eHighway von Siemens 15.11.2017, 12:29 Uhr

Wie Straßenbahnen: Lastwagen fahren mit Oberleitungen durch Kalifornien

Was für ein Anblick für Autofahrer: Siemens hat einen Highway in Kalifornien mit Oberleitungen ausgestattet. Lkw docken wie Straßenbahnen mit Auslegern an, um ihre Elektromotoren mit Strom zu versorgen. Solch einen eHighway wird es 2018 auch in Hessen geben. 

Auf dem eHighway in der Stadt Carson in Kalifornien zwischen den Häfen von Los Angeles und Long Beach testen die USA, ob Trucks mit Hybridantrieb auch in der Praxis funktionieren. Erwartet wird eine Halbierung des Energieverbrauchs und eine Verringerung der lokalen Luftverschmutzung. Drei Lkw wurden mit der Oberleitungstechnik von Siemens ausgerüstet, um die Technik in der Praxis zu erproben.

Auf dem eHighway in der Stadt Carson in Kalifornien zwischen den Häfen von Los Angeles und Long Beach testen die USA, ob Trucks mit Hybridantrieb auch in der Praxis funktionieren. Erwartet wird eine Halbierung des Energieverbrauchs und eine Verringerung der lokalen Luftverschmutzung. Drei Lkw wurden mit der Oberleitungstechnik von Siemens ausgerüstet, um die Technik in der Praxis zu erproben.

Foto: Siemens USA

Kalifornien kämpft gegen Luftverschmutzung durch Lkw-Verkehr. Eine Maßnahme: eHighways von Siemens, die Hybrid-Lkw mit Elektromotoren über Oberleitungen mit Strom versorgen. Doch funktioniert die Technik aus Deutschland? Das soll eine 1,6 km lange Teststrecke zeigen, die Siemens und die Luftreinhaltungsbehörde für Südkalifornien in Betrieb genommen haben. Sie verbindet die Häfen von Los Angeles und Long Beach.

Die drei US-Trucks verfügen zusätzlich über einen Elektromotor, eine Batterie und den Stromabnehmer hinter dem Fahrerhaus.

Die drei US-Trucks verfügen zusätzlich über einen Elektromotor, eine Batterie und den Stromabnehmer hinter dem Fahrerhaus.

Foto: Siemens USA

„Dieses Projekt wird uns dabei helfen, die Realisierbarkeit eines Oberleitungssystems für den Straßengütertransport ohne Schadstoffausstoß zu beurteilen“, sag Wayne Nastri, Geschäftsführer der Luftreinhaltungsbehörde. „Die Demonstration könnte zur weiteren Einführung von eHighways führen. So wird die Umweltverschmutzung verringert und die Gesundheit der Bürger in den Städten nahe der Häfen verbessert.“ Die Kosten für die Teststrecke betragen 13,5 Millionen US-Dollar.

Andocken per Knopfdruck

Siemens setzt beim eHighway auf Bahntechnologie. Die Oberleitung besteht aus einem zweipoligen Fahrleitungssystem, aus ebenen Fahrdrähten, die auch bei Geschwindigkeiten bis 90 km/h eine stabile Stromübertragung ermöglichen. Umspannwerke versorgen die Oberleitungen mit Energie.

Die Strommasten stehen auf der Mittelspur, um beide Fahrbahnen zu überragen. Verlassen die Lkw die Teststrecke, klappen sie den Stromabnehmer ein und fahren mit dem Verbrennungsmotor weiter.

Die Strommasten stehen auf der Mittelspur, um beide Fahrbahnen zu überragen. Verlassen die Lkw die Teststrecke, klappen sie den Stromabnehmer ein und fahren mit dem Verbrennungsmotor weiter.

Foto: Siemens USA

Das Gegenstück sitzt auf dem Dach der Lkw: der sogenannte Pantograph – ein Stromabnehmer, der die Energie auf den Elektromotor überträgt und dabei dank seiner Beweglichkeit Positionsverschiebungen in der Spur kompensiert. Andocken lässt er sich per Knopfdruck, bei Ausweichmanövern oder Spurwechseln entkoppelt er sich automatisch.

Sind die Lkw nicht mit der Oberleitung verbunden, kann eine andere Antriebsart übernehmen. Die Luftreinhaltungsbehörde testet verschiedene Varianten. Auf der Teststrecke fahren ein Lkw mit Elektroantrieb, ein Flüssiggas-Hybrid-Lkw und ein Diesel-Hybrid-Lkw.

2018 kommt der eHighway nach Hessen

Auch in Deutschland werden bald Straßenbahn-Lkw zu sehen sein. Das Land Hessen hat Siemens beauftragt, eine zehn Kilometer lange Teststrecke zu bauen – auf der Bundesautobahn A5, zwischen den Anschlussstellen Zeppelinheim/Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens und Darmstadt/Weiterstadt. Die Strecke soll Ende 2018 in Betrieb gehen. „Mit dem eHighway haben wir erstmals eine wirtschaftlich darstellbare Lösung für einen klimaneutralen Straßengüterverkehr geschaffen“, sagt Roland Edel, Technologiechef der Division Mobility. „Unsere Technologie ist damit eine schon heute real existierende Alternative zum Lkw-Transport mit Verbrennungsmotoren.“

Die Hybrid-Lkw werden im Warentransport der Häfen von Los Angeles und Long Beach eingesetzt.

Die Hybrid-Lkw werden im Warentransport der Häfen von Los Angeles und Long Beach eingesetzt.

Foto: Siemens

Laut Siemens kann ein Lkw 20.000 Euro Treibstoffkosten sparen, wenn er 100.000 km auf einem eHighway zurücklegt. Und wären in Deutschland 30 % der Lkw auf mit erneuerbaren Energien elektrifizierten Strecken unterwegs, ließen sich sechs Millionen Tonnen CO2 einsparen. Eine Umweltbilanz, für die sich auch Schweden interessiert. Nördlich von Stockholm testet das Land einen zwei Kilometer langen eHighway auf der Autobahn E16 – mit Biodiesel-Hybridfahrzeugen von Scania und Oberleitungstechnik von Siemens.

Die Umrüstung auf Hybridantrieb lohnt sich: Rund 20.000 US-Dollar könnte ein typischer US-Truck an Kraftstoffkosten einsparen.

Die Umrüstung auf Hybridantrieb lohnt sich: Rund 20.000 US-Dollar könnte ein typischer US-Truck an Kraftstoffkosten einsparen.

Foto: Siemens

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