Was wurde eigentlich aus…? 23.03.2020, 15:55 Uhr

Elektroauto e.Go: Produktion vorerst eingestellt

Erst sorgte der Dieselskandal für Verzögerungen bei der Produktion, jetzt ist es das Coronavirus: Ab heute soll die Produktion gestoppt werden. Wie es danach für das Elektroauto-Start-up aus Aachen weitergeht, ist völlig unklar.

Man sieht verschiedene e.Go-Life-Modelle nebeneinander aufgereiht.

Der e.Go Life.

Foto: e.Go Mobile

Die Ausbreitung des Coronavirus verschärft auch die Situation beim Aachener Elektroauto-Hersteller e.Go Mobile. Ab heute soll die Produktion gestoppt werden.

„Die Maßnahmen treffen uns in einer empfindlichen Phase. Wahrscheinlich brauchen wir Hilfe von Bund oder Land, um die Corona-Krise auch noch zu überstehen“, sagt Firmenchef Günther Schuh.

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Das Werk sitzt in Aachen Rothe Erde. Die Produktion des e.Go soll zunächst für 4 Wochen still stehen. In den betroffenen Abteilungen soll Kurzarbeit angemeldet werden. Dies betrifft 130 der 500 Mitarbeiter. Diese Meldung ist nicht die erste aus der Automobilbranche: Zuvor hatten auch die großen deutschen Autohersteller Volkswagen, Daimler und BMW angekündigt, die Produktion in ihren deutschen und auch in ausländischen Werken wegen der Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen.

Doch die Coronakrise ist nicht das einzige Problem des Herstellers. Das Unternehmen steckte bereits vor der Ausbreitung in Schwierigkeiten, so die Rheinische Post. 2019 wurden nur 171 Fahrzeuge zugelassen, während rund 50 Millionen Euro Verlust anfielen.

Unser Rückblick zeigt, wie schwer es das Modell e.Go hat.

Brancheninsider rechneten bereits 2018 mit einem Durchbruch bei der Elektromobilität. Das Aachener Start-up e.Go Mobile wollte ein preisgünstiges Elektroauto auf den Markt bringen. Doch Günther Schuh, Professor für Produktionssystematik an der RWTH Aachen und CEO von e.Go Mobile, informierte seine Kunden über größere Verzögerungen. Sein e.Go Life wird später als erwartet vom Band rollen.

Zulieferer kontrollieren Autohersteller

Das lag vor allem an Zulieferbetrieben. „Leider haben sich – ausgelöst durch den Dieselskandal – die Corporate-Governance-Regeln vieler Zulieferer geändert“, schrieb Schuh an seine Kunden. „Uns betreffen jetzt die neuen Freigaberegeln: Einige Zulieferer nehmen neuerdings eigene Anwendungs- und Sicherheitseinstufungen vor und akzeptieren nicht mehr die Einstufung seitens des OEMs.“ Das heißt: Partnerfirmen geben sich nicht mit der Zertifizierung ihrer Produkte zufrieden. Vielmehr wollen sie auch sicherstellen, dass ihre Komponenten nicht unsachgemäß verbaut werden. Sie warfen also einen Blick auf das Endprodukt. Das kostete Zeit – und blieb nicht ohne Folgen für e.Go Mobile.

e.Go-Zeitplan geriet wegen neuer Freigaberegeln ins Wanken

Vier Zulieferer des Aachener Autobauers hatten angekündigt, erst im April 2019 die Abnahme durchzuführen. Schuh zufolge könnten es sich Unternehmen nicht leisten, 2.000 Elektroautos auf Halde zu bauen. Deshalb sollte die Serienfertigung erst im März 2019 starten und zum Ausgleich ab Juni im Zweischichtbetrieb laufen. Trotz dieser Maßnahmen musste Schuh seine Interessenten vertrösten. Wer bereits ein e.Go Life reserviert hatte, konnte zwischen April und September 2019 mit dem Elektromobil rechnen.

e.Go verspricht Konkurrenz zu großen Marken

Mit dem e.Go Life will Schuh laut seiner Website „Elektromobilität ohne jegliche Abstriche oder Aufpreise“ ermöglichen. Je nach Ausstattungsvariante liegt der Preis bei knapp 16.000 bis knapp 20.000 Euro: eine klare Kampfansage an etablierte Konkurrenten. Das Fahrzeug ist 3,3 Meter lang, bzw. 1,7 Meter breit und passt damit auch in kleine Parklücken. Es hat 4 Sitzplätze und wiegt mit Batterie 880 bis 850 Kilogramm. Weitere 350 bis 420 Kilogramm an Gewicht können transportiert werden. Als elektrische Reichweite im realen Stadtbetrieb gibt der Hersteller 104 Kilometer (mit 14,9-kWh-Batterie) bis maximal 158 Kilometer (mit 23,9-kWh-Batterie) an. Wer das maximal Mögliche ausreizen will, kommt auf 114 bis 135 Kilometer pro Stunde. Von null auf 50 Stundenkilometer braucht der e.Go Life 7,7 bzw. 3,4 Sekunden. Zum Laden an der Haushaltssteckdose sollte man 5,4 bis 9,4 Stunden einkalkulieren. Mit einem Typ 2-Stecker sind es 3,8 bis 6,9 Stunden.

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Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Referentin für Presse und Kommunikation beim VDI e.V.

  • Thomas Kresser

    Thomas Kresser ist Biologe und ausgebildeter Journalist. Er arbeitet unter anderem für das VDI Technologiezentrum, das Medizinportal NetDoktor, die Ärzteplattform Esanum und die Bauer Media Group. Thomas Kresser war Chefredakteur/stellv. Chefredakteur von DocCheck, Lifeline, Medscape und Onmeda. Er ist Gründer und Gesellschafter von ContentQualitäten. Seine Schwerpunkte: Biowissenschaften, Medizin, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Digital Health

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