Konsumverhalten 29.04.2022, 12:03 Uhr

Inflation extrem hoch: Ökonomen haben klare Forderung

Die Inflationsrate ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Um die Preissteigerung auszugleichen, gibt es nur eine Maßnahme, sagen manche Ökonomen.

Preisanstiege auf vielen Ebenen: Die Inflation ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Foto: Panthermedia.net/rallef

Preisanstiege auf vielen Ebenen: Die Inflation ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht.

Foto: Panthermedia.net/rallef

Die Zahl ist historisch: 7,4 %. So hoch ist die Inflationsrate aktuell in Deutschland. Das ist die höchste Rate seit 1981. In einzelnen Bundesländern ist sie sogar noch höher: In Nordrhein-Westfalen etwa stieg sie im April auf 7,7 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 1973. Was ist der Grund für die Inflation? Und was die Folgen?

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist Inflation?

Wenn nicht nur einzelne Produkte teurer werden, sondern die Lebenshaltungskosten insgesamt, ist das ein Zeichen für eine Inflation. Grob gesagt:

  • Preise steigen insgesamt
  • Das Geld verliert an Wert
  • Das gesamte Wirtschaftssystem ist betroffen

Von einer Inflation spricht man also, wenn langanhaltend nicht nur einzelne Waren teurer werden, sondern es allgemeine Preissteigerungen in vielen Bereichen gibt. Das verringert wiederum die Kaufkraft des Einzelnen beziehungsweise: Das Geld wird immer weniger wert.

Warum gibt es jetzt eine Inflation?

Vor allem die extrem angestiegenen Energiepreise haben – wie auch schon zuvor in der Geschichte – für die hohe Inflationsrate gesorgt. Die Preise für Energie waren schon in den vergangenen Jahren tendenziell gestiegen, doch der Ukraine-Krieg hat die Preise für Heizöl und Benzin sprunghaft in die Höhe schießen lassen. Zudem gab es Lieferengpässe in vielen Bereichen, auch viele Lebensmittel wie Öl, Brot, Nudeln oder Gemüse, sind deutlich teurer geworden. Im März mussten die Menschen hierzulande fast 40 % mehr Geld für Energie ausgeben als im Vorjahresmonat, und für Lebensmittel 6,2 %.

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Was sind die Folgen?

Ist eine Inflation langanhaltend, kann das gewissermaßen einen Dominoeffekt auslösen. Die Bereitschaft der Menschen zum Konsum sinkt – gerade in Deutschland zeichnet sich erfahrungsgemäß immer wieder ab, dass viele Menschen empfindlich auf Schwankungen reagieren und einerseits weniger konsumieren, andererseits aber auch weniger sparen, denn Ersparnisse werden durch eine Inflation entwertet. Das wiederum führt dazu, dass Banken weniger bereit sind, Unternehmenskredite zu vergeben, was wiederum dazu führt, dass Unternehmen weniger investieren.

Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass auch die aktuelle Inflation die Wirtschaft schwächen könnte, die Wirtschaftsweisen glauben, dass die Konjunkturprognose für 2022 nach unten korrigiert werden muss. Noch zeigt sich die Wirtschaft aber resilient und auch der Arbeitsmarkt ist nicht negativ betroffen – im Gegenteil. Aber: Nicht zuletzt der Ukraine-Krieg hat deutliche Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Von Januar bis März 2022 legte das Bruttoinlandsprodukt um gerade einmal 0,2 % zu – das heißt im Grunde: Stagnation. Und schon infolge der Corona-Krise hatte die Wirtschaftsleistung bereits 2021 abgenommen.

Löhne müssen steigen

Unterdessen glauben viele Ökonominnen und Ökonomen, dass die Konsumbereitschaft und der Sparwille der Bevölkerung möglichst schnell wiederhergestellt werden müsse – durch Geld. So forderte etwa der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher, dass jetzt die Löhne steigen müssten, um das Konsumverhalten aufrechtzuerhalten. Andernfalls könnten ein schwaches Wachstum und schließlich Arbeitslosigkeit die Folge sein. Höhere Löhne seien jetzt als Ausgleich für die stark gestiegenen Preise in vielen Bereichen “absolut notwendig“, sagte der Ökonom gegenüber dem Deutschlandfunk.

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Wann gab es die höchste Inflation?

Von 1914 bis November 1923 ereignete sich eine der stärksten Geldentwertungen in großen Industrienationen. Die deutsche Inflation war in diesen Jahren am höchsten. Die Ursachen sind in der Finanzierung des ersten Weltkriegs zu finden. Mit dem Ende des Krieges 1918 hatte die damalige Währung Mark mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Im jahr 1923 erreichte die Geldentwertung ihren Höhepunkt.

Venezuela belegte 2021 mit einer Inflationsrate von geschätzt rund 2.700 % gegenüber dem Vorjahr den höchsten Rang im Ländervergleich, so Statista. Auf dem zweiten Platz lag Sudan (194 %) gefolgt von Simbabwe (92 %).

Ist Deflation besser als Inflation?

Bei einer Deflation sinken die Preise über einen längeren Zeitraum kontinuierlich. Das liegt daran, dass das Angebot an Waren und Dienstleistungen größer ist als die Nachfrage. Durch das Überangebot werden die Preise gedrückt.

Deflation wird allgemein schlimmer als Inflation angesehen, da es zu einer Spirale aus weiter fallenden Preisen und einer rückläufigen Produktion kommen kann. Verbraucher halten sich parallel mit Käufen zurück, da sie sich an die sinkenden Preise gewöhnen. Firmen kompensieren diese Entwicklung mit Einsparungen, zum Beispiel bei den Personalkosten. Für die Volkswirtschaft kann das ein noch verheerenderes Szenario darstellen als die Inflation.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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