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17.09.2013, 13:06 Uhr | 0 |

Geburtstag in ruhiger See Tiefseehafen JadeWeserPort seit einem Jahr in Betrieb

Ein Jahr nach der Eröffnung ruht im JadeWeserPort, dem Containerterminal in Wilhelmshaven,  immer noch die See. Es ist den Betreibern des einzigen deutschen Tiefseehafens nicht gelungen, dem Ziel von 700 000 Containern in diesem Jahr auch nur ansatzweise nahe zu kommen. 

Hochgeklappte Kräne am JadeWeserPort
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Die Kräne hochgeklappt, wie so oft: Der JadeWeserPort ist nicht ausgelastet, es wird kurzgearbeitet. 

Foto: dpa/Ingo Wagner

Ein Blick hinter den Reiter „Schiffsankünfte“ auf der Internet-Präsenz des JadeWeserPorts, der jetzt gerade seinen ersten Geburtstag feiern könnte, aber nicht feiert, spricht Bände: Am 21. September, genau ein Jahr nach der offiziellen Eröffnung des Tiefseehafens landet gar kein Schiff am Jadebusen an. Dafür wird die „Wybelum“ den Hafen um eine Bruttoraumzahl (BRZ) von 15 597 BRZ, das sind die früheren Bruttoregistertonnen, erleichtert verlassen. Und zwar exakt um eine Minute nach Mitternacht, also pünktlich zum Beginn der Geisterstunde im Geisterhafen. Die nächste Welle im Hafen wird dann erst zwei Tage danach am 23. September spätabends um 22 Uhr die „Charlotte Maersk“ aus Dänemark verursachen, ein Pott mit 92 198 BRZ an Bord.

„In Zwölf-Stunden-Schicht 17 Schiffe abgefertigt“

Der Geschäftsführer des JadeWeserPorts, der Däne Mikkel Andersen, will die Tristesse am Jadebusen gar nicht, erst schöner malen, als sie ist. Er hat in seiner Zeit vor Wilhelmshaven in Malaysia für eine Maersk-Tochtergesellschaft den Containerumschlag organisiert. Deshalb weiß er, was einen florierenden Frachthafen ausmacht: „Dort haben wir in einer Zwölf-Stunden-Schicht 17 Schiffe abgefertigt“, sagt er. Dafür braucht er am JadeWeserPort mehrere Wochen.

Denn nachdem die „Charlotte Maersk“ am frühen Morgen des 24. September um ihre 92 198 BRZ erleichtert, den Hafen verlässt, kehrt erst einmal wieder Ruhe ein im Port. Die stört dann drei Tage später, am 27. September nachmittags um 14 Uhr die „Phoenix J“ aus Argentinien, ein eher kleiner Pott mit nur 10 565 BRZ an Bord.

Kurzarbeit für 332 Beschäftigte läuft im März 2014 aus

Und das sind dann die wenigen Momente, an denen sich etwas regt und bewegt in Deutschlands einzigem Tiefseehafen. Containerschiffe bis 18 Meter Tiefgang können hier anlanden und mittels modernster Infrastruktur aus acht Kränen und Eisenbahnanschluss gelöscht werden. Nur, es kommt kaum einer vorbei beim Geburtstagskind. Die 332 Mitarbeiter von Eurogate sind seit März dieses Jahres in Kurzarbeit und schauen nur alle paar Tage mal vorbei im Hafen, um ein Schiff zu löschen. Die Lage wird allmählich prekär. Im März 2014 endet das Kurzarbeitergeld, was die Eurogate-Beschäftigten derzeit noch erhalten. Eine Verlängerung dieser Leistung ist nicht möglich, es drohen Entlassungen.

Gerade einmal 100 000 Container in diesem Jahr

Das ist die Bilanz des JadeWeserPorts nach genau zwölf Monaten Regelbetrieb: Statt der erhofften 700 000 Container werden es 2013 wohl nur rund 100 000 der genormten Stahlkisten sein, die hier in Wilhelmshaven umgeschlagen worden sind. Das ist mager. Ausgelegt ist der Hafen für drei Millionen Container im Jahr.

Auf dem ersten Kilometer der 1725 Meter langen Kaimauer stehen acht der weltgrößten Containerkräne – an den meisten Tagen hochgeklappt, weil mal wieder kein Schiff im Hafen zu sehen ist. Vier Liegeplätze für die größten Containerschiffe mit bis zu 430 Metern Länge sind in Wilhelmshaven entstanden. Die acht großen Containerbrücken sind die derzeit größten ihrer Art. Sie haben ein Gewicht von jeweils 1750 Tonnen und sind 83 Meter hoch. Die Ausleger sind 69 Meter lang und können 120 Tonnen heben.

