Porträt 06.01.2012, 12:02 Uhr

La Chaux-de-Fonds: Wiege der Uhrenindustrie

Die schweizerische Stadt La Chaux-de-Fonds ist besonders. Nicht nur, weil sie mit 1000 m eine der höchstgelegenen Städte in ganz Europa ist. Sie ist abgelegen, fast im Niemandsland, ein paar Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Im Winter gibt es viel Schnee, die Sommer sind eher kühl im Schweizer Jura. Hier ticken die Uhren anders – mehr noch, hier begannen sie zu ticken.

La Chaux-de-Fonds ist gleichzeitig eine Utopie, immer offen für Fortschritt und neue Ideen. Gedanken an Anarchie und Revolution entstanden genau hier. Im März 1848 marschierten Revolutionsanhänger nach Neuchâtel und stürzten die Monarchie. Karl Marx war da und hat die Stadt später als eine „einzige Uhrenwerkstatt“ bezeichnet.

Mit Recht. Hier stellte im 19. Jahrhundert eine proletarische Aristokratie nichts als Uhren her. Wanduhren, Pendeluhren, Kaminuhren, Taschenuhren, Spieluhren. In enormen Mengen. 50 % aller Uhren drängten in Hochphasen aus der Schweiz auf den Weltmarkt.

La Chaux-De-Fonds wurde ganz auf die Bedürfnisse der Uhrenindustrie ausgerichtet

Die Bedingungen haben sich geändert. Aber die Eigenschaften nicht, die unabdingbar dazu gehören, um Räderwerke erfolgreich zum Laufen zu bringen. Ihre Macher müssen geduldig, geschickt und völlig präzise sein. Kombiniert mit einem außergewöhnlichen Wissen rund um diese winzigen, aber hochkomplexen Puzzleteile. Ein Wissen, das über Jahrhunderte entstanden ist. Früher lebten die Bewohner von La Chaux-De-Fonds verstreut auf ihren Gehöften. Um im Winter eine zusätzliche Einkommensquelle zu haben, fingen sie irgendwann an, bei Kerzenschein Uhren zu fabrizieren.

Eine Feuersbrunst im Mai 1794 brachte die architektonische Wende. Jene Höfe, die den Brand überstanden hatten, mussten einer idealen Stadt weichen. Der Charakter der Uhrmacher färbte auf die Architektur ab. La Chaux-de-Fonds wurde so ein erstaunlich praktischer Ort, der ganz auf die Bedürfnisse der Uhrenindustrie ausgerichtet ist, ohne die seiner Einwohner zu vergessen. Urban und menschlich zugleich. Kino, Theater, Musikhalle für die Kultur Radwege und Loipen für den Sport Berge und Seen fürs Wohlbefinden. Alles ist da. Und 2009 kam noch ein universeller Aspekt hinzu. Gemeinsam mit der Zwillingsstadt Le Locle steht La Chaux-de-Fonds wegen seiner Einzigartigkeit seitdem unter dem kulturellen Schutz der Unesco.

Selbst die Architektur von La Chaux-de-Fonds ist demokratisch

Aus den Anarchisten von einst sind Bewohner einer Arbeiterstadt geworden, die immer Gleichheit gesucht haben. Selbst die Architektur ist demokratisch: Es gibt kein Zentrum. Restaurants verteilen sich genauso an den schnurgeraden Straßen der Stadt wie Bäckereien, Bekleidungsgeschäfte oder ganz normale Supermärkte. Die äußere Wirklichkeit bestimmt ein anderes Lebensgefühl, das, weil es so anders ist, zur selben Zeit neue Blickwinkel eröffnet.

Für La Chaux-de-Fonds liegen die an den Ausläufern der Stadt. Wo kein Zentrum ist, kann der Ort einfach verlängert werden. Immer das Jura-Tal entlang. So die Idee. Vor allem gen Osten, Richtung französische Grenze, gibt es noch Platz, was einige bekannte Uhrmanufakturen gerade mit Neubauten am Stadtrand unterstrichen haben. Das Prinzip funktioniert. Der Entwicklungsplan, den sich der Ingenieur Charles-Henri Junod 1834 ausgedacht hat, beeinflusste später selbst noch einen Sohn der Stadt beim Entwurf seiner lichtdurchfluteten Gebäude: Le Corbusier.

In rechtwinkeligen Straßen stehen im weiten Abstand also schmale, hohe Häuser aus dem 19. Jahrhundert. Dazwischen große Gärten mit Blumen- und Gemüsebeeten. Im Innern einige überraschende Treppenhäuser, die offensichtlich aus der Zeit des Jugendstils stammen, aber in der bodenständigen Variante ausgeführt sind, die der Landschaft eigen ist. Großräumige, helle Wohnungen schließen sich an, denn unverzichtbar und alles entscheidend ist der Lichteinfall. Direkt hinter den großen Fensterfronten standen die Werkbänke. Davor die Uhrmacher mit genügend Licht, um hochwertige Schweizer Uhren zu bauen.

Die Entwicklung im 19. Jahrhundert war rasant. Aus Kunsthandwerk wurde schnell Industrie. Überall gab es Werkstätten, nur einen Katzensprung entfernt von den Arbeiterwohnungen. Dazwischen die stattlichen Häuser der Patrons. Ein sozialer Mix, der typisch ist für dieses schmale Jura-Tal, an dessen Höhen grüne Wiesen, alte Landhöfe und viele Schweizer Kühe liegen.   

Von Andrea Tebart

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