Weltraumbahnhof in Deutschland 02.01.2023, 11:16 Uhr

Der deutsche Weltraumbahnhof: Von der Nordsee ins All?

Ein „Weltraumbahnhof“ bzw. ein Spaceport in der Nordsee kann Deutschland den Zugang zum Weltraum sichern. Eine Startrampe soll schon 2023 auf einer schwimmenden Plattform stehen und Kleinsatelliten in den Weltraum befördern.

Weltraumbahnhof

Geplanter Weltraumbahnhof in der Nordsee: Wann starten die ersten Raketen mit Satelliten?

Foto: PantherMedia / cookelma

Was zunächst nur als ein Scherz wahrgenommen werden könnte, soll jetzt Realität werden. Der erste deutsche Weltraumbahnhof soll einigen Medien zufolge bereits in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen. Damit hätte Deutschland einen leichteren Zugang zum Weltall. Die Miniraketen sollen von der Nordsee aus, mehr als 400 Kilometer von der Küste entfernt, starten und Kleinsatelliten ins All bringen. Damit können die Kosten für Kleinsatelliten deutlich reduziert werden.

Vertreter aus der Raumfahrtindustrie haben einen deutschen Standort für einen Weltraumhafen gefordert. Grund für diese Forderungen ist die hohe Bedeutung der Raumfahrt für die deutsche Wirtschaft. Danach hat ein Bremer Unternehmen vorgeschlagen, eine Offshore-Plattform für Raketenstarts mitten in der Nordsee zu errichten. Der Industrieverband BDI hat mit weiteren Unternehmen ein Konzept erstellt. Die German Offshore Spaceport Alliance (GOSA) hatte bereits 2020 den Bau eines Weltraumbahnhofs auf einer schwimmenden Plattform in der Nordsee angekündigt.

Spezialschiff mit Startrampe

Allerdings wird in der Nordsee selbst kein Weltraumbahnhof im eigentlichen Sinne des Wortes entstehen. Bei dem Weltraumbahnhof handelt es sich um ein Spezialschiff mit einer Startrampe. Die Raketen mit Satelliten sowie die Startrampe sollen von einem großen Frachtschiff von Bremerhaven aus zu dem Startpunkt in der Nordsee gebracht werden.

Die Betreiber des in der Nordsee deutschen Weltraumbahnhofes halten an dem für das Jahr 2023 geplanten Beginn fest. „Unser Plan ist weiterhin, dass wir 2023 das erste Mal starten wollen“, zitiert dpa eine Sprecherin der in Bremen ansässigen German Offshore Spaceport Alliance (Gosa) in Bezug auf die „Nordwest-Zeitung“.

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„Der Startpunkt, den wir uns ausgesucht haben, ist nicht nur günstig zu erreichen und kommt mit keinem Offshore-Windpark ins Gehege, sondern er ist auch perfekt, um die Orbits zu erreichen, von denen wir denken, dass sie am meisten von unseren Kunden abgefragt werden“, kommentierte die Sprecherin diese Pläne.

Wozu braucht man Kleinsatelliten?

Kleinsatelliten (Satelliten mit einem Gewicht bis zu 500 Kilogramm) können unter anderem für Telekommunikationsleistungen, die Erdbeobachtung und Klimaforschung eingesetzt werden.

„Neue Raumfahrtanwendungen mittels Kleinsatelliten bieten enormes Potential für ein besseres Leben auf dem Planeten und eine intakte Umwelt. Durch die bessere Kosteneffizienz und den geringeren Ressourceneinsatz ermöglichen Kleinsatelliten deutlich mehr Datenerfassung aus dem All und damit mehr sogenannte Downstream-Anwendungen. Jetzt gilt es, mit der Kleinsatellitenstrategie den Markt für diese Technologie in Deutschland und Europa aufzubauen. Dafür bringen wir alle Akteure aus Wissenschaft, Start-ups, KMUs und Industrie zusammen“, sagte Dr. Anna Christmann (MdB), die Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt vor einigen Wochen.

Immer mehr Kleinsatelliten im Weltall

Und es stimmt: Die Zahl der Kleinsatelliten, die unsere Erde umkreisen, nimmt stetig zu. Laut Statista kreisen knapp 5.500 Satelliten am 30. April 2022 um die Erde. Die Zahl ist steigend. Noch vor einigen Monaten haben die Medien von einer Forschungsfabrik für Kleinsatelliten berichtet. So sollen in Würzburg die Grundlagen für eine Serienproduktion von Mini-Satelliten in Deutschland gelegt werden.
Auch bei der neuen Raumfahrtstrategie der Bundesregierung, bei der es auch um „New Space“ geht, ist von der zunehmenden Kommerzialisierung der Raumfahrt die Rede.

Belebung der Raumfahrtbranche in Deutschland?

„Deutschland profitiert vom Boom der New Space-Bewegung. Eine wachsende Anzahl von Start-ups und kleinen und mittleren Unternehmen, die raumbasierte Lösungen anbieten, belebt die Raumfahrtbranche in Deutschland“, heißt es auf der Webseite des Betreiberkonsortiums German Offshore Spaceport Alliance. Der Weltraumbahnhof oder Spaceport biete demzufolge „die historische Chance, in einem Zukunftsmarkt ein Cluster zu erschließen und dadurch ein wirtschaftliches Ökosystem zu schaffen, das vom Hersteller der kleinsten Schraube bis zur vollständigen Anwendung des Produkts alles umfasst.“

Mit diesem Projekt wollen die Betreiber Deutschland nicht nur den Zugang zum All schaffen, die europäische Souveränität sichern, sondern auch „der europäischen Wirtschaft Aufwind verschaffen“. Ein hochambitioniertes Ziel, das nun doch nicht mehr so weit wie die Sterne entfernt ist, sondern Realität werden kann?

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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