Pendler und Geschäftsreisende 24.06.2021, 11:10 Uhr

Bahnstreik: Worauf Sie jetzt achten müssen

Nicht nur Berufspendler und Geschäftsreisende sind vom drohenden Bahnstreik betroffen, auch Urlauber müssen womöglich umdisponieren.

Die Gewerkschaft GDL hat einen Bahnstreik angekündigt. Foto: panthermedia.net/Animaflora-PicsStock

Die Gewerkschaft GDL hat einen Bahnstreik angekündigt.

Foto: panthermedia.net/Animaflora-PicsStock

Update zum Bahnstreik: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will vorerst in den nächsten Wochen auf einen Streik verzichten. Zuvor soll eine Urabstimmung stattfinden – vor August ist eher mit keinem Streik zu rechnen.

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Knapp eine Woche vor den Sommerferien schwelt es bei der Bahn: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat einen Warnstreik in mehreren Bundesländern angekündigt. Anders als zunächst angenommen, wird es aber wohl keinen Streik in den Sommerferien geben. Für viele Urlaubsreisende hat der Konflikt zwischen Bahn und GDL erst einmal keine Konsequenzen, Berufspendler und Geschäftsreisende müssen aber mit möglichen Einschränkungen rechnen, falls nach einer Urabstimmung der GDL-Mitglieder möglicherweise im August gestreikt wird.

Worum geht es bei dem Bahnstreik? Welche Rechte haben Fahrgäste? Bekommt man sein Geld wieder? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Bahnstreik: Worum geht es?

Die Wahrscheinlichkeit, dass es jetzt zu einem Streik bei der Bahn kommt, wächst. Die GDL hat nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Move konkrete Arbeitskampfmaßnahmen beschlossen, wie die Gewerkschaft mitteilt:

“Auch in der vierten Runde legte die DB weder ein verbessertes Angebot vor, noch wollte sie über unsere Forderungen verhandeln – eine gezielte Provokation. Der GDL-Hauptvorstand und die Bundestarifkommission haben daraufhin das Scheitern der Tarifverhandlungen und die Einleitung von Arbeitskampfmaßnahmen beschlossen”, heißt es bei der GDL. Genaueres soll am Donnerstag verkündet werden.

Bahn: Die Strecken mit den meisten Verspätungen

Der Warnstreik bei der Bahn wäre der erste seit Dezember 2018. Damals hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufgerufen. EVG und GDL ringen miteinander um Einfluss bei der Bahn. Die EVG hatte im Herbst 2020 einen Tarifabschluss erzielt. Ab 2022 steigen die Gehälter der Beschäftigten um 1,5%. Das ist eher wenig im Vergleich zu vergangenen Tarifrunden – die Corona-Pandemie hatte die Bahn allerdings massiv belastet. Die Bahn kämpft aktuell mit Milliardenverlusten.
Dafür sind laut Tarif bis Ende 2023 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Die GDL will nun wiederum bei Geld und Arbeitszeit mehr für die Beschäftigten herausholen.

DB und GDL hatten sich bereits ein Stück aufeinander zu bewegt. Die GDL hatte eine Einkommenserhöhung von 1,4 Prozent und eine Corona-Prämie 2021 sowie weitere 1,8 Prozent im nächsten Jahr gefordert. Die Beschäftigten hätten mehr verdient als einen Ausgleich der Preissteigerung, so GDL-Chef Claus Weselsky.

Bahn-Rekorde: Die schnellsten Züge der Welt

Die Bahn ihrerseits hatte Einkommenssteigerungen nach dem Vorbild Öffentlicher Dienst im Bereich Flughäfen vorgeschlagen. Dort gilt ein “Notlagentarifvertrag”: Die Einkommenserhöhung von 1,4 Prozent gibt es dort erst im Oktober 2022, die weiteren 1,8 Prozent erst im April 2023.

Der Konzern warf der GDL jetzt vor, mit ihren Streik-Ankündigungen Kunden zu verunsichern und dem in der Corona-Krise hart getroffenen Unternehmen zu schaden.

Wie viel verdient man als Lokführer?

Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung rangiert bei Lokführern zwischen 1.800 und 2.700 Euro brutto monatlich. Hinzu kommen Zulagen und Sonderzahlungen, etwa für Nachtarbeit. Je nach Berufserfahrung bewegt sich das Jahresgehalt zwischen 38.000 und 45.000 Euro bei der Deutschen Bahn (inkl. aller Zulagen).