Juristisches Gezänk lähmt den Hafen

Nur gibt es eben kaum etwas zu heben im JadeWeserPort. Das liegt vielleicht auch an dem juristischen Gezänk zwischen Eurogate und der Realisierungsgesellschaft über die Hafengebühren, die aus Sicht der Eurogate-Manager viel zu hoch sind. Zugesagt zum Start des Hafens waren nach deren Auffassung attraktive Tarife, die Schiffe anlocken und nicht fernhalten. „Uns ist damals definit etwas anderes versprochen worden“, sagt Andersen.

Durch die Gebührenstruktur sind geringe Umschlagmengen extrem teuer und der JadeWeserPort ist für größere Containerschiffe teurer als die Häfen in Rotterdam oder Hamburg. Und deshalb machen die großen Schifffahrtunternehmen derzeit einen Riesenbogen um den JadeWeserPort. „Dass wir dort keinen Gewinn machen, kann sich jeder vorstellen“, sagt denn auch Eurogate-Vorstand Emanuel Schiffer. Er betont aber, dass Eurogate dank der Kurzarbeit bis März keine Finanzierungsprobleme habe. „Das hilft uns auf der Kostenseite.“

Und diese Kostenseite hat noch einen ziemlich großen Haken. Vertraglich hat sich der Betreiber Eurogate gegenüber der Realisierungsgesellschaft zu einem Umschlag von 700 000 Containern im ersten vollen Betriebsjahr verpflichtet. „Wir haben Mindestmengen zugesagt, und die sind nicht eingehalten worden im ersten Jahr. Was daraus folgt, ist eine vertragsinterne Angelegenheit“, sagt Schiffer.

Am 4. Oktober kommt die „Majestic Maersk“ auf ihrer Jungfernfahrt vorbei

Dabei ist relativ unbestritten, dass der JadeWeserPort gebraucht wird, um Konkurrenzhäfen wie Rotterdam und Antwerpen Paroli zu bieten. „Die Lehman-Krise hat alles ausgelöst“, klagt Schiffer. „2009 sind wir alle, auch die Westhäfen, um zweistellige Umsatzzahlen zurückgegangen.“ 2012 und auch 2013 sind daher Jahre mit Null-Wachstum.

Vielleicht richtet es jetzt die Riesenreederei Maersk. Denn Anfang Oktober schickt Maersk sein größtes Containerschiff, die „Majestic Maersk“ nach Wilhelmshaven. Im Plan der Schiffsankünfte auf der Internetpräsenz des JadeWeserPorts ist der 4. Oktober schon vorgemerkt, als Jungfernfahrt des Riesen-Containerschiffes. Um 22 Uhr wird der Containerriese in Wilhelmshaven erwartet mit 174 500 BRZ an Bord. Dann drehen sich die Kräne an der Kaimauer. Bis zu 18 200 Container kann dieser Riese laden. Und ein solches Schiff braucht den Tiefgang von bis zu 18 Metern, den der JadeWeserPort bietet.

P3 will eine Flotte von Riesenschiffen zwischen Asien und Europa schippern lassen

Maersk verbündet sich gerade mit den beiden nächstgrößeren Reedereien MSC aus der Schweiz und CMA CGM aus Frankreich in einer Allianz mit dem schlichten Namen P3. Ab Frühjahr 2014 will P3 eine Flotte von Riesenschiffen zwischen Asien und Europa einsetzen, alle vergleichbar der „Majestic Maersk“. Wenn diese Flotte dann ihren Weg über Wilhelmshaven nimmt, könnte die ganze Region um den Hafen aufatmen.

Keine zwei Wochen vor der offiziellen Inbetriebnahme des JadeWeserPorts vor einem Jahr bekam der Hafen unangemeldeten Besuch. Das durch ein Feuer schwer beschädigte Containerschiff MSC Flaminia suchte am 9. September 2012 Schutz im Hafen am Jadebusen. Heute noch stehen auf einem abgesperrten Gelände am Nordrand des Hafens ausgebrannte Container herum. Es sind die Reste der Landung der „Flaminia“. Es war wohl sehr beschwerlich, diese flammende Ladung zu löschen. Containerreste, zusammengeschmolzen bei mehr als 1000 Grad Celsius, lagerten im Wrack des Schiffes.

Notlandung der „Flaminia“ war die größte Einnahme in 2012

Doch so schlimm dieses Omen der „Flaminia“ für den JadeWeserPort auch gewesen sein mag. Dieses havarierte Schiff mit seiner Notlandung im notleidenden Hafen war mit einem siebenstelligen Euro-Betrag für das Hafengeld und die Arbeit von Eurogate die größte Einnahme aus 2012 für den JadeWeserPort.

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Von Detlef Stoller
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