Güterverkehr

Güterzug
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Der Güterverkehr ist eine wichtige Säule im deutschen Transport und Verkehr. Wir blicken auf die Entwicklung und Umweltfreundlichkeit des Güterverkehrs.

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Was versteht man unter Güterverkehr?

Unter der Bezeichnung Güterverkehr wird der außerbetriebliche Gütertransport über verschiedene Verkehrswege zusammengefasst. Das Bundesamt für Güterverkehr unterscheidet dabei zwischen dem Straßengüterverkehr, der Frachtschifffahrt, dem Schienengüterverkehr per Güterzug sowie dem Luftfrachtverkehr unterschieden. Auch der Transport von Waren über Rohrsysteme und Pipelines gilt als eine Form des Güterverkehrs. Der Güterverkehr gewährleistet den Transport von Waren zwischen Produzenten beziehungsweise Hersteller, dem Groß- und Einzelhandel und dem Endverbraucher.

Güterverkehr: Die Aufteilung zwischen den einzelnen Verkehrsträgern

Der Schienengüterverkehr besitzt zwar einen Systemvorteil, aber die Lastkraftwagen bilden in Deutschland das Rückgrat des Güterverkehrs. Während die Eisenbahn im Jahr 2020 rund 390 Millionen Tonnen Güter transportierte, betrug der Gütertransport inländischer LKWs mehr als 3,7 Milliarden Tonnen. Zudem entfallen etwa 205 Millionen Tonnen auf den Gütertransport durch die Binnenschifffahrt.

Die unterschiedlichen Beförderungsvolumen im Güterverkehr

  • Insgesamt beförderten Lastkraftwagen rund 3,7 Milliarden Tonnen Güter über das Straßensystem
  • Via Güterzug wurden über 390 Millionen Tonnen Güter befördert
  • Auf die Binnenschifffahrt entfielen etwa 205 Millionen Tonnen Güter
  • Der Güterverkehr im allgemeinen Seeverkehr lag bei knapp über 290 Millionen Tonnen Güter
  • Auf dem Luftweg wurden knapp fünf Millionen Tonnen Güter transportiert.

Der LKW gilt dabei als die flexibelste Lösung im Hinblick auf den Güterverkehr. Denn nur die Lastkraftwagen können die Güter tatsächlich von der Laderampe direkt bis zur jeweiligen Kundenadresse jedes Ziel anfahren. Insbesondere bei kürzeren Entfernungen von unter 150 Kilometern sowie beim Transport von kleineren Sendungsgrößen bietet der Güterverkehr via LKW sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile.

Wann ergibt ein kombinierter Güterverkehr Sinn?

Der Güterverkehr via Eisenbahn ist demgegenüber erst ab Nutzlasten von mindestens 300 Tonnen als wirtschaftlich anzusehen. Auch die Binnenschifffahrt erweist sich diesbezüglich erst über große Distanzen und mit hohem Volumen als wettbewerbsfähige Transport-Lösung. Bei Entfernungen von über 350 Kilometern kommt es zudem häufig zu einem kombinierten Gütertransport über Schiene bzw. Wasserweg und Straße.

Die drei Verkehrsträger mit ihren jeweiligen systembedingten Vorzügen und Nachteilen konkurrieren also nicht in jedem Fall miteinander, sondern ergänzen sich mitunter gegenseitig. Ein typisches Beispiel für einen kombinierten Güterverkehr stellt der Transport fabrikneuer Autos dar. So nutzt die Automobilindustrie im Hauptlauf die Eisenbahn für mehr als 50 Prozent aller Transporte, während die genaue Verteilung zu den jeweiligen Bestimmungsorten dann anschließend via Lastkraftwagen realisiert wird.

So funktioniert der kombinierte Güterverkehr

Vom Ablauf her wird im Rahmen eines kombinierten Güterverkehrs in der Regel eine vergleichsweise kurze Strecke von der Produktionsstätte bzw. vom Versandort zum Bahn-Terminal per Lastkraftwagen zurückgelegt. Die Ladeeinheiten werden dort dann auf die bereitstehenden Eisenbahnwagen verladen, bevor der Güterzug die Güter anschließend über größere Entfernungen weitertransportiert. Am jeweils gewünschten Güterbahnhof angekommen, übernehmen dann wieder die LKWs den Transport der Güter für die letzten Meilen. Der Großteil der Strecke wird also vom Schienengüterverkehr übernommen. Diese Form des kombinierten Güterverkehrs gewinnt immer mehr an Bedeutung und wächst ständig.

Welche Aufgaben und Ziele verfolgt das Bundesamt für Güterverkehr?