Manche Wettbewerber der Bahn zahlen allerdings weniger – zum Teil deutlich.

Bahnstreik: Übernachtung, Geld zurück – Welche Rechte haben Fahrgäste?

Ein Bahnstreik trifft sowohl Berufspendler als auch Reisende gleichermaßen. Neben all dem Ärger, dass man nicht ans Ziel kommt oder wenn, dann zu spät, sollten Fahrgäste ihre Rechte bei einem Streik nicht außer Acht lassen.

Fakt ist: Ein Bahnstreik kann, was Erstattungen betrifft, nicht mit einer ausgefallenen Bahn durch eine Oberleitungsstörung gleichgesetzt werden. In derartigen Fällen können Sie bei Verspätungen ab 20 Minuten innerhalb von 60 Minuten ein Taxi oder einen Car-Sharing-Dienst nutzen. Nach dem Sie in Vorkasse getreten sind, können Sie innerhalb von 14 Tagen einen Erstattungsantrag stellen und sich das Geld bei der Bahn zurückholen. Also: Quittung nicht vergessen! Nun die schlechte Nachricht – bei einem Bahnausfall durch Streik entfällt dieses Recht. Bei langanhaltenden Streiks richtet die Bahn aber oftmals Taxisammelstellen ein. Hier sollten Sie unbedingt auf die Durchsagen am Bahnhof achten.

Wer durch einen Bahnstreik nicht pünktlich ans Ziel kommt, kann sich je nach Verspätung aber einen Teil des Fahrpreises erstatten lassen. Das heißt, Sie bleiben oftmals nicht auf dem gesamten Ticketpreis sitzen. Hier greift die EU-Fahrgastverordnung VO (EG) Nr. 1371/2007.

Wichtig: Verspätung durch Bahnstreik von Mitarbeitenden bestätigen lassen

Es lebe die deutsche Bürokratie – ohne schriftlichen Nachweis erreicht man in solchen Fällen oftmals nichts. Daher ist es wichtig, sich die Bahnverspätung durch einen Mitarbeitenden bestätigen zu lassen. Mit diesem Schein können Fahrgäste ihre geplante Reise online reklamieren. Das Fahrgästerecht-Formular finden Sie auf bahn.de. In ICEs werden diese Zettel auch über das Zugpersonal verteilt.

Nehmen Sie alternativ Fotos von Anzeigentafeln auf, auf denen die Verspätung oder der Zugausfall abzulesen sind. Ein Screenshot aus der Bahn-App kann ebenfalls nützlich sein.

ICE statt S-Bahn: Das geht nicht nur bei einem Bahnstreik. Verschuldet die Deutsche Bahn das Erreichen des Zielbahnhofs oder ist eine Verspätung von mehr als 20 Minuten zu erwarten, dürfen Fahrgäste einen höherwertigen Zug nehmen, um von A nach B zu kommen. Bahnmitarbeiter bestätigen die Aufhebung der Zugbindung – laut Bahn ist das aber nicht notwendig.
Die Nahverkehrskarte im Fernzug gilt, wenn die ursprüngliche Route nicht länger als 50 Kilometer lang war oder nicht länger als eine Stunde dauerte.

Bekommt künftig jeder seinen eigenen Bahnwaggon?

Vor allem auch für Urlaubsreisende sind Bahnstreiks mehr als ärgerlich. Wer mit Sack und Pack strandet, hat Anspruch auf eine Unterkunft über die Deutsche Bahn, sofern eine Weiterfahrt nicht mehr zumutbar oder am selben Tag nicht mehr möglich ist.

Sie haben sich Ihr Hotelzimmer selbst ausgesucht? Dann lassen Sie sich die Übernachtung bestätigen und reichen die Rechnung bei der Bahn ein. Wichtig ist zudem ein Nachweis von der Bahn, dass an diesem Tag keine Weiterfahrt möglich war und Ihnen keine Unterkunft bereitgestellt wurde.

Das leibliche Wohl

Vor lauter Warten auf die Bahn hungrig und durstig geworden? Nach 60 Minuten Verspätung muss die Bahngesellschaft kostenfrei Mahlzeiten und Erfrischungen bereitstellen, sofern sie im Zug oder im Bahnhof verfügbar oder lieferbar sind. Müssen Sie selbst für Ihr leibliches Wohl sorgen, sollten Sie die Rechnungen aufbewahren, um das Geld später von der Bahn erstatten zu lassen.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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