Neubau von Airlander 13.04.2018, 12:27 Uhr

Das weltgrößte Hybrid-Luftschiff soll wieder fliegen

Bruce Dickinson gibt einfach nicht auf. Der Sänger der Heavy-Metal-Band Iron Maiden hat jetzt angekündigt, dass nächstes Jahr ein neuer „Airlander“ abheben soll. Dem bislang größten Hybrid-Luftschiff der Welt war 2017 buchstäblich die Luft ausgegangen.

Der Airlander soll in anderthalb Jahren wieder einsatzfähig sein. Im November 2017 war das größte Hybrid-Luftschiff der Welt am Boden verunglückt.

Der Airlander soll in anderthalb Jahren wieder einsatzfähig sein. Im November 2017 war das größte Hybrid-Luftschiff der Welt am Boden verunglückt.

Foto: Hybrid Air Vehicles

So ein stolzer Name, und dann so ein trauriges Bild: Wie ein vom Sturm zerfetztes Bierzelt liegt der Airlander im November 2017 auf der Wiese. Ein fatales Unglück, das auch noch planmäßig ablief. Denn als sich der Hybrid aus Luftschiff und Flugzeug von seiner Befestigung am Boden losriss, startete automatisch die Selbstzerstörung: Die zwei Hälften, die je nach Blickwinkel an zwei Zigarren oder ein ausgeprägtes Gesäß erinnerten, rissen auseinander, das Gas entwich, die Hülle sank zu Boden. Planmäßig, damit ein trudelnder Airlander keinen Schaden in der Umgebung anrichten kann. Rätselhaft, weil bis heute niemand so richtig weiß, wie sich das Fluggerät losreißen konnte. Auch deshalb schien es, als wäre das Projekt eines leisen Lastenträgers für bis zu 50 Tonnen Fracht damit endgültig Geschichte. Aber da ist ja noch Bruce Dickinson.

Versicherung zahlt 40 Millionen

Dickinson ist ein Endfünfziger, der viele Jahre lang zwei Jobs hatte: Einen als Sänger der höchst erfolgreichen Metal-Band Iron Maiden, einen als Pilot der britischen Charter-Airline Astraeus, die 2011 pleite ging. Dickinson begeistert sich für alles, was fliegt, und übernahm 2014 das Projekt Airlander, nachdem die US-Armee sich von dem Plan eines Aufklärungs-Luftschiffes verabschiedet hatte. Nun sollte mit Hilfe des erfolgreichen Musikers und einer ähnlich begeisterten Crowd ein ziviles Fluggerät für den Transport von Schwerlasten bis zu 50 Tonnen daraus werden. Und dank der Versicherung kann das vielleicht wirklich noch klappen.

Auch als Transporter für schwere Lasten auf Großbaustellen könnte der Airlander eingesetzt werden.

Auch als Transporter für schwere Lasten auf Großbaustellen könnte der Airlander eingesetzt werden.

Foto: Hybrid Air Vehicles

Dickinson jedenfalls kündigte jetzt im Magazin „Edison“ aus der Verlagsgruppe Handelsblatt an, dass ein neuer Airlander in etwa eineinhalb Jahren abheben werde. Da die Versicherung bereits umgerechnet rund 40 Millionen Euro für den Unfall bezahle, sei das Projekt gesichert.

Bis zu 150 km/h schnell

Wann der 50-Tonnen-Frachter an den Start geht, bleibt allerdings völlig unklar. Denn der 2017 verunglückte Prototyp ist nur auf 10 Tonnen ausgelegt, und die neu gebaute Version soll es auf maximal 15 Tonnen bringen. Aber auch deren Maße sind schon eindrucksvoll: 92 Meter lang und 42 Meter breit, soll der Airlander 10 bis zu drei Wochen in der Luft bleiben und eine Geschwindigkeit von immerhin 150 km/h erreichen können. Dank einer besonderen Hülle aus Kohlefasern ist er einerseits besonders stabil, andererseits besonders leicht, weil auf ein inneres Traggerüst verzichtet werden kann.

Der Airlander soll künftig schwere Lasten und Fracht transportieren können.

Der Airlander soll künftig schwere Lasten und Fracht transportieren können.

Foto: Hybrid Air Vehicles

Bislang hieß es, dass das Hybrid-Luftschiff von vier Dieselmotoren angetrieben werde. Dickinson kündigte jetzt aber an, dass der Airlander seine Energie ausschließlich über Solarstrom und Biokraftstoffe beziehen werde. „Wir schauen uns deshalb gerade hochmoderne Akkus und hauchdünne Solarzellen an. Zusätzlich werden wir noch einen Stromgenerator brauchen, den wir aber mit echtem Biotreibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen betreiben. Nicht mit irgendwelchem anderen Bullshit“, sagte der Musiker.

Franzosen lassen einen „Wal“ fliegen

Die relativ hohe Geschwindigkeit des Airlander macht ihn durchaus für längere Strecken interessant. Andere aktuelle Luftschiff-Projekte sind eher auf kurze Strecken etwa für den Holztransport in Waldgebieten ausgelegt. Der französische „Flying Whale“ etwa soll dann sogar 60 Tonnen Fracht tragen können. Vor 2022 wird der Wal allerdings auch nicht abheben. Da fliegt vielleicht doch erst der Popo wieder.

LCA60T: Das französische Unternehmen Flying Whales und der Konzern Skeleton Technologies mit Sitz in Estland und dem ostdeutschen Bautzen bauen gemeinsam ein Schwerlast-Luftschiff. Der mit Helium gefüllte Zeppelin soll Lasten bis zu 60 t transportieren können.

LCA60T: Das französische Unternehmen Flying Whales und der Konzern Skeleton Technologies mit Sitz in Estland und dem ostdeutschen Bautzen bauen gemeinsam ein Schwerlast-Luftschiff. Der mit Helium gefüllte Zeppelin soll Lasten bis zu 60 t transportieren können.

Foto: Sketeton Technologies

Die Nase vorn im Rennen um das erste Serien-Schwerlast-Luftschiff könnte indes Lockheed Martin haben. Zwar musste der US-Rüstungskonzern seinen Starttermin 2018 auch verschieben, aber 2019 soll es nun so weit sein. Und eine Reihe von Bestellungen für das Gerät gibt es angeblich auch schon. Allerdings liegt die Nutzlast des LMH-1 bei nur 20 Tonnen.

LMH-1 besteht aus drei mit Helium gefüllten Zellen, die einen tragflächenförmigen Querschnitt haben und zusätzlichen Auftrieb erzeugen. Dadurch verbraucht der Zeppelin nur ein Fünftel so viel Sprit wie ein Flugzeug.

LMH-1 besteht aus drei mit Helium gefüllten Zellen, die einen tragflächenförmigen Querschnitt haben und zusätzlichen Auftrieb erzeugen. Dadurch verbraucht der Zeppelin nur ein Fünftel so viel Sprit wie ein Flugzeug.

Foto: Lockheed Martin

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