Weniger Lichtbelastung 20.11.2014, 13:44 Uhr

Radaranlagen schalten Warnfeuer von Windparks ein und aus

Sie blinken die ganze Nacht durch, die roten Warnleuchten oben auf Windrädern, Schornsteinen oder Fernsehtürmen. Anwohner großer Windparks finden die Lichter nachts gar nicht gut. Jetzt gibt es eine neue Technik, die das Warnfeuer nur einschaltet, wenn sich wirklich ein Flugzeug nähert. Ansonsten bleibt der Himmel dunkel.

Windpark Ockholm-Langenhorn in Nordfriesland: Die Windräder sind die ersten in Deutschland, die mit einer Radaranlage ausgestattet sind, die Flugzeuge, Hubschrauber und gar Ballons erfasst. Die roten Warnlichter schalten sich deshalb nur ein, wenn das Radar ein Flugobjekt erfasst. Dadurch wird die nächtliche Belastung der Anwohner durch die Warnlichter erheblich reduziert.

Windpark Ockholm-Langenhorn in Nordfriesland: Die Windräder sind die ersten in Deutschland, die mit einer Radaranlage ausgestattet sind, die Flugzeuge, Hubschrauber und gar Ballons erfasst. Die roten Warnlichter schalten sich deshalb nur ein, wenn das Radar ein Flugobjekt erfasst. Dadurch wird die nächtliche Belastung der Anwohner durch die Warnlichter erheblich reduziert.

Foto: Enertrag

Das Blinken der Befeuerung von Windenergieanlagen ist weithin zu sehen. Das soll es ja auch, um Flugzeuge vor den hohen Anlagen zu warnen. Viele Menschen fühlen sich vom grellen roten Licht allerdings gestört. Die Bürger der kleinen Gemeinden Ockholm und Langenhorn in Nordfriesland direkt an der Nordseeküste haben es besser. Die 17 Mühlen ihres Bürgerwindparks, die eine Gesamtleistung von 50 Megawatt haben, bleiben nachts dunkel.

Trotzdem sind sie keine Gefahr für den Luftverkehr. Sobald sich ein Flugzeug in einer Entfernung von vier Kilometer oder weniger und unterhalb von 600 Metern auf die Windgeneratoren zubewegt, schalten sich die Blinkfeuer wie von Geisterhand gesteuert ein.

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Radarsensoren erkennen alle Luftfahrzeuge

Von Geistern kann allerdings gar keine Rede sein. Der Windpark ist mit einer Radaranlage ausgestattet, die den Himmel ständig abscannt. Sobald die Strahlen auf ein Flugzeug treffen und zur Sende- und Empfangsstation zurückgeschickt werden, schalten sich die Warnlichter ein. Der Bürgerwindpark war der erste, der versuchsweise mit dem System ausgestattet wurde. Jetzt hat die Deutsche Flugsicherung der Bedarfsbefeuerung die Zulassung erteilt.

Airspex heißt das System des brandenburgischen Energieunternehmens Enertrag. Es ist bekannt vor allem wegen seines Hybrid-Kraftwerks in Prenzlau. Enertrag hat die Steuerung gemeinsam mit Airbus Defence & Space, der Verteidigungs- und Sicherheitsdivision des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus entwickelt. Airbus steuerte vor allem einen Radarsensor namens Spexer 500 bei, der speziell für das Erkennen von Bodenbewegungen und tief fliegenden Flugzeugen entwickelt worden ist.

Montage der Radaranlagen zur Überwachung des Luftraums an einem Windrad in Ockholm und Langenhorn in Nordfriesland.

Montage der Radaranlagen zur Überwachung des Luftraums an einem Windrad in Ockholm und Langenhorn in Nordfriesland.

Quelle: Enertrag

„Wir wollen die Anwohner des Windparks entlasten und damit zur Akzeptanz von Windkraftanlagen beitragen“, sagt Melf Melfsen, Betreiber des Bürgerwindparks Ockholm-Langenhorn an der Nordseeküste, an dem sich rund 500 Haushalte der Gemeinde beteiligt haben. „Deshalb freuen wir uns, dass Enertrag sein erstes System mit den neuen Radaren in unserem Windpark installiert hat.“

Die Sensoren – pro Windpark sind es mindestens vier – erkennen sogar Heißluftballons, Ultraleichtflugzeuge und Segelflieger. „Die Akzeptanz neuer Windenergieprojekte steigt merklich, wenn die Warnleuchten nachts nicht mehr dauerhaft blinken“, glaubt Enertrag-Geschäftsführer Thomas Herrholz.

Bei Störungen blinkt es wieder ohne Pause

Die Sende- und Empfangsstationen befinden sich am Schaft einer Mühle, oder mehrerer Mühlen, wenn der Windpark besonders groß ist. Airspex kann beim Bau von neuen Anlagen direkt installiert werden. Das System kann allerdings auch, wie beim Windpark Langenhorn-Ockholm, nachgerüstet werden. Die Anlage wird automatisch überwacht. Sobald eine Störung auftritt, wird die Befeuerung auf Dauerbetrieb gestellt.

 

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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