13.000 Kilometer Schienen 15.05.2014, 15:23 Uhr

China will längste Eisenbahnstrecke der Welt bauen

China plant den Bau einer 13.000 Kilometer langen Eisenbahnstrecke, die die Volksrepublik mit den USA verbinden soll. Kernstück des Projekts ist ein 200 Kilometer langer Tunnel unter der Meerenge Beringstraße. Zwei weitere Fernstrecken sollen nach Europa und führen und in London enden. 

Dampflok auf Schienen neben dem Baikalsee

Entlang des Baikalsees in Sibirien führt die 9300 Kilometer lange Strecke der Transsibirischen Eisenbahn. Sie ist bislang die längste Eisenbahnstrecke der Welt. 

Foto: panthermedia.net/avrutin

Die chinesischen Eisenbahnplaner denken an eine Route von Nordost-China durch Sibirien zur Beringstraße. Letztere soll untertunnelt werden. Die Bahnstrecke würde dann von Alaska an der kanadischen Pazifikküste entlang in die Vereinigten Staaten führen und im Süden der USA enden. Die Streckenlänge würde 13.000 Kilometer betragen. Bisherigen Rekord hält die Transsibirische Eisenbahn mit einer Länge von 9300 Kilometern.

Bei einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von 350 km/h würden Schnellzüge für die gesamte Strecke knapp zwei Tage benötigen, um Passagiere aus China in die Vereinigten Staaten zu befördern.

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Kernstück des Projekts ist ein Tunnel unter der Beringstraße

Der Tunnel unter der Beringstraße zwischen Russland und Alaska wird etwa 200 Kilometer lang sein und damit fast die vierfache Länge des Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien erreichen. Die Planungsarbeiten liegen größtenteils bei der Chinese Academy of Engineering in Peking. Professor Wang Mengshu erklärte kürzlich, dass bereits mit einer Reihe chinesischer Unternehmen über die technische Realisierbarkeit des Projekts diskutiert werde. Dazu gehört auch die China Railway Group, ein Unternehmen, das über Erfahrungen im Bau und Betrieb von Bahnen im Ausland verfügt.

Zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hat es immer wieder Gespräche über eine Bahnverbindung zwischen beiden Ländern gegeben. Die ersten Pläne dafür kamen 1905 auf – also noch vor der Russischen Revolution. Der Verwirklichung standen bislang immer wieder entweder politische Hindernisse oder Finanzierungsschwierigkeiten im Wege. China will nun aber das gesamte Vorhaben selbst planen, bauen und finanzieren.

Yamdrok-See im tibetanischen Hochland

Mit extremen Eisenbahnstrecken hat China Erfahrung: Der Yamdrok-See liegt 110 Kilometer südwestlich der tibetanischen Hauptstadt L’hasa in einer Höhe von 4441 Metern. Ganz in der Nähe verläuft eine chinesische Eisenbahnstrecke, die bis auf 5000 Meter ansteigt. Die Passagiere brauchen in dieser Höhe Sauerstoffmasken.

Quelle: panthermedia.net/Steve_Allen

Während Containerschiffe wenigstens zehn Tage benötigen, um über den Pazifik zu fahren, könnten Güter per Bahn in wenigen Tagen die amerikanischen Märkte erreichen. Das wäre zwar deutlich teurer als der Seetransport, aber ungleich kostengünstiger als die heute für viele Güter genutzte Luftfracht.

China plant auch zwei Fernstrecken nach Europa

China will aber nicht nur Richtung USA, sondern auch nach Europa schnelle Fernbahnstrecken bauen, die jeweils in London enden sollen. Die erste Route führt durch Russland mit Stopp in Moskau und dann über Warschau, Berlin und Paris nach Großbritannien. Die zweite Route soll durch Innerasien führen und dann über Iran und die Türkei nach Frankreich und Großbritannien. Eine vierte, allerdings sehr viel kürzte Fernbahnstrecke plant China nach Singapur. Die Route führt dabei über Vietnam, Kambodscha, Thailand und Malaysia.

Die Chinese Academy of Engineering glaubt, dass sämtliche Strecken ohne Probleme mit der heute verfügbaren Technik gebaut und befahren werden können. Die chinesischen Eisenbahnplaner verfügen über mehr Erfahrungen im Bau und Betrieb von Bahnstrecken unter extremen Bedingungen als anderen Länder. So hat das Land von 1984 bis 2006 eine Fernbahn aus China zur tibetische Hauptstadt L’hasa gebaut. Diese Strecke erreicht im Gebirge eine Höhe von mehr als 5000 Metern. Das bedeutet unter anderem, dass die Passagiere mit Sauerstoff versorgt werden müssen. Die Strecke ist nicht elektrifiziert, sondern wird mit dieselelektrischen Lokomotiven bedient, von denen jeweils zwei einen Zug über die riesigen Steigerungen ziehen. Von den Schwellen bis zu den Brücken handelt es sich bei der Strecke fast ausnahmslos um eine Betonkonstruktion. Ein Teil der Strecke ist hoch geständert.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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