Kultur 26.11.1999, 17:23 Uhr

Mit neuem Schwung über die Langlaufloipe

Mit ausgefuchsten Profilen im Ski wird dem Freizeit-Langläufer sein Sport leicht gemacht. Doch die Pflege ist wichtig, sonst trübt sich das Vergnügen.

Neben der Konstruktion des Ski-Körpers spielen beim Langlaufski heute die Beläge und vor allem die Belag-Schliffe die entscheidende Rolle, zumindest im Top-Bereich der Renn- und Sport-Modelle. Der richtige Ski für den Freizeitsportler dagegen ist eher der Langlaufski mit einer Steighilfe im Mittelbereich des Belages. Bekannt geworden ist diese Spezies unter dem landläufigen Begriff „Schuppenski“.
Der Begriff „Schuppen-Ski“ trifft allerdings nicht mehr wörtlich zu. Die Schuppe als Steig-Hilfe in der Mitte des Ski ist zwar nicht out, doch diese „Schuppen“ weisen heute so gut wie keine Ähnlichkeit mehr mit dem Belag der frühen 80er Jahre auf.
Jeder Hersteller verfolgt inzwischen eigene Entwicklungen von Steig-Hilfen, die von der Negativ-Schuppe (in den Belag eingefräst) und Positiv-Schuppe (mit erhabener Ausbildung) über Micro-Schuppen, Microfaser-Beläge, Kronen-Schliffe, doppelte (versetzte) Kronen-Schliffe, Stufen-Systeme und Chemical-Beläge hinaus reichen.
Doch generell gibt es keine Steig-Hilfe für alle Schnee- und Temperatur-Bedingungen. Und generell gilt ebenso: Alle Nowax-Modelle mögen keine vereisten Loipen und können dort gefährlich schnell werden.
Beim Nowax-Ski kommt es in erster Linie auf guten Abdruck bei jeder Situation und vor allem auf die Steig-Fähigkeit an. Doch Nowax – das wird ebenso fälschlich wie oft als „den Ski nicht wachsen müssen“ interpretiert. Wer aber damit genussvoll laufen möchte, muss auch entgegen anders lautendem Rat seinen Nowax-Ski pflegen. Die Gleit-Flächen im vorderen und hinteren Bereich sollten gleich vor dem ersten Gebrauch eine ordentliche Präparierung bekommen, die jedes gute Sport-Fach-Geschäft erledigen kann. Diese muss nicht jedes Mal erneuert werden, doch sollten die Steig-Hilfe-Zonen in der Mitte mit entsprechenden Pflege-Mitteln, die es zumeist als Spray gibt, behandelt werden. Steig-Hilfen wirken eben nicht nur helfend beim Aufstieg, sondern sie können auch mehr oder weniger bitterböse Bremser sein, wenn man es an der nötigen Pflege mangeln lässt.
Bei den traditionellen Langlaufski hat sich in den letzten Jahren bis auf die Schuppenstruktur der Steighilfe kaum etwas geändert. Viele Modelle werden heute in der sogenannten Cap-Bauweise hergestellt, d.h. die Seiten-Wange und die Deckfläche bilden eine einzige Schale. Aber den sogenannten „Sandwich-Ski“ gibt es nach wie vor, vor allem im niedrigen Preis-Segment. Anders beim Skating-Ski, der immer mehr Anhänger findet. Hier gibt es, ähnlich wie beim Alpin-Ski mittlerweile Taillierungen, die ein Nachschwingen des Ski bei Skating verhindern sollen.
Wer von einem Nowax-Ski weniger begeistert ist, dem steht ein qualitativ gutes Angebot an preiswerten Wachsski-Modellen im Sport- bzw. Allroundbereich sowohl für Skating als auch Classic zur Auswahl. Für diese Modelle legt man zwischen 250 DM und 400 DM auf den Tisch.
Und wer sich wenig Ski, aber viel Lauftechnik leisten möchte, der kann sich auch für einen Combi-Ski für beide Stil-Arten entscheiden – den klassischen Langlauf und das Skating. Allerdings leben diese Modelle von Kompromissen, so dass sie niemals die ganzen Vorzüge eines speziellen Modells aufweisen werden.
Ein äußeres Merkmal des Einsatzbereiches eines Langlauf-Ski ist seine Breite. Während Rennski-Modelle sich zwischen 43 mm und 45 mm bewegen und Sportmodelle zwischen 44 mm bis 45 mm, hat der „Allrounder“ eine Mindest-Breite von 46 mm. Die Gruppe der „Wander-Ski“ beginnt ab der Breite von 48 mm.
Bei der Wahl der Skistöcke gilt, dass diese generell länger sein müssen als im alpinen Skilauf. Für die klassische Technik wählt man Stöcke mit einer Länge, die bis unter die Achselhöhlen reicht. Für die dynamische Skatingtechnik sind noch längere Stöcke notwendig. Die Nasenspitze ist dabei der einfachste Messpunkt.
Noch ein Wort zu den Belägen der Langlauf-Ski. Deren Materialbasis ist hochmolekulares Polyethylen. Dieses Material zeichnet sich durch enorme Zähigkeit und, aufgrund seiner Mikrostruktur, durch hohe Absorptionsfähigkeit aus. Dies ist wichtig, um Wachs dauerhaft aufnehmen zu können. Beim Sinter-Prozess werden die als Pulver vorliegenden Rohstoffe in einer Form bei 140° C bis 170° C unter einem Druck von 200 bar zwölf Stunden gebacken. Mit einer rotierenden Scheibe wird nun der Belag in einer Stärke von 1,5 mm von der sogenannten Ronde abgeschält.
Die Beimengung von Graphit verringert die Schmutzaufnahme und setzt die statische Aufladung des Belags deutlich herab, so dass der Ski bei Nass-Schnee weniger saugt. Experimente mit anderen Belagsbeimengungen zeigten bald die Grenzen des herkömmlichen Sinterverfahrens auf. Die Antwort auf dieses Problem heißt „Platten-sintern“. Statt der voluminösen Ronden werden nun Platten von 2 m x 3 m in einer Stärke von 1 mm bis 1,5 mm, also der endgültigen Belagsstärke, gesintert. Dieses neue Sinterverfahren ist um ein Vielfaches teurer, da pro Sintervorgang nur ein Bruchteil der Produktionsausbeute des konventionellen Sinterns erzielt wird. So war es nun aber möglich, auch andere Substanzen beizumengen, als da wären Fluor, Silikon-Öle oder gar Paraffin. Die für den Sintervorgang nötigen hohen Temperaturen von 140 bis 170° C machten den meisten Beimengungen jedoch zu schaffen. Auch dieses Problem haben die findigen Techniker inzwischen gelöst. Wie diese Lösung aussieht, ist derzeit noch ein wohlgehütetes Geheimnis. HERBERT KLOSE
Der erste Schnee ist nah: Skilanglauf gehört zu den gesündesten Ausdauersportarten.
Bei den Steighilfen der Nowax-Ski gibt es immer neue Varianten

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  • Herbert Klose

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