Kfz-Neuzulassungen 2026 20.08.2026, 13:00 Uhr

Fast jeder dritte Neuwagen elektrisch, doch deutsche Hersteller verlieren Boden

Elektroautos treiben den deutschen Automarkt 2026: BEV-Zulassungen steigen um 50,2 %, während Benziner und Diesel Marktanteile verlieren.

Der VW-Konzern in Wolfsburg

Der VW-Konzern steht noch gut das, was die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen in 2026 angeht. Er sieht sich aber zunehmend dem Druck anderer Wettbewerber ausgesetzt.

Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Der E-Auto-Markt in Deutschland nimmt deutlich Fahrt auf: Von Januar bis Juli 2026 wurden 446.615 reine Elektroautos neu zugelassen, ein Plus von 50,2 %. Im Juli fuhr bereits fast jeder dritte neue Pkw ausschließlich elektrisch.

Für die deutschen Hersteller ist das allerdings nur bedingt eine Erfolgsgeschichte. Ihr gemeinsamer Anteil am BEV-Markt fiel im 1. Halbjahr von 63,5 auf 54,2 %. Während Elektroautos boomen, gewinnen chinesische Marken und andere Wettbewerber Marktanteile. Der deutsche Automarkt wird damit nicht nur elektrischer, er wird auch neu verteilt.

Elektroautos wachsen deutlich schneller als der Gesamtmarkt

Die Neuzulassungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für die ersten 7 Monate 2026 zeigen einen deutschen Pkw-Markt im Wandel. Insgesamt wurden von Januar bis Juli 1.752.461 Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von 5,1 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit liegt der Markt allerdings weiterhin rund 20 % unter dem Niveau von 2019.

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Deutlich stärker entwickeln sich batterieelektrische Fahrzeuge (BEV, Battery Electric Vehicle). Ihre Zahl stieg auf 446.615 Fahrzeuge, ein Zuwachs von 50,2 %. Damit waren im bisherigen Jahresverlauf rund 25,5 % aller neu zugelassenen Pkw reine Elektrofahrzeuge.

Noch deutlicher zeigt sich die Dynamik im Juli. Mit 78.609 BEV erreichten Elektroautos einen Monatsmarktanteil von 29,3 %. Gegenüber Juli 2025 entspricht das einem Zuwachs von 61,7 %. Damit war im Juli fast jeder 3. neu zugelassene Pkw ein BEV. Der gesamte Pkw-Markt wuchs im gleichen Zeitraum lediglich um 1,2 %.

Plug-in-Hybride wachsen ebenfalls

Auch die Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEV, Plug-in Hybrid Electric Vehicle) entwickeln sich positiv, allerdings mit deutlich geringerer Dynamik als reine Elektrofahrzeuge. In den ersten 7 Monaten wurden 194.402 PHEV neu zugelassen. Das entspricht einem Wachstum von 17 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Im Juli kamen 30.609 PHEV hinzu. Ihr Marktanteil lag bei 11,4 %. BEV und PHEV erreichten zusammen einen Anteil von rund 40,7 % an den Neuzulassungen. Der gesamte Markt für Elektrofahrzeuge – also BEV, PHEV und Brennstoffzellenfahrzeuge – erreichte von Januar bis Juli 641.026 Fahrzeuge. Das entspricht einem Plus von 38 %.

Bei der Interpretation der KBA-Daten ist allerdings eine Besonderheit zu berücksichtigen: Die Kategorie „Hybrid“ umfasst auch Fahrzeuge mit Mildhybrid-Systemen. Ein hoher Hybridanteil bedeutet deshalb nicht automatisch, dass diese Fahrzeuge größere Strecken elektrisch zurücklegen können.

Benziner und Diesel verlieren weiter

Der Gegentrend zeigt sich bei den klassischen Antriebsarten. Im Juli erreichten Benziner nur noch einen Marktanteil von 18,9 %. Ihre Neuzulassungen lagen rund 30 % unter dem Vorjahresmonat. Diesel kamen auf 11,8 % und verloren rund 22 %.

Benziner und Diesel zusammen standen damit im Juli nur noch für rund 30,7 % des Pkw-Marktes. Daraus darf allerdings nicht geschlossen werden, dass nur noch knapp ein Drittel der neuen Pkw einen Verbrennungsmotor besitzt. Mildhybride und andere Hybridfahrzeuge enthalten ebenfalls Verbrennungsmotoren und werden statistisch separat ausgewiesen.

Auch beim CO₂-Ausstoß zeigt sich die Verschiebung. Der durchschnittliche CO₂-Ausstoß der neu zugelassenen Pkw lag im Juli bei rund 91,2 g/km und damit 15,1 % niedriger als im Vorjahresmonat.

Elektroautos werden auch im Kleinwagensegment interessanter

Ein Grund für die steigenden BEV-Zulassungen ist das breitere Modellangebot. Das gilt zunehmend auch für das untere Preissegment. Nach einer aktuellen ADAC-Auswertung ist die Zahl der in Deutschland angebotenen Neuwagen mit einem Listenpreis von weniger als 20.000 € deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig befinden sich erstmals mehrere reine Elektrofahrzeuge unterhalb dieser Preisgrenze. Dazu zählen unter anderem der Dacia Spring, der Leapmotor T03 und der Renault Twingo E-Tech Electric.

