„Soziales Netzwerk“ 02.11.2018, 16:37 Uhr

Gehirne lösen Aufgaben gemeinsam: Mittels Hirn-zu-Hirn-Interface

Mit einem Hirn-zu-Hirn-Interface ist es Forschern von der University of Washington in Seattle gelungen, mehrere Gehirne direkt zu verbinden. Ihre Probanden arbeiteten zusammen an Problemlösungen.

Man sieht eine Gehirns (Animation), das Nervenimpulse in die Umgebung versendet.

Bisher war die Zusammenarbeit verschiedener Gehirne nur indirekt via Maus und Tastatur möglich. Forschern um Andrea Stocco von der University of Washington in Seattle ist es jetzt gelungen, mehrere Gehirne durch ein Hirn-zu-Hirn-Interface direkt zu verbinden.

Foto: panthermedia.net/ktsdesign

Kollektive Intelligenz, auch Gruppen- oder Schwarmintelligenz genannt, ist eine der wichtigsten Strategien der Kollaboration. Menschen mit unterschiedlichem Wissen lösen Aufgaben gemeinsam. Sie verbinden sich über Netzwerke, die wie ein großes Nervensystem funktionieren. Die Zusammenarbeit war bisher nur über Umwege wie Maus und Tastatur möglich. Forschern um Andrea Stocco von der University of Washington in Seattle ist es jetzt gelungen, mehrere Gehirne direkt zu verbinden. In diesem „sozialen Netzwerk“ werden Aufgaben gemeinsam gelöst.

Bekannte Technologien schaffen neue Möglichkeiten

Die Basis ist BrainNet, ein Hirn-zu-Hirn-Interface, das mehrere Personen verbindet. Hier kommt längst bekannte Hardware zum Einsatz: Elektroenzephalographen (EEG) zeichnen Hirnaktivitäten nicht invasiv durch die Schädeldecke auf und leiten die Signale an die Steuereinheit weiter. Und mit der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) lassen sich über starke Magnetfelder Bereiche des Gehirns nicht invasiv stimulieren oder hemmen. Beide Technologien kommen in medizinischem Kontext bereits zum Einsatz.

BrainNet lässt Tetris im Labor spielen

Im Experiment wurden mit der Schnittstelle 3 Teilnehmer verbunden. Sie lösten durch direkte Kommunikation ihrer Gehirne Aufgaben. 2 der 3 Probanden fungierten als „Sender“ und sahen den Bildschirm eines Tetris-ähnlichen Computerspiels. Ihre Hirnsignale wurden mit Hilfe der Echtzeit-EEG-Datenanalyse dekodiert. Aus den Signalen extrahiert ein Computer Entscheidungen darüber, ob im Spiel ein Block gedreht werden soll, bevor er fallen gelassen wird, um eine Zeile zu füllen.

Die Entscheidungen der Sender wurden an das Gehirn eines Dritten, des „Empfängers“, übertragen, der den Spielbildschirm nicht vollständig sehen kann. Er nimmt Blöcke des Tetris-Spiels wahr, ohne zu erkennen, ob diese zu drehen sind. Magnetfelder des TMS stimulieren auf Basis von Signalen seinen okzipitalen Kortex. Diese Gehirnstruktur verarbeitet normalerweise visuelle Impulse und bildet unser Sehzentrum. Der Empfänger löst schließlich eine Aktion aus.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Wirtgen GmbH-Firmenlogo
Product Safety & Compliance Engineer (m/w/d) - R&D Wirtgen GmbH
Windhagen Zum Job 
Spar- und Bauverein eG-Firmenlogo
Leiter Technik / Prokurist (m/w/d) Spar- und Bauverein eG
Hannover Zum Job 
Koehler Paper SE-Firmenlogo
Ingenieur Qualitätssicherung (m/w/d) Koehler Paper SE
KOCO MOTION GmbH-Firmenlogo
Produktmanager (m/w/d) KOCO MOTION GmbH
Dauchingen Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für Projektberatung in der Autobahnplanung Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt (w/m/d) Hochbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauwerksprüfingenieur (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Rastow (OT Fahrbinde) Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* Energieversorgung DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Projektingenieur*in Baulandbereitstellung und Grundstücksneuordnung Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurwesen (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Krefeld, Euskirchen, Köln, Essen Zum Job 
Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH-Firmenlogo
Sachgebietsleiter*in operatives Flottenmanagement - ECM3 Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH
Karlsruhe Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Planung von Ingenieurbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project Manager Intralogistics Automation (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Waldbüttelbrunn, Weiden in der Oberpfalz, Sinsheim, Karlsruhe-Durlach Zum Job 
Rhein-Sieg Netz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Netzentwicklung (m/w/d) Rhein-Sieg Netz GmbH
Siegburg Zum Job 
HNVG  Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Teamleiter Planung Anlagen (m/w/d) HNVG Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Stadtwerke Pirmasens Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur für die Netzleitstelle (m/w/d) Stadtwerke Pirmasens Versorgungs GmbH
Pirmasens Zum Job 
KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauleitung (m/w/d) KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG
Hannover Zum Job 
Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Applikationsbetreuer (m/w/d) Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 

BrainNet: Probanden erkennen gute und schlechte Sender

Eine zweite Runde des Spiels gab den „Sendern“ die Chance, Aktionen des „Empfängers“ per Feedback zu validieren. 5 Gruppen von 3 Probanden nutzten BrainNet erfolgreich, um die Tetris-Aufgabe mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 81 % durchzuführen.

In einem weiteren Experiment haben die Forscher die Qualität von Signalen einzelner Sender durch Störsignale bewusst verschlechtert. Sie wollten sehen, wie sich Fehler auf die Kommunikation auswirken. Überraschend stellten sie fest, dass die Empfänger in der Lage waren, herauszufinden, welcher Sender zuverlässig war – und welcher nicht. Hier waren nur die ans Gehirn übermittelten Informationen von Belang, um zwischen falsch und richtig zu unterscheiden.

Bedeutende Schritte der Neuroforschung

Die aktuellen Ergebnisse sind eine Weiterentwicklung auf Basis früherer Experimente. Bereits im Jahr 2013 gelang es US-Neuroforschern, die Gehirne zweier Ratten über implantierte Elektroden miteinander zu verbinden. Ein Tier war der „Sender“. Seine Signale – etwa einen Hebel im Käfig zu drücken – wurden nach der digitalen Aufbereitung an den „Empfänger“ übertragen. Die zweite Ratte führte alle Schritte identisch aus.

Bald darauf hatten Neurobiologen mit nicht invasiven Verfahren Erfolg. Ihnen gelang es, nicht invasive Verbindungen zweier menschlicher Gehirne aufzubauen. Ein Forscher steuerte mit seinen Gedanken die Hand seines Kollegen, um beispielsweise einen Befehl auf der Computertastatur auszuführen. Dieses Konzept soll jetzt in Richtung eines echten „sozialen Netzwerks“ mit vielen Teilnehmern erweitert werden.

Ein Beitrag von:

  • Thomas Kresser

    Thomas Kresser macht Wissenschafts- und Medizinjournalismus für Publikumsmedien, Fachverlage, Forschungszentren, Universitäten und Kliniken. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von ContentQualitäten und Geschäftsführer von DasKrebsportal.de. Seine Themen: Wissenschaft, Technik, Medizin/Medizintechnik und Gesundheit.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.