Leuchtende Kommunikation 23.10.2014, 15:15 Uhr

Mit dem Stimmungspulli Gefühle in Farbe zeigen

Leuchtet der Stimmungspullover rot, ist man wahrscheinlich verliebt, bei lila aufgeregt und bei gelb geradezu verzückt. Aus dem Hautwiderstand interpretiert der „Mood Sweater“ die Gefühle des Pulliträgers und übersetzt sie in Farben, die am Kragen hell leuchten.

Auf den Kragen kommt es an: Er spiegelt beim Stimmungspullover über Farben die Gefühle des Trägers wider. Blau drückt Gelassenheit aus.

Auf den Kragen kommt es an: Er spiegelt beim Stimmungspullover über Farben die Gefühle des Trägers wider. Blau drückt Gelassenheit aus.

Foto: Screenshot Ingenieur.de/Sensoree

Zum Warmhalten ist der Stimmungspullover sicher nicht gedacht mit seinem ärmellosen kurzen Schnitt. Hier geht es nicht um Funktion, sondern um Kommunikation und zwar in der nonverbalen Art. Kristin Neidlinger vom Studio Sensoree in San Francisco hat den Mood Sweater entwickelt, der anzeigt, welche Emotionen sein Träger gerade hat. Für Menschen, die ihre Gefühle lieber für sich behalten wollen, ist der Pulli also denkbar ungeeignet.

Sensoren messen den Hautwiderstand

Aber es gibt ja auch noch diejenigen, die gerne zeigen wollen, was sie gerade bewegt. Statt umständlich nach Worten zu suchen, um Gefühle auszudrücken können sie nun vor sich hin leuchten und ihre Emotionen jedem, der sie sehen kann, signalisieren. Das funktioniert über die Messung des Hautwiderstandes. Zum Pulli gehören Sensoren, die an beiden Händen getragen werden und mit jeweils einem Kabel zu einem von außen nicht sichtbaren Knotenpunkt im Kleidungsstück führen.

Wirkt ganz schön spacig, der Mood Sweater – für alle, die über ihre Gefühle nicht reden, aber sie zeigen wollen. Lila weist auf Aufgregung hin. 

Wirkt ganz schön spacig, der Mood Sweater – für alle, die über ihre Gefühle nicht reden, aber sie zeigen wollen. Lila weist auf Aufgregung hin. 

Foto: Screenshot Ingenieur.de/Sensoree

Der Hautwiderstand misst die elektrische Leitfähigkeit der Haut und wird in erster Linie von der Aktivität der Schweißdrüsen beeinflusst. Diese wiederum wird durch das vegetative Nervensystem gesteuert und ist deshalb normalerweise bewusst nicht beeinflussbar. Je mehr Schweiß produziert wird, desto größer wird die Stromleiterfähigkeit der Haut. Bekannt sind solche Messungen des Hautwiderstandes und deren Interpretation zum Beispiel beim Lügendetektor oder auch beim Biofeedback.

Je nach Gefühlszustand leuchtet der Pulli in unterschiedlichen Farben

Vereinfacht gesagt, ist der Hautwiderstand umso geringer, je ruhiger und ausgeglichener der Mensch ist. Steigt der Stresslevel und die Nervosität, dann steigt auch die Schweißproduktion an. Die gesendeten Daten der Sensoren werden nun im Innern des Pullis verarbeitet und dort an LEDs im großen Kragen weitergegeben, die in unterschiedlichen Farben leuchten, je nach Stromstärke.

Die junge Frau ist entweder verliebt oder nervös. In beiden Fällen leuchtet der Kragen des Mood Sweaters rot. 

Die junge Frau ist entweder verliebt oder nervös. In beiden Fällen leuchtet der Kragen des Mood Sweaters rot. 

Foto: Sensoree

Fünf Gefühlszustände kann der Stimmungspullover farblich unterscheiden: Leuchtet der Pulli türkis, ist sein Träger eher abgeklärt und still, bei blau entspannt und gleichmütig und bei lila aufgewühlt und erregt. Leuchtet der Kragen rot, deutet das entweder auf Nervosität oder Verliebtheit – vom Hautwiderstand gesehen, macht das offenbar keinen Unterschied. Danach kommt in der farblichen Gefühlsskala nur noch ein zartes Gelb, das den Zustand der verzückten Glückseligkeit, auch Nirvana genannt, signalisiert.

Einsatzmöglichkeiten im Bereich Gesundheit und Pflege angedacht

Jetzt könnte man den Mood Sweater als modisches Accessoire für Selbstverliebte mit exhibitionistischen Tendenzen abtun, aber Designerin Kristin Neidlinger sieht für ihren Pulli noch andere Einsatzmöglichkeiten. „Das Konzept könnte zukünftig auch auf den Bereich Gesundheit oder Pflege übertragen werden“, sagt Neidlinger. „Etwa für solche Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihren Gefühlszustand zu kommunizieren. Manche Alzheimer-Patienten können zum Beispiel ohne ersichtlichen Grund beunruhigt oder aggressiv werden. Tragbare Technologie, wie der Mood Sweater, könnte ein erster Schritt sein, um Familien oder Pflegern dabei zu helfen, solche Menschen besser zu verstehen.“

Von Gudrun von Schoenebeck

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