Mission Luna 27 19.10.2015, 15:24 Uhr

Europa und Russland planen Mission zum Südpol des Mondes

Bei der geplanten russisch-europäischen Mission Luna 27 soll eine unbemannte Sonde 2020 auf dem Südpol des Mondes landen. In diesem bisher unerforschten Gebiet wird Wassereis vermutet. In Moskau hieß es, dass die Mission ein erster Schritt für den Aufbau einer ständigen Basis sein soll.

Die Raumfahrtagenturen ESA und Roskosmos planen eine gemeinsame Mondmission. Zunächst soll 2020 eine unbemannte Sonde auf dem Südpol des Mondes landen – laut Moskau der erste Schritt für den Aufbau einer ständigen Basis.

Die Raumfahrtagenturen ESA und Roskosmos planen eine gemeinsame Mondmission. Zunächst soll 2020 eine unbemannte Sonde auf dem Südpol des Mondes landen – laut Moskau der erste Schritt für den Aufbau einer ständigen Basis.

Foto: ESA/dpa

Die russische und die europäische Raumfahrtagentur wollen erneut den Mond ins Visier nehmen und planen für 2020 eine gemeinsame Mission. Der Südpol, über den bislang wenig bekannt ist, wo aber Wassereis vermutet wird, ist das Ziel von Luna 27. Falls es dort die erhofften notwendigen Ressourcen gibt, könnte dies ein Ort für eine permanente außerirdische Besiedlung werden.

Südpol-Aitken-Becken ist das Ergebnis eines gewaltigen Einschlages

Der Weg bis zu einem irdischen Außenposten auf dem Mond ist lang, teuer und beschwerlich, aber die Russen zeigen sich dieser Tage entschlossen, ihn zu gehen. Auch die ESA will als „Juniorpartner“ dabei sein, wenn in fünf Jahren eine unbemannte Sonde am Rande des Südpol-Aitken-Beckens landen wird. Das Gebiet ist kaum erforscht, aber äußerst spannend, auch im Hinblick auf eine spätere Mondbasis.

Das Südpol-Aitken-Becken ist das Ergebnis eines gewaltigen Einschlags mit einem Himmelskörper. Es ist mit einem Durchmesser von über zwei Kilometer und einer Tiefe des Kraters von bis zu 13 km der größte Einschlagkrater auf dem Mond. Es gibt dort sowohl Bereiche mit Sonnenlicht, das für die Stromversorgung benötigt wird, als auch permanent schattige Täler in Polnähe.

Mond als Prüfstand für zukünftige Mars-Missionen

Diese Regionen gehören zu den kältesten Orten in unserem Sonnensystem und in ihnen könnte sich Wassereis, das vermutlich aus externen Quellen mitgebracht wurde, bis heute gehalten haben. Andere chemische Substanzen, die sie auf der Mondoberfläche vermuten, könnten für Raketenantriebe genutzt werden, hofft James Carpenter, der das Projekt Luna 27 für die europäische Raumfahrtbehörde ESA verantwortet.

Künstlerische Darstellung einer Mondbasis am 17. Oktober 2015 herausgegeben von der ESA. Nach Ansicht der europäischen Raumfahrtagentur wäre sie sehr viel einfacher aufzubauen, wenn dafür ein 3D-Drucker und Materialien vom Mond genutzt werden könnten.

Künstlerische Darstellung einer Mondbasis am 17. Oktober 2015 herausgegeben von der ESA. Nach Ansicht der europäischen Raumfahrtagentur wäre sie sehr viel einfacher aufzubauen, wenn dafür ein 3D-Drucker und Materialien vom Mond genutzt werden könnten.

Foto: ESA/dpa

Die russische Agentur Roskosmos will mit der neuen Mission an ein sowjetisches Programm aus den 1970-er Jahren anknüpfen. Zwischenzeitlich war unser nächster Nachbar als Raumfahrtziel aus der Mode gekommen, aber das hat sich in den letzten Jahren geändert. Es gibt neue Erkenntnisse zum Vorkommen von Wasser und Mineralien, die eine menschliche Besiedlung möglich erscheinen lassen. Der Außenposten auf dem Mond würde außerdem dem wichtigen Zweck dienen, dass er als Prüfstand für zukünftige Missionen zum Mars geeignet wäre.

ESA soll ein Landungssystem, einen Bohrer und ein Labor beisteuern

Speziell für die Mission Luna 27 will die ESA ein neues Landungssystem entwickeln, mit dem das Zielgebiet äußerst präzise angesteuert werden kann. Das System nennt sich „Pilot“ und soll mit Kameras und einem Laser-System das Terrain im Anflug scannen können, um dann zu entscheiden, ob eine sichere Landung möglich ist.

Die Europäer sollen außerdem den Bohrer beisteuern, der sich zwei Meter tief in die Oberfläche bohren und sehr harte, eisige Proben einsammeln soll. Das Probenmaterial, so vermuten die Wissenschaftler, würde wahrscheinlich härter sein als Stahlbeton, so dass der Bohrer entsprechend stark sein müsste. Und schließlich würde die ESA das Mini-Labor ProSPA für die Mission zur Verfügung stellen. Das Labor soll dann auf der Oberfläche nach den Zutaten suchen, mit denen zukünftige Astronauten Wasser, Sauerstoff, Treibstoff und andere wichtige Materialien herstellen und für eine permanente Behausung nutzen können.

Interaktiver Centaur Rover: Er wurde vom ESA Telerobotics and Haptics Lab entwickelt und designed. Der Roboter lässt sich über eine Distanz von mehr als 400 Kilometern präzise fernsteuern. Hochsensible Sensoren ermöglichen die Übertragung haptischer Tasterfahrungen ins Weltall. 

Interaktiver Centaur Rover: Er wurde vom ESA Telerobotics and Haptics Lab entwickelt und designed. Der Roboter lässt sich über eine Distanz von mehr als 400 Kilometern präzise fernsteuern. Hochsensible Sensoren ermöglichen die Übertragung haptischer Tasterfahrungen ins Weltall. 

Foto: ESA/dpa

Ob die ESA sich tatsächlich an der Mission beteiligen wird, soll bei der nächsten ESA-Ministerkonferenz 2016 entschieden werden. Der deutsche ESA-Direktor Johann-Dietrich Wörner hat sich bereits für eine permanente Besiedlung des Mondes ausgesprochen. Am Schluss könnte alles eine Frage des Budgets werden. 

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