Mit reiner Muskelkraft 15.06.2014, 08:00 Uhr

Weltrekordversuch: Kanadier wollen Fahrrad auf 140 km/h beschleunigen

Sie sind scharf auf den Weltrekord: Technikstudenten aus Kanada, die derzeit im Crowdfunding Geld für das Bike ETA sammeln. Nur mit Muskelkraft angetrieben soll das vollverkleidete Geschoss auf 140 km/h beschleunigen. Fenster Fehlanzeige, der Fahrer sieht die Straße über einen Monitor. 

Mit ihrem Highspeed-Fahrrad Bluenose haben die kanadischen Studenten bislang 120 km/h erreicht. Jetzt feilen sie am Nachfolger ETA, der noch 20 km/h schneller werden soll. 

Mit ihrem Highspeed-Fahrrad Bluenose haben die kanadischen Studenten bislang 120 km/h erreicht. Jetzt feilen sie am Nachfolger ETA, der noch 20 km/h schneller werden soll. 

Foto: Aerovelo

Nein, es ist kein E-Bike. Ganz allein mit Muskelkraft soll der Fahrer das Fahrrad ETA auf 140 km/h beschleunigen können. Die kanadische Gruppe AeroVelo, die vor allem aus Studenten besteht, hat bisher 120 km/h geschafft. Das Rad soll nun vor allem aerodynamisch so weiterentwickelt werden, dass es den neuen Rekord holen kann. Dafür brauchen die Entwickler allerdings noch Sponsoren – ein Fünftel der notwendigen Summe haben sie per Crowdfunding über die Plattform Kickstarter bisher zusammen.

Um ein Fahrrad so schnell wie möglich zu machen, sind mehrere Faktoren entscheidend: Es muss klein und leicht sein, die Kraftübertragung optimal, der Rollwiderstand möglichst gering. Vor allen Dingen aber muss der Luftwiderstand optimiert werden. Dazu haben die Kanadier eine Verkleidung entwickelt, die das Vorgängermodell Bluenose noch weiter verbessert. Dessen Name leitet sich ab aus der Visualisierung der aerodynamischen Daten, die im Windkanal gemessen werden – die Nase des Bikes erscheint dort tiefblau, weil der Luftwiderstand extrem niedrig ist.

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Fahrer sieht Straße auf einem Monitor

Gegenüber früheren Versionen haben heutige Rekordräder kein Sichtfenster mehr. Der Fahrer orientiert sich nur über eine Minikamera. Das neue ETA ist vollverkleidet, die Entwickler setzen neben der Aerodynamik an vier weiteren wichtigen Faktoren an: Kraftübertragung, Effizienz des Kettenantriebs, Rollwiderstand und Masse des Bikes. Nur jeweils ein Prozent Verbesserung bei all diesen Faktoren kann zu einem Tempogewinn von rund 1,5 km/h führen.

Der ETA-Vorgänger Bluenose verdankt seinen Namen der graphischen Visualisierung der Windkanaltests: Die Nase des Fahrrads ist dank der guten Aerodynamik tiefblau. 

Der ETA-Vorgänger Bluenose verdankt seinen Namen der graphischen Visualisierung der Windkanaltests: Die Nase des Fahrrads ist dank der guten Aerodynamik tiefblau. 

Quelle: Aerovelo

Worin die Neuerungen gegenüber Bluenose konkret bestehen, darüber verraten die Kanadier noch nicht viel. Ein Punkt ist die Vergrößerung der Räder, die geringeren Rollwiderstand bringen soll. Außerdem seien in dieser Größe einfach technisch bessere Räder verfügbar. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Luftwiderstand. Grundsätzlich könne die Aerodynamik eines herkömmlichen Fahrrades durch Verkleidung um einen Faktor 20 verbessert werden. Der Fahrer hat innerhalb der Kapsel eine Position ähnlich einem Liegerad, um optimale Kraftentwicklung zu garantieren.

Rekordjagd startet im September in Nevada

Im September wird Aerovelo bei der Human Powered Speed Challenge in Battle Mountain/USA an den Start gehen, um den Rekord zu holen. Der Wettbewerb auf 1400 Metern Höhe findet dort seit 2001 statt. Auf vier Kilometern Strecke könnend die Fahrer Tempo aufnehmen, bis sie den 200 Meter langen Messbereich erreichen.

Um den Weltrekord zu knacken, muss auch die Laufeigenschaft der Räder perfekt sein. Das prüfen die Studenten mit dieser Konstruktion, die das Rad beschleunigt. 

Um den Weltrekord zu knacken, muss auch die Laufeigenschaft der Räder perfekt sein. Das prüfen die Studenten mit dieser Konstruktion, die das Rad beschleunigt. 

Quelle: Aerovelo/Screenshot

Im Jahr 2009 hat die Verkehrsbehörde des Bundesstaates Nevada auf der Straße eigens für den Wettkampf einen extrem glatten und ebenen Belag aufbringen lassen. Im selben Jahr stellte Sam Whittingham hier den seither gültigen Weltrekord von knapp 134 km/h auf.

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

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