Neuer Flugzeugtyp 07.06.2019, 07:00 Uhr

Das fliegende V soll noch 2019 abheben

Eine besonders aerodynamische Form und ein innovativer Ansatz für die Verteilung von Fracht und Sitzplätzen – das könnte zu erheblichen CO2-Einsparungen führen. Die TU Delft lässt jetzt ein Flugzeug bauen, das ein Berliner Student entwickelt hat.

Illustration fliegendes V

Das Flying V sieht sehr futuristisch aus, folgt dabei aber pragmatischen Ansätzen: den vorhandenen Raum ideal nutzen und eine bessere Aerodynamik erreichen.

Foto: Edwin Wallet, Studio OSO

Die Luftfahrtbranche sucht händeringend nach neuen Konzepten. Denn die Branche boomt, aber die hohen Kohlendioxid-Emissionen könnten zu einem Problem werden. Die Europäische Union fordert, dass sie im Jahr 2050 um 75 % gesunken sein müssen, im Vergleich zu den Werten, die im Jahr 2000 gemessen wurden. Vollständig elektrische Antriebe sind noch nicht in greifbarer Nähe, sondern könnten – so die Hoffnung der Experten – langfristig dazu beitragen, diese hohen Ziele zu erreichen. In der Zwischenzeit könnte ein neuer Flugzeugtyp dabei helfen, CO2 einzusparen: Flying V – das fliegende V.

Airbus hat ein Patent angemeldet, TU Delft baut den Prototypen

Die Idee ist eigentlich simpel und doch innovativ, weil der Entwickler Justus Benad abseits der üblichen Pfade gedacht hat. Als er im 2015 seine Abschlussarbeit an der TU Berlin schrieb, absolvierte er ein Praktikum bei Airbus in Hamburg und hatte beim Anblick der Flieger eine Idee: Müssen die Flügel nur zum Fliegen da sein? Ist das nicht eigentlich Verschwendung an Platz und Material? Was wäre, wenn dort beispielsweise Passagiere säßen? Seine Überlegungen nahmen schnell Form an – und sehen aus wie ein V. Ein Flugzeug ohne Rumpf.

Airbus hat, mit Justus Benad als Erfinder, das Flying V übrigens direkt zum Patent angemeldet. Da passt es, dass der neue Airbus-Chef Guillaume Faury kürzlich verkündet hat, der Konzern strebe schon ab dem nächsten Jahr ein klimaneutrales Wachstum an. Ab dem Jahr 2035 sollen die CO2-Emissionen sinken, obwohl die Zahl der Flüge vermutlich weiter rasant ansteigen wird. Solch ein Ziel lässt sich nur erreichen, wenn der Konzern alle verfügbaren Mittel nutzt, um CO2 einzusparen. Gebaut wird der Prototyp nun aber zunächst von der niederländischen TU Delft. Wenn alles nach Plan verläuft, könnte er schon im Oktober 2019 abheben.

Gleiche Kapazität wie der Airbus A350

Der wichtigste Baustein im Konzept für das neue Flugzeug ist also seine Form. Der Mittelrumpf fehlt völlig. Passagier, Fracht, Tank – alles wurde in die Flügel integriert. Das mag im ersten Moment nach einer Spielerei klingen, ist aber in Wahrheit für eine wirtschaftlich interessante Größenordnung geplant. Im Flying V können nämlich ebenso viele Passagiere Platz nehmen wie im Langstreckenflugzeug Airbus A350: 314 Personen. Hinzu kommt ein Frachtvolumen von 160 Kubikmetern. Allerdings verbraucht das neue Flugzeug – zumindest in der Theorie – 20% weniger Treibstoff. Das hängt hauptsächlich mit der geringeren Oberfläche zusammen, die dem Wind weniger Widerstand bietet.

Die Treibwerke sitzen übrigens ganz hinten oben auf dem Flugzeug. Als angenehmer Begleiteffekt ist das fliegende V dementsprechend daher auch leiser als Flieger mit einer ähnlichen Kapazität, da im Grunde das Flugzeug wie eine Lärmschutzwand zwischen Triebwerken und Erdoberfläche funktioniert. Dass dieses neue aerodynamische Konzept funktionieren kann, hat Benad schon mit einem ferngesteuerten Modell demonstriert, bei dem es sich um ein Gleitflugzeug handelte.

Innovatives Design für den Innenraum geplant

Die TU Delft will die Chance des Neubaus nutzen und gleichzeitig Vorteile für die Passagiere schaffen. Das könnte unter anderem die Anordnung der Sitzplätze betreffen, das Design der Stühle und die Aufteilung der Badezimmer. Dabei soll alles so leicht wie möglich sein, da jedes Kilo weniger Gewicht die Effizienz des Flying V erhöht. „Wir könnten im Rahmen der Flying-V-Forschung zum Beispiel neue Varianten entwickeln, damit Passagiere sich im Flieger besser ausruhen oder essen können. Wir arbeiten unter anderem an der Möglichkeit, Speisen über ein Buffet anzubieten“, sagt Peter Vink, Professor für Angewandte Ergonomie und Design an der Fakultät für Industrial Design Engineering der TU Delft.

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