E-Mobilität 15.06.2012, 11:55 Uhr

E-Bikes für die Citylogistik

Für einen baldigen Durchbruch bei der E-Mobilität betrachten viele Verkehrsexperten die Citylogistik als besonders prädestiniert. Dabei müssen es nicht immer vier Räder sein, auch elektrisch angetriebene Roller oder Pedelecs (Pedal Electric Cycles) können inzwischen erstaunliche Lasten transportieren.

E-Bikes könnten der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen.
Foto: BMU

E-Bikes könnten der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen.

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Frank Müller ist ein leidenschaftlicher Pedalritter, der in einer Großstadt wie Berlin viele Vorteile für ein wendiges und schnelles Bike sieht. „Wer heute in einer Metropole auf Kreativität setzt und auffallen will, für den bieten sich schnelle Bikes mit einem Elektroantrieb an“, sagt der gelernte Werbekaufmann, der bis 2011 Geschäftsführer des Bundesverbands eMobilität, Berlin, war.

Müller geht es dabei nicht so sehr um das bequeme Radeln für Senioren, sondern um die Nutzung elektrischer Zweiräder für kleinere Waren- und Dokumententransporte, wenngleich er jetzt als Geschäftsführer der Urban-e MSC, Berlin, auch ein leichtes E-Bike und einen Scooter mit im Unternehmensprogramm hat. „Wir haben vor drei Jahren die Urban eMobility Solution Consulting gegründet und mit der Entwicklung des Elektro-Lastenrads iBullitt begonnen. Heute produzieren wir monatlich bereits 25 Cargo eBikes in mehreren Varianten“, so Müller.

E-Bikes mit Transportkisten prägen immer häufiger das Berliner Stadtbild

Seit die ersten elektrischen Lastenfahrräder mit der großen Transportkiste im Berliner Stadtbild zu sehen seien, wachse die Nachfrage sprunghaft, wie der Geschäftsführer erklärt. So fahre beispielsweise inzwischen der Expresszusteller Messenger werbewirksam mit dem iBullitt, auch der Energiekonzern E.on habe sich einige Exemplare zugelegt, ebenso der Münchener Kurierdienst Transimpex und der Ökostromanbieter Lichtblick.

Auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig Anfang Mai, wo das Elektro-Lastenrad vorgestellt wurde, fand es so großes Interesse, dass Müller bereits plant, im Jahresverlauf mehrere Hundert Fahrzeuge zu bauen und europaweit auszuliefern.

Während der robuste und für ein Fahrrad überlange Rahmen von einem Hersteller aus Dänemark zugeliefert wird und auch die Batterien (Sanyo) sowie der Nabenmotor für das kleine Vorderrad von großen Serienherstellern gekauft werden, konzentrieren sich die Berliner vor allem auf die Abstimmung der Komponenten und eine intelligente Steuerung. Die Lithium-Ionen-Batterie kann je nach Kundenwunsch mit verschiedenen Kapazitäten und Reichweiten eingebaut werden. Sie erhält wahlweise eine Ladehilfe durch ein kleines integriertes Solarpaneel auf der Oberseite der Transportkiste.

„Die maximal 4 W reichen nicht für den eigentlichen Antrieb, sie erhöhen aber durch den relativ kontinuierlichen Ladefluss die Lebensdauer der Batterie und natürlich auch ein Stück die Reichweite“, erklärte Müller. Insgesamt reicht eine Batterieladung (Kapazitätsangebot 420 Wh bis maximal 1,5 kWh) für eine Reichweite zwischen 50 km und 200 km. Dabei wird jedoch davon ausgegangen, dass der Fahrer nur eine Antriebsunterstützung erhält.

E-Bikes: Elektrisch unterstütztes Lastenfahrrad kann 100 kg zuladen

Das elektrisch unterstützte Lastenfahrrad erreicht mit bis zu 100 kg Frachtzuladung im Schnitt etwa 25 km/h (technisch könnte der Motor auf mehr als 30 km/h beschleunigen). Die Ladezeit beträgt für die kleine Batterie lediglich 3 h, da ein Ladestrom von 4 A genutzt werden kann.

„Wir erleben nicht zuletzt durch den E-Commerce eine hohe Zunahme der Expresswarenauslieferung bei gleichzeitig schnell wachsenden Treibstoffkosten und stark belasteter Infrastruktur. Deshalb sehen wir die Cargo-Bikes mit Batterieantrieb auch als europäisches Zukunftsmodell“, blickt Müller optimistisch auf das Beispiel China. Dort gehörten die traditionell pedalgetriebenen Lastkarren zum Straßenbild und fahren dort zunehmend auch mit elektrischem Hilfsantrieb.

 

Von Manfred Schulze

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