Das gewerbliche Güter-Verkehrswesen regelt in Deutschland das Bundesamt für Güterverkehr (kurz: BAG), das als selbstständige Bundesoberbehörde dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (kurz: BMVI) angegliedert ist. Das BAG selbst hat seinen Hauptsitz in Köln. Die Aufgabenfelder der Behörde unterteilen sich dabei in verschiedene Sachgebiete.

Bundesamt für Güterverkehr – die relevantesten Aufgaben

  • Ausübung allgemeiner zentraler und dezentraler Verwaltungsaufgaben
  • Erhebung von Gebühren
  • Erteilung von Konzessionen
  • Planung und Ausführung von Überwachungs- und Kontrollaufgaben
  • Erstellung von Verkehrsfachstatistiken
  • Angleichung und Prüfung des geltenden Rechts
  • Einleitung von Verfahren

Insbesondere das Planen und Durchführen von Straßenkontrollen zählen zu den Schwerpunktaufgaben des BAG. Durch die Straßenkontrollen will das Bundesamt für Güterverkehr die Straßenverkehrssicherheit, die Einhaltung der Marktordnung sowie den Umweltschutz im Güterverkehr sicherstellen. Im Fokus stehen dabei die LKWs und ihre Fahrer. Das Bundesamt für Güterverkehr kontrolliert diesbezüglich zum Beispiel die technische Sicherheit der Fahrzeuge, die Einhaltung von Lenkzeiten und anderen Güterverkehrsgesetzen sowie die Umsetzung des allgemeinen Verkehrsrechts. Das BAG verhängt in diesem Zusammenhang auch entsprechende Sanktionen, wie zum Beispiel das Erteilen von Bußgeldern.

Güterverkehr – die Abgrenzung zum Werkverkehr

Nicht zu verwechseln ist hier der gewerbliche Güterverkehr mit dem Werkverkehr. Entsprechende Definitionen und Erklärungen sind im Güterkraftverkehrsgesetz formuliert. Im Gegensatz zum Güterverkehr steht beim Werkverkehr dabei immer der geschäftsmäßige Transport von Gütern zum eigenen Zweck im Mittelpunkt. Zudem muss der Güterkraftverkehr mit Kraftfahrzeugen von über 3.5 Tonnen zulässige Gesamtmasse und eigenem Personal realisiert werden.

Für das ausführende Unternehmen stellt eine Güterbeförderung unter diesen Voraussetzungen lediglich eine Hilfstätigkeit dar, für die keine Erlaubnis seitens der Behörden erforderlich ist. Allerdings müssen die Unternehmen ihren Werkverkehr bei der zuständigen Behörde anmelden. Demgegenüber macht der deutschlandweite Güterverkehr eine von der BAG erteilte Lizenz notwendig. Handelt es sich um den internationalen Güterverkehr, muss eine Genehmigung der Europäischen Union vorliegen.

Diese Voraussetzungen muss der Werksverkehr erfüllen

  • Alle transportierten Güter müssen Eigentum der jeweiligen Firma sein, oder aber von ihr gekauft, verkauft, produziert, gewonnen, vermietet, gemietet, erzeugt, bearbeitet, gewonnen oder instandgesetzt worden sein.
  • Die Warenbeförderung muss dem unternehmenseigenen Zweck bzw. Gebrauch dienen.
  • Die eingesetzten Transportfahrzeuge müssen vom eigenen Personal gesteuert werden.
  • Die Warenbeförderung muss eine Hilfstätigkeit und nicht den Unternehmenszweck darstellen.

Der Güterverkehr im Hinblick auf die Klimabilanz und Umweltverträglichkeit

In der vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich alleine in Deutschland die Verkehrsleistung des Güterverkehrs nahezu verdoppelt. Dadurch müssen immer mehr Güter über unterschiedlich weite Strecken transportiert werden. Die Transportwege respektive die Nutzung der Verkehrsträger machen sich dabei auch im Hinblick auf die Klimabilanz deutlich bemerkbar. Berechnungen haben ergeben, dass alleine 20 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland durch den Verkehrssektor verursacht wurden.

Die einzelnen Verkehrsträger weisen dabei mitunter eine stark voneinander abweichende Umweltverträglichkeit und Öko-Bilanz auf. Lastkraftwagen, Flugzeuge und auch Binnenschiffe gelten dabei eher als Emissionstreiber, während Güterzüge vergleichsweise klimafreundlichere Transport-Lösungen darstellen.

Der Schienengüterverkehr stellt die klimafreundlichste Transport-Lösung dar

Dies liegt zum einen an dem geringen Rollwiderstand durch die Kombination Stahl auf Stahl. Im Vergleich zum LKW (Gummi auf Asphalt) fahren Güterbahnen dadurch bis zu fünfmal energieeffizienter. Zum anderen verzeichnet der Güterverkehr über Schienen einen weitaus geringeren Energieaufwand als die anderen Verkehrsträger. Eine Güterbahn kann dabei bis zu 52 LKWs ersetzen und somit auch die entsprechenden Abgase unterbinden.

