert bleibt und dieses Geschäft nicht allein dem Konkurrenten Lockheed mit seiner Hercules’ überlassen muss, der die Hercules immer weiter entwickelt hat und jetzt unter der Bezeichnung AC-130 vertreibt.

Die KC-390 ist ein sehr modernes Flugzeug

Im Gegensatz zur Hercules von Lockheed und dem A400M von Airbus ist die KC-390 ein Jet und damit schneller als die Konkurrenten mit ihren Propeller-Turbinen. Angetrieben wird die KC-390 von zwei Jet-Motoren des Typs IAE 2500 aus den Vereinigten Staaten.

Bei einer Länge von knapp 34 m und einer Spannweite von 35 m hat die KC-390 ein Leergewicht von 35 t. Das höchstzulässige Startgewicht liegt bei 81 t. Unter Abzug von Treibstoff und Besatzung ergibt sich eine Nutzlast von maximal 23,6 t. Das lässt die Beförderung von 80 Soldaten samt ihrer normalen Ausrüstung zu. Die Reichweite der KC-390 liegt bei knapp 5.000 km.

Das Flugzeug ist äußerst vielseitig einsetzbar und kann sogar wenig befestigte Wüstenpisten als Start- und Landebahn nutzen. Die KC-390 kann als fliegender Tanker eingesetzt werden und auch selbst von anderen Flugzeugen in der Luft betankt werden. Die Avionik ist ganz auf Einsätze unter besonders schwierigen Sichtbedingungen abgestellt.

Hauptbesteller ist bisher die brasilianische Luftwaffe

Nachdem die KC-390 im vergangenen Jahr erstmals flog, soll die Auslieferung der ersten Maschinen an den Hauptbesteller, die brasilianische Luftwaffe, noch in diesem Jahr anlaufen. Mehrere andere südamerikanische Länder haben die KC-390 ebenfalls in Auftrag gegeben. In Zusammenarbeit mit Boeing soll der Absatz vor allem in Europa und Südafrika vorangetrieben werden. Längerfristig plant Embraer auch eine zivile Frachtversion, die unter der Bezeichnung KC-390F entwickelt werden soll.

Und das sind die zehn größten Flugzeug- und Triebwerkshersteller der Welt.

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Von Peter Odrich
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