Sternen-Tandem vor Todesstoß 22.10.2015, 15:25 Uhr

Ungewöhnlicher Doppelstern begeistert Astronomen

Mithilfe des Very Large Telescope in Chile haben Astronomen einen sogenannten Doppelstern entdeckt, der der bislang massereichste seiner Art ist. Die beiden Einzelsterne dieses kosmischen Tandems haben sich so sehr angezogen, dass sie sich bereits berühren. Fest steht, dass sie ihren jetzigen Zustand nicht allzu lange beibehalten werden. Tatsächlich geht es um nichts Geringeres als um Leben oder Tod zweier Himmelskörper.

Sieht ein bisschen aus wie eine fliegende und liegende „8“: Der Doppelstern VFTS 352 in einer künstlerischen Darstellung. 

Sieht ein bisschen aus wie eine fliegende und liegende „8“: Der Doppelstern VFTS 352 in einer künstlerischen Darstellung. 

Foto: L. Calcada/ESO

Die beiden Körper im Sternsystem VFTS 352 umkreisen sich so nah beieinander, dass zumindest ihre Außenhüllen aus Gas bereits ineinander übergehen. Das internationale Forscherteam der Europäischen Südsternwarte ESO betont die Seltenheit dieser Entdeckung im Tarantelnebel, der etwa 160.000 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Ein Lichtjahr entspricht einer Distanz von 9,5 Billiarden Kilometer. Aufgespürt haben die Astronomen den kosmischen Zwilling mithilfe des Very Large Telescope in Chile, das als das höchstentwickelte optische Instrument der Welt gilt.

Dieses Bild zeigt die Position von VFTS 352 (M.) – des bisher heißesten und massereichsten bekannten Doppelsternsystems, bei dem die zwei Komponenten in Kontakt miteinander stehen und Materie teilen. Die zwei Sterne befinden sich etwa 160.000 Lichtjahre von der Erde entfernt in der Großen Magellanschen Wolke. Dieses faszinierende System könnte auf ein dramatisches Ende zusteuern, entweder mit der Entstehung eines riesigen Einzelsterns oder als zukünftiges doppeltes Schwarzes Loch.

Dieses Bild zeigt die Position von VFTS 352 (M.) – des bisher heißesten und massereichsten bekannten Doppelsternsystems, bei dem die zwei Komponenten in Kontakt miteinander stehen und Materie teilen. Die zwei Sterne befinden sich etwa 160.000 Lichtjahre von der Erde entfernt in der Großen Magellanschen Wolke. Dieses faszinierende System könnte auf ein dramatisches Ende zusteuern, entweder mit der Entstehung eines riesigen Einzelsterns oder als zukünftiges doppeltes Schwarzes Loch.

Quelle: ESO/M.-R. Cioni/VISTA Magellanic Cloud survey

Derart außergewöhnlich in der ohnehin kleinen Gruppe der sogenannten Überkontaktsysteme – zwischen beiden Sternen hat sich eine Art Brücke gebildet – ist zum einen die Tatsache, dass beide Körper fast genau gleich groß sind. Nicht minder ungewöhnlich ist ihre enorme Masse: gemeinsam schaffen es beide Sterne auf die fast 60-fache Sonnenmasse. Die ESO schätzt, dass sich die zwei Himmelskörper etwa 30 % ihrer Materie teilen. Doch vor allem diese Zahl könnte deutlich steigen. 

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Fusion oder doppeltes Schwarzes Loch? Eine ungewisse Zukunft

Die Entdeckung von VFTS 352 ist schon deshalb ein Glückstreffer, da solche Doppelsterne nie lange in dieser Übergangssituation verharren – zu groß sind die Kräfte, mit denen sich beide Körper anziehen. Die ESO sagt dem ungewöhnlichen Sternen-Duo zwei unterschiedliche Zukunfts-Szenarien voraus, wobei das eine strenggenommen der Todesstoß wäre.

Jene düstere Variante erläutert Selma de Mink, theoretische Astrophysikerin des Teams: „Wenn die Sterne gut genug durchmischt werden, bleiben sie beide kompakt und das VFTS-352-System entgeht der Verschmelzung. Das würde diese Objekte auf einen völlig anderen Pfad führen als es die klassische Sternentwicklung vorhersagt. Im Fall von VFTS 352 würden beide Sterne ihr Leben voraussichtlich in Supernova-Explosionen beenden und dabei ein enges Doppelsystem aus Schwarzen Löchern bilden.“

Wenn man vom Paranal-Observatorium der ESO in Chile aus an den Nachthimmel blickt, wird man wie hier zu sehen mit einer atemberaubenden Ansicht begrüßt. Sprenkel von Blau, Orange, Rot – jeder entweder ein Stern, eine Galaxie, ein Nebel oder etwas anderes, was zusammen den funkelnden Nachthimmel bildet.

Wenn man vom Paranal-Observatorium der ESO in Chile aus an den Nachthimmel blickt, wird man wie hier zu sehen mit einer atemberaubenden Ansicht begrüßt. Sprenkel von Blau, Orange, Rot – jeder entweder ein Stern, eine Galaxie, ein Nebel oder etwas anderes, was zusammen den funkelnden Nachthimmel bildet.

Quelle: Y. Beletsky (LCO)/ESO

Die sozusagen lebensbejahende Entwicklung sähe hingegen so aus, dass beide Körper ordentlich miteinander verschmelzen. Geboren wäre ein riesiger Einzelstern, der schnell rotiert und starke magnetische Eigenschaften besäße. Eine allzu lang andauernde Turbo-Rotation könnte aber auch in diesem Szenario das Ende beinhalten: herbeigeführt durch eine enorm energiereiche Explosion.

Neben seiner Masse verfügt VFTS 352 übrigens über ein weiteres Superlativ: In der Klasse der Doppelsterne wurde bislang kein anderes Paar entdeckt, dessen Oberfläche derart heiß ist: über 40.000 °C. 

Ein Beitrag von:

  • Jan-Martin Altgeld

    Ehemals freier Journalist. Tätigkeiten im Online & Hörfunk. Für ingenieur.de Artikel zu Umwelt- und Verkehrsthemen.

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