Kosten steigen weiter 14.09.2016, 10:19 Uhr

Stuttgart 21: Grundsteinlegung wird zum Politikum

Nur CDU-Politiker und die Deutsche Bahn werden bei der Grundsteinlegung für Stuttgart 21 am Freitag dabei sein, prominente Grüne wie Ministerpräsident und Verkehrsminister bleiben fern. Passend zur Feier fürchtet nun auch der Bundesrechnungshof Kostensteigerungen auf 10 Mrd. Euro.

Obwohl die Bauarbeiten für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 schon weit fortgeschritten sind, wird erst jetzt der Grundstein gelegt. Allerdings haben führende Politiker der Grünen, darunter Ministerpräsident Winfried Kretzschmann, abgesagt. Unterdessen fürchtet auch der Bundesrechnunghof, dass die Kosten für das Großprojekt auf zehn Milliarden Euro steigen könnten.

Obwohl die Bauarbeiten für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 schon weit fortgeschritten sind, wird erst jetzt der Grundstein gelegt. Allerdings haben führende Politiker der Grünen, darunter Ministerpräsident Winfried Kretzschmann, abgesagt. Unterdessen fürchtet auch der Bundesrechnunghof, dass die Kosten für das Großprojekt auf zehn Milliarden Euro steigen könnten.

Foto: Silas Stein/dpa

Normalerweise ist eine Grundsteinlegung ein Festakt. Eine feierliche Zeremonie, die den Start eines vielversprechenden Bauprojektes symbolisiert und bei der Politiker um die Wette lächeln. Doch die Grundsteinlegung für den umstrittenen Tiefbahnhof Stuttgart 21 am kommenden Freitag gerät zur Farce. Weder Regierungschef Winfried Kretzschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann, noch der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn werden dabei sein. Angeblich haben sie keine Zeit.

Einzig die Landeswirtschaftsministerin von der CDU, Nicole Hoffmeister-Kraut,  wird Bahnchef Rüdiger Grube bei der Grundsteinlegung assistieren. Aber auch in der Union mehren sich die Zweifel an dem Milliardenprojekt Stuttgart 21. Wird es nicht doch am Ende billiger, das Ganze umzuplanen, als den Bau weiterzutreiben? Die Frage scheint mehr als berechtigt.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Hochschule Esslingen-Firmenlogo
Professor:in für das Lehrgebiet "Konstruktion" Hochschule Esslingen
Göppingen, Esslingen Zum Job 
Safran Data Systems GmbH-Firmenlogo
Testingenieur / Certified Tester (m/w/d) Safran Data Systems GmbH
Bergisch Gladbach Zum Job 
Fraunhofer-Gesellschaft e.V.-Firmenlogo
Sachgebietsleiter*in Technisches Gebäudemanagement - Betrieb, Wartung & Weiterentwicklung Fraunhofer-Gesellschaft e.V.
München Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Commissioning Manager Control, Field and Automation Engineering (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
Hochschule Esslingen-Firmenlogo
Professor:in für das Lehrgebiet "Elektrotechnik und Elektrische Energieversorgung" Hochschule Esslingen
Göppingen, Esslingen Zum Job 
Rhein-Sieg Netz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Netzbetrieb Rhein-Sieg Netz GmbH
Siegburg Zum Job 
Röhm GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik / Automatisierungstechnik / EMSR Röhm GmbH
Wesseling Zum Job 
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurinnen / Bauingenieure (m/w/d) Fachrichtung konstruktiver Ingenieurbau Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
Brunsbüttel, Rendsburg Zum Job 
BMI Deutschland GmbH-Firmenlogo
Sicherheitsfachkraft / Fachkraft für Arbeitssicherheit (m/w/d) BMI Deutschland GmbH
Dülmen Zum Job 
SWM Services GmbH-Firmenlogo
Inbetriebsetzungsleiter*in für Verfahrenstechnik (m/w/d) SWM Services GmbH
München Zum Job 
Fachhochschule Dortmund-Firmenlogo
Vertretungsprofessur "Produktions- und Qualitätsmanagement"; Fachbereich Maschinenbau Fachhochschule Dortmund
Dortmund Zum Job 
BMI Deutschland GmbH-Firmenlogo
Sicherheitsfachkraft / Fachkraft für Arbeitssicherheit (m/w/d) BMI Deutschland GmbH
Dülmen, Heyrothsberge Zum Job 
Herrenknecht AG-Firmenlogo
Technischer Redakteur (m/w/d) Herrenknecht AG
Schwanau Zum Job 
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurin /Bauingenieur (m/w/d) Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
Brunsbüttel Zum Job 
ONTRAS-Firmenlogo
Spezialist Strategische Technologie (m/w/d) ONTRAS
Leipzig Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Techniker als Fachexperte für Vertragsmanagement, Ausschreibung, Vergabe & Abrechnung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Krailling bei München Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO-Firmenlogo
Wissenschaftliche*r Referent*in der Institutsleiterin Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Stuttgart Zum Job 
FH Münster-Firmenlogo
Professur für "Strömungstechnik" im Fachbereich Maschinenbau FH Münster
Münster Zum Job 
Technische Hochschule Rosenheim-Firmenlogo
Professorin / Professor (m/w/d) für Applied Embedded Computing Technische Hochschule Rosenheim
Rosenheim Zum Job 
FUNKE Wärmeaustauscher Apparatebau GmbH-Firmenlogo
Verfahrensingenieur (m/w/d) im technischen Vertrieb Rohrbündelwärmeaustauscher FUNKE Wärmeaustauscher Apparatebau GmbH
Gronau (Leine) Zum Job 

