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Keine Signale mehr: Mars-Mission „InSight“ beendet

Die Mission „Insight“ der NASA ist beendet. Vier Jahr lang lieferte die Raumsonde wertvolle Informationen über den Mars. Insgesamt wurden 1319 Marsbeben gemessen, beim schwersten Beben wurde ein riesiger Eisblock freigelegt. Erkenntnisse wurden auch über den Aufbau des Marsbodens erlangt.

Mars-Lander Insight

Ein Bild des letzten Selfies, das von der NASA-Marslandefähre InSight am 24. April 2022 aufgenommen wurde.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Seit November 2018 war die NASA-Sonde „InSight“ auf dem Mars aktiv, doch nun hat die Weltraumbehörde die Mission für beendet erklärt. Das letzte Mal, dass die Sonde mit der kommuniziert hat, war am 15. Dezember. Doch nun waren die Missionskontrolleure des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in zwei aufeinander folgenden Versuchen nicht in der Lage, mit der Landefähre Kontakt aufzunehmen. Das führte zu dem Schluss, dass die solarbetriebenen Batterien des Raumfahrzeugs keine Energie mehr haben – Ingenieure bezeichnen dies als „toter Bus“.

Was war das Ziel von „Insight“?

InSight steht für „Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport“ und sollte das tiefe Innere des Mars erforschen. Die Daten der Landefähre haben Details über die inneren Schichten des Mars, die überraschend starken Überreste des erloschenen magnetischen Dynamos unter der Oberfläche, das Wetter in diesem Teil des Mars und eine Menge Erdbebenaktivitäten geliefert.

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Insgesamt registrierte das Seismometer in den vergangenen vier Jahre 1319 Marsbeben, von denen einige durch Meteoriteneinschläge verursacht wurden. Der stärkste Einschlag legte Ende des letzten Jahres Eisbrocken von der Größe eines Felsblocks frei. Die größte Erschütterung hatte eine Magnitude von 4,7 – ein heftigeres Erdbeben wurde noch nie außerhalb der Erde gemessen.

„Mit InSight stand zum ersten Mal seit den Apollo-Missionen, als Astronauten Seismometer zum Mond brachten, die Seismologie im Mittelpunkt einer Mission jenseits der Erde“, sagte Philippe Lognonné vom Institut de Physique du Globe de Paris, leitender Forscher des Seismometers von InSight. „Wir haben Neuland betreten, und unser Wissenschaftsteam kann stolz auf all das sein, was wir auf diesem Weg gelernt haben.“

Zuletzt arbeitete nur noch das Seismometer, denn der Staub, der sich auf den Sonnenkollektoren der Landefähre ansammelte, reduzierte immer mehr die Energie. Die NASA hat die Mission Anfang des Jahres noch einmal verlängert, doch nun scheint die Energiezufuhr endgültig erloschen zu sein. Die NASA-Mitarbeiter wollen zwar noch den einen oder anderen Test wagen, ob sie doch noch einmal eine Verbindung bekommen, doch prinzipiell galt ausgemacht, dass die Mission beendet ist, sobald der Verbindungsversuch zweimal nicht gelingt.

Neue Erkenntnisse über den Aufbau des Mars

Die Marsmission „Insight“ brachte nicht nur viele neue Erkenntnisse über die Bebenhäufigkeit auf dem Mars, sondern auch über den Aufbau der Marskruste. Die Landefähre verfügte über eine Grabvorrichtung mit dem Spitznamen „Der Maulwurf“. Dieser konnte sich fünf Meter in die Tiefe graben und sollte ein mit Sensoren bestücktes Seil hinter sich herziehen, um die Wärme im Inneren des Planeten zu messen. Damit konnten die Wissenschaftler berechnen, wie viel Energie bei der Entstehung des Mars übriggeblieben war.

Allerdings konnte sich der Maulwurf nicht in den unerwartet klumpigen Boden um InSight herum eingraben. Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zur Verfügung gestellte Instrument schaffte lediglich 40 Zentimeter und somit knapp unter die Oberfläche. Dennoch sammelte das Gerät wertvolle Informationen über die physikalischen und thermischen Eigenschaften des Marschbodens. Diese Erkenntnisse sollen für künftige Marsmissionen nützlich sein – ganz gleich, ob sie von Robotern oder Menschen angeführt werden.

Mars-Mission gilt als Erfolg

Die NASA und alle daran beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerin werten „Insight“ als Erfolg, auch wenn nicht alles so funktionierte, wie es ursprünglich geplant war. Der Abschied von der Marssonde löste auch etwas Wehmut aus:

„Ich habe den Start und die Landung dieser Mission beobachtet, und obwohl der Abschied von einem Raumschiff immer traurig ist, ist die faszinierende Wissenschaft, die InSight betrieben hat, ein Grund zum Feiern“, sagte Thomas Zurbuchen, stellvertretender Administrator des Science Mission Directorate der NASA in Washington. „Allein die seismischen Daten dieser Discovery-Programm-Mission bieten enorme Einblicke nicht nur in das Innere des Mars, sondern auch in andere Gesteinskörper, einschließlich der Erde.“

Laurie Leshin, die Direktorin des JPL, das die Mission leitete, äußerte sich ähnlich:

„InSight hat seinem Namen mehr als alle Ehre gemacht. Als Wissenschaftler, der seine Karriere mit der Erforschung des Mars verbracht hat, war es eine Freude zu sehen, was der Lander erreicht hat – dank eines ganzen Teams von Menschen auf der ganzen Welt, die dazu beigetragen haben, dass diese Mission ein Erfolg wurde“, sagte Leshin. „Ja, es ist traurig, Abschied zu nehmen, aber das Vermächtnis von InSight wird weiterleben und uns informieren und inspirieren.“

Europa war ebenfalls mit auf dem Mars

Mehrere europäische Partner, darunter das französische CNES und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), unterstützten die InSight-Mission. Das CNES hat der NASA das Instrument SEIS (Seismic Experiment for Interior Structure) zur Verfügung gestellt, wobei der leitende Forscher am IPGP (Institut de Physique du Globe de Paris) tätig ist.

Wesentliche Beiträge zu SEIS kamen vom IPGP, dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Deutschland, der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in der Schweiz, dem Imperial College London und der Universität Oxford in Großbritannien sowie dem JPL.

Das DLR lieferte das Instrument Heat Flow and Physical Properties Package (HP3), wobei das Weltraumforschungszentrum (CBK) der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Astronika in Polen wesentliche Beiträge leisteten. Das spanische Centro de Astrobiología (CAB) lieferte die Temperatur- und Windsensoren.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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