Berechnungen haben diesbezüglich ergeben, dass Güterzüge pro Tonnenkilometer rund 80 Prozent weniger CO2 als Lastkraftwagen ausstoßen. Hinzu kommt, dass die Güterzüge bereits über 90 Prozent der Verkehrsleistung elektrisch erbringen. Dies verbessert die Klimabilanz zusätzlich, zumal der Strommix der Bahnen immer mehr auf erneuerbare Energien, wie zum Beispiel Wind- und Wasserkraft oder Solarenergie, ausgerichtet wird.

Mit grünem Wasserstoff zum emissionsfreien Güterzug

Der emissionsfreie Güterzug der Zukunft soll dabei vor allem von Wasserstoff-Brennzellen betrieben werden und dadurch einen klimaneutralen Schienengüterverkehr ermöglichen. Einen besonders hohen Stellenwert als klimafreundliche Antriebstechnologie genießt dabei der so bezeichnete grüne Wasserstoff, der gewonnen wird durch eine gezielte Wasserspaltung mit erneuerbaren Energien.

Die Deutsche Bahn (DB) erprobt bereits seit längerer Zeit verschiedene Modelle, wie zum Beispiel mobile Wasserstofftankstellen, um die Versorgung der Züge mit Wasserstoff zu gewährleisten. Grüner Wasserstoff soll zukünftig sowohl im Personenzugverkehr als auch im Schienengüterverkehr zum Einsatz kommen.

Immer stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf Schienen

Dieses Potenzial soll in Zukunft noch stärker genutzt werden. Das ist gerade auch für das Erreichen der Klimaziele wichtig. Die Bundesregierung und das Bundesamt für Güterverkehr verfolgt daher das klare Ziel, den Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene bis zum Jahr 2030 auf insgesamt 25 Prozent zu steigern. Dies sind die wichtigsten Maßnahmen, um den Güterverkehr nachhaltig zum klimafreundlicheren Schienengüterverkehr zu verlagern:

  • Reduzierung der Anlagen- und Trassenpreise
  • Bau eines 740-Meter-Netzes nach EU-Standard
  • Ausbau von Großknoten
  • Umfassende Elektrifizierung des Schienennetzes
  • Digitalisierung von Schienenfahrzeugen
  • Anbieten von digitalen Services
  • Vorantreiben einer stärkeren Automatisierung
  • Förderung des kombinierten Güterverkehrs

Welche Streckennetze verzeichnen ein besonders hohes Aufkommen an Güterzügen?

Der Anteil des Schienengüterverkehrs betrug im Jahr 2020 knapp 20 Prozent. Insgesamt 133 Milliarden Tonnenkilometer legten die Güterzüge dabei zurück. Das höchste Aufkommen an Güterschienenverkehr verzeichnete dabei die Strecke Köln – Koblenz – Mannheim. Insgesamt 300 Güterzüge nutzten diese Strecke täglich. Das sind 12,5 Güterzüge in der Stunde. Der Abstand der Züge untereinander lag dabei deutlich unter fünf Minuten. Immerhin noch 200 Güterzuge pro Tag respektive fast elf Güterzüge pro Stunde befuhren täglich die Strecke Hannover – Fulda/Gießen mit einem Abstand von etwa 5,8 Minuten. Weitere Hauptkorridore für den Schienenverkehr sind die Strecken Gemünden – Nürnberg – Regensburg – Passau (215 Güterzüge pro Tag), Hamburg – Hannover sowie Karlsruhe – Basel (beide 200 Güterzüge pro Tag).

Die weitere Entwicklung des Güterverkehrs

Von 2003 bis 2011 wuchs der Schienengüterverkehr noch stärker als die Beförderung der Güter auf der Straße. Selbst die damalige Wirtschaftskrise zog dabei keine nennenswerten Einbußen nach sich. Aktuell bremsen die schwierigen Wettbewerbsbedingungen die Entwicklung allerdings. 2019 betrug der Anteil der Schienengüterverkehrs am Gesamtvolumen 19 Prozent. Dies entspricht einer Steigerung von 0,4 Prozent gegenüber 2018 und liegt jetzt wieder auf dem Niveau von 2016.

Der Transport durch einen Güterzug hat erst einmal an Wachstumseffizienz verloren und steigt lediglich sehr langsam, während der Güterverkehr auf der Straße weitaus schneller zunimmt. Da der Transport via Güterzug aber als klimafreundliche und umeltverträglichste Lösung gilt, forcieren Bundesregierung und das Bundesamt für Güterverkehr die Verlagerung von der Straße zur Schiene. Der Güterzug-Transport bietet hier ein großes Potenzial für einen energieeffizienten und klimafreundlichen Güterverkehr.

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