ELEKTRONISCHE DEICHSEL 05.04.2016, 11:58 Uhr

Fast ohne Abstand: Sechs Lkw-Konvois fahren fast automatisch nach Rotterdam

Nicht erschrecken: Wenn Sie derzeit Lkw in viel zu geringem Abstand auf der Autobahn entdecken, dann ist das okay. Das nennt sich Platooning und ist die Zukunft des Güterverkehrs. Nur noch der Fahrer an der Spitze steuert, die anderen Lkw folgen automatisch. Sechs Konvois rollen derzeit nach Rotterdam.

Fast ohne Abstand: Sechs Lkw-Konvois fahren fast automatisch nach Rotterdam

Scania-Lkw im Konvoi auf dem Weg nach Rotterdam: Die Lkw sind über WLAN verbunden und halten einen Abstand von nur 15 Metern. Nur der Fahrer des ersten Lkw steuert, die anderen folgen mittels Autopilot.

Foto: MAN

Fast ohne Abstand: Sechs Lkw-Konvois fahren fast automatisch nach Rotterdam

Verkehrsminister Alexander Dobrindt startete den MAN-Konvoi in München.

Foto: MAN

Grafik zur Funktionsweise des Platooning

Lkw sind per WLAN verbunden, um vernetzt in engen Abständen automatisch hintereinander zu fahren. Das nennt sich neudeutsch Platooning.

Foto: MAN

Scania-Truck im Platooning-Konvoi

Scania-Trucks im Platooning-Konvoi: Derzeit sind Trucks von Daimler, MAN, Scania, Volvo, DAF und Iveco in Konvois unterwegs nach Rotterdam, um das Platooning im normalen Verkehr zu testen.

Foto: Scania

Daimler-Trucks im Platooning-Konvoi

Daimler-Trucks im Platooning-Konvoi: Von dem Konvoi-Fahren mit geringen Abständen erhoffen sich Politik und Logistikbranche weniger Staus und eine bessere Auslastung der Autobahnen.

Foto: Daimler Trucks

Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat in München einen MAN-Konvoi auf die Reise nach Rotterdam geschickt. Sechs Gespanne sind derzeit auf dem Weg in die niederländische Hafenstadt. Und sie fallen auf: Gerade mal 15 Meter trennen jeden Lkw von seinem Vordermann.

Trotzdem ist der Fahrer ganz entspannt, mehr noch: Er kann die Beine übereinandergeschlagen und lässt die Arme baumeln. Wie von Geisterhand gesteuert macht das Fahrzeug unbeirrt seinen Weg.

Platzbedarf schrumpft auf die Hälfte

Doch eine Geisterhand hat nichts damit zu tun. Der zweite Lkw, und noch ein dritter, der hinterherfährt, hängen an einer elektronischen Deichsel. Über WLAN kommunizieren die Fahrzeuge miteinander. Sie machen mit Hilfe der Fahrerassistenzsysteme alles dem Vordermann nach. Der Abstand bleibt immer gleich, Auffahrunfälle sind unmöglich.

Platooning nennen das die Lkw-Hersteller, die mit dieser Technik noch ein weiteres Ziel verfolgen. Der Treibstoffverbrauch sinkt um zehn Prozent und damit auch der Schadstoffausstoß. Ein solcher Konvoi benötigt erheblich weniger Platz. Drei Fahrzeuge etwa haben eine Gesamtlänge von 80 Metern. Üblich sind 150 Meter, weil der Sicherheitsabstand zum Vordermann eingehalten werden muss. Die Fahrbahn wird also effektiver genutzt. Überlastungen, die wegen des weiter wachsenden Güterverkehrs immer häufiger auftreten, werden so seltener. Jedenfalls ist das die Hoffnung.

Platooning-Elektronik kommt 2017 auf den Markt

Jetzt testen Daimler, MAN, Scania, Volvo, DAF und Iveco das Platooning bei einer Sternfahrt nach Rotterdam im normalen Verkehr. Die Konvois starteten am Montag an den jeweiligen Stammsitzen der Unternehmen. Die deutschen Fahrzeuge, zwei von MAN, drei von Daimler, machten sich von München und Stuttgart auf den Weg.

Am 6. April treffen sie sich in der niederländischen Hafenstadt. Ziel ist es, alle Fahrzeuge, die vom kommenden Jahr an ausgeliefert werden, mit einer elektronischen Deichsel anzubieten. Zumindest die Volkswagen-Töchter MAN und Scania sind dazu entschlossen, wie VW-Nutzfahrzeuge-Vorstand Andreas Rentschler beim Start der beiden MAN-Lkws in München betonte.

Elektronik reagiert schneller als Menschen

Sorgen, dass die Verkehrssicherheit durch Platooning sinkt, sind unbegründet. Während ein Lkw-Fahrer eine Reaktionszeit von mehr als einer Sekunde hat, brauchen die Befehle etwa zum Bremsen gerade mal 0,1 Sekunden, ehe sie bei den Hintermännern ankommen.

Auch wenn Neufahrzeuge vom kommenden Jahr an mit der elektronischen Deichsel ausgestattet sind, wird es Platooning aber nur versuchsweise geben. Nötig ist eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen in den Ländern, die das teilautomatisierte Fahren erlauben. Bis 2020 könnte das gelingen, glauben Experten.

Was schon geht, das hat Daimler erst im vergangenen Jahr demonstriert: Da fuhr ein Mercedes-Truck mit Daimler-Truck-Chef Wolfgang Bernhard und Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann autonom auf der A8 im Raum Stuttgart. Bernhard und Kretschmann konnten sich sogar einen Kaffee gönnen, während der Truck selbstständig steuerte.

 

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