Das Center of Automotive Management (CAM) sieht die zunehmende Zahl attraktiver Elektromodelle als wichtigen Treiber der Nachfrage. Hinzu kommen nach Einschätzung des Instituts die neuen Förderbedingungen und die zuletzt hohen Kraftstoffpreise. Für das Gesamtjahr hat das CAM seine Prognose deshalb auf 825.000 bis 850.000 neue BEV angehoben.

Deutsche Hersteller verlieren bei BEV Marktanteile

Neben dem Antriebswechsel verschieben sich auch die Wettbewerbsverhältnisse. Nach einer Auswertung des CAM kamen die deutschen Konzernmarken im 1. Halbjahr 2026 bei den BEV gemeinsam auf einen Marktanteil von 54,2 %. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 63,5 %. Damit haben sie innerhalb eines Jahres rund 9,3 Prozentpunkte verloren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass deutsche Hersteller zwingend weniger Elektroautos verkaufen. Ein Marktanteil kann auch dann sinken, wenn die eigenen Stückzahlen steigen – nämlich dann, wenn Wettbewerber noch schneller wachsen.

CAM-Studienleiter Stefan Bratzel beschreibt diese Entwicklung als grundlegende Verschiebung des Wettbewerbs: „Die deutschen Konzernmarken dominieren den heimischen BEV-Markt zwar nach wie vor“, ihr gemeinsamer Marktanteil sei jedoch deutlich zurückgegangen. Insbesondere Tesla, die Stellantis-Marken und chinesische Hersteller konnten ihre Marktanteile bei batterieelektrischen Fahrzeugen erhöhen.

Über alle Antriebsarten hinweg bleibt der Volkswagen-Konzern mit einem Marktanteil von rund 40,5 % in den ersten 7 Monaten klarer Marktführer. Im Vorjahreszeitraum waren es allerdings noch 42,2 %. BMW steigerte seinen Anteil leicht von 9,8 auf 10,1 %, Mercedes-Benz kam auf rund 8,7 %.

Chinesische Hersteller gewinnen an Boden

Besonders auffällig ist die Entwicklung chinesischer Hersteller. Ihr Anteil am deutschen Gesamtmarkt stieg auf 6,2 %. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von rund 2 Prozentpunkten.

Der Erfolg beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf einzelne Elektrofahrzeuge. BYD hat in Deutschland bei den Gesamtzulassungen erstmals Volvo überholt. Bratzel fasst die Entwicklung so zusammen: „Die Elektromobilität und chinesische Newcomer verändern künftig die Kräfteverhältnisse im deutschen Markt nachhaltig.“

Togg zeigt die Grenzen hoher Wachstumsraten

Wie vorsichtig prozentuale Wachstumsraten interpretiert werden müssen, zeigt der türkische Hersteller Togg. In Deutschland wurden von Januar bis Juli 2026 lediglich 233 Fahrzeuge neu zugelassen. Gegenüber der kleinen Ausgangsbasis des Vorjahres ergibt sich daraus zwar eine extrem hohe Wachstumsrate, die absolute Stückzahl bleibt jedoch gering.

Der türkische Hersteller Togg – im Bild der Togg T10X – zeigt, wie schwer sich der Markteinstieg für Elektrofahrzeuge in Deutschland gestalten kann: Im Heimatland ein Erfolg, die Zulassungszahlen 2026 in Deutschland liegen dagegen im niedrigen, dreistelligen Bereich. Foto: Togg

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es 140 Togg. Togg bleibt damit deutlich hinter den eigenen Deutschland-Ambitionen zurück. Gleichzeitig hat das Unternehmen in der Türkei seit dem Marktstart 2023 bereits mehr als 100.000 Fahrzeuge verkauft.

Auch preislich positioniert sich Togg nicht im unteren Segment. T10X und T10F werden in Deutschland ab rund 40.000 € angeboten. Das Beispiel zeigt vor allem, dass ein stark wachsender BEV-Markt neuen Herstellern den Markteintritt nicht automatisch erleichtert.

2026 könnte zum starken BEV-Jahr werden

Nach 446.615 BEV bis Ende Juli erscheint die CAM-Prognose von 825.000 bis 850.000 Neuzulassungen im Gesamtjahr erreichbar. In den verbleibenden 5 Monaten wären dafür durchschnittlich rund 76.000 BEV pro Monat notwendig. Im Juli wurden bereits 78.609 BEV zugelassen, im Juni sogar 84.057.

Die entscheidende Veränderung zeigt sich dabei nicht nur in den steigenden Stückzahlen. Der Gesamtmarkt wächst moderat, BEV legen deutlich stärker zu, Benziner und Diesel verlieren Marktanteile und gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb zwischen den Herstellern. Damit wird zunehmend die Frage entscheidend, welche Anbieter vom Wachstum der Elektromobilität profitieren.

Ein Beitrag von:

  • Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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