Ethec der ETH Zürich 20.07.2018, 13:14 Uhr

Schweizer Elektro-Motorrad mit 400 km Reichweite

Es gewinnt Bremsenergie zurück und schafft dadurch eine Reichweite von 400 km: Ethec, ein elektrisches Motorrad mit Allradantrieb. Hinter der Entwicklung stecken Studenten der ETH Zürich. Die Höchstgeschwindigkeit ist allerdings eher gemütlich.

Stylisch mit großer Reichweite: das E-Motorrad Ethec.
Lässt die Konkurrenz in puncto Reichweite hinter sich: Das Ethec der ETH Zürich hat eine Reichweite von 400 km.

Foto: ETH Zürich/Ethec

Das Motorrad ist der Form eines Körpers nachempfunden. Die Lampe, welche durch den Hals an die Form angeknüpft ist, ist ein Hauptmerkmal des Designs und bildet den Kopf. Dahinter folgt die prägnante Ausformung der Schulter wodurch das Motorrad aus der Vorderansicht kräftig wirkt.

Foto: ETH Zürich/Ethec

Struktur der Batterie mit zwei Modulen und insgesamt 1260 Li-Ionen-Rundzellen.

Foto: ETH Zürich/Ethec

Das Batterie-Management-System (BMS) dient der Überwachung und Regelung der Batterie. Es sammelt alle relevanten Informationen wie Ladungszustand, Temperatur und Zellgesundheit

Foto: ETH Zürich/Ethec

Der eingebaute Induktivsensor erlaubt eine präzise Bestimmung des Winkels des Bremshebels.

Foto: ETH Zürich/Ethec

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Akkus in E-Motorrädern sind im Vergleich zu E-Autos klein. Entsprechend dürftig ist bei vielen Modellen die Reichweite: Vor Jahren erreichten Elektromotorräder kaum 100 km, heute knacken einige die 200-km-Marke. Das ist Studenten der ETH Zürich aber zu wenig. Sie haben deswegen tief in die Trickkiste gegriffen. „Da bei einer Bremsung rund 75 Prozent der Energie am Vorderrad dissipiert wird und bei konventionellen Motorrädern verloren geht, wird bei Ethec zum ersten Mal ein Radnabenmotor im Vorderrad eingebaut“, schreibt das Schweizer Tüftler-Team, das aus 13 Maschinenbauern, einem Elektroingenieur und zwei Industriedesignern besteht.

Reichweite von 400 km durch Rekuperation

Durch den Radnabenmotor am Vorderrad wird die sogenannte Rekuperation möglich. Der Motor arbeitet beim Bremsen dabei kurzerhand als Stromgenerator und speist den 15-kWh-Akku, der aus 1.260 Li-Ionen-Rundzellen besteht. Die Ingenieure haben zudem auf Leichtbauweise gesetzt. Basis der Maschine ist ein Rohrrahmen, die Verkleidung besteht aus leichtem Carbonfaser-Nusslaminat. Die Folge: eine beachtliche Reichweite von 400 km.

Mit dem prominent platzierte Startknopf kann das Motorrad angeschaltet werden. Dabei ist kein traditioneller Schlüssel mehr nötig, sondern es reicht ein Beacon, das per Bluetooth mit dem Motorrad kommuniziert,

Mit dem prominent platzierte Startknopf kann das Motorrad angeschaltet werden. Dabei ist kein traditioneller Schlüssel mehr nötig, sondern es reicht ein Beacon, das per Bluetooth mit dem Motorrad kommuniziert,

Quelle: ETH Zürich/Ethec

Die Ingenieure haben zudem ein Kühlsystem integriert, um die Lebensdauer der Batterie zu erhöhen. Dabei führt ein Luftkreislauf mit Hilfe von Peltier-Elementen die Wärme aus dem Ölkreislauf ab, der die Batteriezellen umströmt. Temperatursensoren ermöglichen eine präzise Steuerung, sodass die Batteriezellen konstant auf idealer Betriebstemperatur gehalten sind. Das soll eine gleichbleibende Reichweite über mehrere Jahre ermöglichen.

135 km/h Höchstgeschwindigkeit

Ethec wird die Speed-Fans nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Der Allradantrieb hat eine Dauerleistung von 22 KW und eine Spitzenleistung von 50 KW. Das reicht aus, um das Elektromotorrad auf gemütliche 135 km/h zu beschleunigen. Dann ist Schluss. Keine Chance also gegen das LS-218 des US-amerikanischen Herstellers Lightning Motorcycle, ein E-Motorrad, das 350 km/h schnell ist.

Als Entschädigung gibt es technische Gimmicks. Der Fahrer braucht zum Beispiel keinen Schlüssel mehr. Stattdessen trägt er einen kleinen Funksender in der Tasche, der die Maschine über Bluetooth entriegelt. Ein Knopfdruck reicht aus und schon startet der Motor. Und klassische Armaturen sind auch Schnee von gestern. Stattdessen gibt es ein 7-Zoll-Display, das unter anderem Geschwindigkeit und Akkustand anzeigt.

Markteinführung ist ungewiss

Ethec hat ein schickes, futuristisches Design und eine beachtliche Reichweite. Ein scheinbar idealer Gefährte für den Stadtverkehr. Leider steht in den Sternen, ob die Maschine jemals auf den Markt kommt. Es handelt sich nicht um einen seriennahen Prototyp, sondern um ein sogenanntes Fokusprojekt der ETH Zürich. Studenten erhalten dabei die Möglichkeit, parallel zu den Lehrveranstaltungen eigene Produkte zu entwickeln – vom ersten Entwurf bis hin zu Produktion und Marketing.

Deutlich schneller als Ethec ist dagegen das LS-2018 von Lightning Motorcycles, das mit seinem Elektroantrieb bis auf 350 km/h beschleunigen kann. Und wann kommt die erste serienmäßige Elektro-Harley? 2019 soll sie auf der Straße rollen.

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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