Wurden Bundesmittel für Stuttgart 21 falsch verwendet?

Schon vor mehr als einem Jahr hatte ein Münchner Ingenieurbüro Berechnungen vorgelegt, nach denen das ganze Projekt, ursprünglich mit etwa viereinhalb Milliarden Euro kalkuliert, am Ende rund zehn Milliarden Euro kosten wird.

Bauarbeiter Anfang September im Cannstatter Tunnel des Bahnprojekts Stuttgart 21.

Bauarbeiter Anfang September im Cannstatter Tunnel des Bahnprojekts Stuttgart 21.

Quelle: Franziska Kraufmann/dpa

Die Bahn hatte dies noch empört zurückgewiesen. Nun aber sickert durch, dass der Bunderechnungshof in einem bislang geheimen Prüfbericht zu ähnlichen Schätzungen kommt. Demnächst soll der Bundestag über die Risiken informiert werden, die der Bundesrechnungshof sieht.

Das wäre für die Bahn in mehrfacher Hinsicht fatal, denn der Rechnungshof prüft vor allem, ob Mittel des Bundes zweckgemäß verwendet wurden. Der Verdacht, dass die Bahn Geld aus anderen Töpfen für Stuttgart 21 genutzt haben könnte, steht jedenfalls im Raum, seit die Frankfurter Allgemeine Ende August darüber spekulierte.

Die Baustelle des Tiefbahnhofs Stuttgart 21 sorgt auch oberirdisch für erhebliche Auswirkungen und Belastungen.

Die Baustelle des Tiefbahnhofs Stuttgart 21 sorgt auch oberirdisch für erhebliche Auswirkungen und Belastungen.

Quelle: Silas Stein/dpa

Bahnchef Grube blieb noch im Sommer felsenfest dabei, dass die zuletzt offiziell eingeplanten rund 6,5 Milliarden Euro in jedem Fall reichen werden. Schon das ist für die DB ein harter Brocken, denn die öffentliche Hand will sich an den zwei Milliarden Euro Mehrkosten nicht beteiligen. „Für die Mehrkosten kann das Land nicht herangezogen werden“, erklärte jüngst noch das Verkehrsministerium in Stuttgart, und schon die bisherigen 930,6 Millionen Euro Landesanteil seien schließlich eine rein freiwillige Leistung gewesen.

Bürger protestieren: Grundstein oder Grabstein?

Eigentlich soll die Grundsteinlegung den Start für ein Kernstück des Bauvorhabens symbolisieren: Den 400 x 80 m langen Betonboden für den künftigen Tiefbahnhof. Insgesamt rund 5.000 Kubikmeter Beton sollen dafür verbaut werden. In fünf Jahren würden dann hier tatsächlich Züge fahren, verspricht die Bahn. Doch auch dieser Termin wird inzwischen bezweifelt: Weitere zwei Jahre Bauzeit könnten notwendig werden, heißt es nach Medienberichten in internen Papieren der DB.

Die Baustelle des Tiefbahnhofs Stuttgart 21 im August aus der Luft gesehen: Das alte Bahnhofsgebäude rechts hat keinen direkten Gleisanschluss mehr. Die Gleise des Kopfbahnhofes, die früher bis zum Hauptgebäude reichten, enden schon seit Jahren weit vor dem Bahnhof.

Die Baustelle des Tiefbahnhofs Stuttgart 21 im August aus der Luft gesehen: Das alte Bahnhofsgebäude rechts hat keinen direkten Gleisanschluss mehr. Die Gleise des Kopfbahnhofes, die früher bis zum Hauptgebäude reichten, enden schon seit Jahren weit vor dem Bahnhof.

Quelle: Silas Stein/dpa

Das hat auch mit vielen Klagen zu tun, die die Arbeiten verzögerten. Die Bürgerproteste sind indes längst nicht mehr so massiv wie noch vor einigen Jahren. Dennoch haben S21-Gegner auch für den Tag der Grundsteinlegung Aktionen angekündigt – sie nennen es den Tag der „vorgezogenen Grabsteinlegung“.

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.