Scheibe von Bosch 27.11.2017, 11:16 Uhr

Neue Bremsscheibe reduziert die Feinstaubbelastung um 90 %

Bosch hat eine Bremsscheibe entwickelt, die dank einer Keramikbeschichtung den Abrieb von Feinstaub um 90 Prozent reduziert. Und die Scheibe ist nicht etwa ein Prototyp, sondern reif für die Praxis. Porsche wird die Bosch-Scheibe als erster Autohersteller einsetzen. Sie ist allerdings noch dreimal so teuer wie ein klassisches Bauteil.

Porsche Cayenne

Der neue Porsche Cayenne wird als erstes Serienauto der Welt mit Bremsscheiben ausgerüstet, die 90 Prozent weniger Feinstaub emittieren. Entwickelt wurden sie von der Bosch-Tochter Buderus Guss.

Foto: Porsche

Bremsscheibe von Buderus Guss

Die neue Bremsscheibe von Buderus Guss: Eine normale Guss-Bremsscheibe wird mit Wolframcarbid beschichtet, was den Abrieb von Scheibe und Bremsbelägen um 90 Prozent senken soll.

Foto: Porsche

Grafik Bremsscheibe

Die neue Bremsscheibe reduziert nicht nur den Abrieb von Feinstaub. Zugleich gibt es keinen Flugrost mehr, so dass sie auch für Elektroautos geeignet ist, die normalerweise mit dem Motor bremsen und selten mit der Bremsscheibe.

Foto: Buderus Guss

iDisc von Buderus Guss

Die neue iDisc von Buderus Guss ist aktuell noch dreimal so teuer wie eine normale Guss-Bremsscheibe. Deshalb wird sie jetzt erstmals in der Oberklasse serienmäßig eingesetzt.

Foto: Buderus Guss

Der Straßenverkehr trägt, gemessen nach Masse, zu 47 Prozent zur Feinstaubbelastung bei, so Berechnungen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg. Doch der Feinstaub kommt dabei nicht aus dem Auspuff. Besonders beim lungengängigen und damit gefährlichen Feinstaub der Partikelgröße PM10 (bis zehn Mikrometer Durchmesser) entstehen rund 85 Prozent des durch den Verkehr induzierten Feinstaubs durch Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb sowie durch die Aufwirbelung der Staubschicht auf den Fahrbahnen. So lösen sich beim Bremsen feinste Metallpartikel von der gusseisernen Bremsscheibe und den Bremsklötzen.

Neue Scheibe kostet 3.000 Euro Aufpreis

Nun hat Bosch eine Lösung präsentiert, die das Feinstaubproblem durch das Bremsen in den Griff bekommen soll. Bosch und das Tochterunternehmen Buderus Guss haben die Bremsscheibe iDisc entwickelt, die mit Wolframcarbid beschichtet ist, einem besonders harten keramischen Material. Dadurch wird der Abrieb laut Bosch um 90 Prozent reduziert. Zudem hält die Scheibe mindestens doppelt so lange.

Sie glänzt mattsilbern, ist also ein Hingucker, wenn die Felgen durchbrochen sind, was zunehmend der Fall ist. Etwa beim Porsche Top-Modell Cayenne Turbo, das ab sofort mit der neuen Scheibe ausgestattet ist. Bei kleineren Typen ist die neue Bremsscheibe für 3000 Euro optional zu haben. Weniger Feinstaub bedeutet auch eine geringere Verschmutzung der oft edlen Aluminiumfelgen, heißt es bei Bosch. Aggressive Reiniger, die den Glanz wiederherstellen, sind dann überflüssig, was der Umwelt zugute kommt.

Keramikscheibe ist noch viel teurer

Das „i“ im Namen iDisc ist laut Bosch keine Anlehnung an Apple. Es steht für „Innovation“. Allerdings ist die Neuentwicklung noch dreimal so teuer wie eine herkömmliche Gussscheibe. Eine Keramikscheibe, die ähnlich positive Eigenschaften hat, ist wiederum dreimal so teuer wie die iDisc. Kein Wunder, dass Geschäftsführer Dirk Hoheisel aus der Bosch-Geschäftsführung an den Durchbruch der neuen Bremsentechnik glaubt: „Die iDisc ist die Bremsscheibe 2.0 und verfügt über ein riesiges Marktpotenzial.“ Immerhin lag der weltweite Bedarf im Jahr 2016 bei rund 330 Millionen.

Basis der iDisc ist eine ganz normale Scheibe aus Grauguss. Wie sie den Status 2.0 erreicht, verraten die Entwickler nicht. Nur so viel lassen sie heraus: Sie werde „mechanisch, thermisch sowie galvanisch behandelt und schließlich beschichtet“. Die Oberfläche ist so hart, dass sich die gefürchteten Riefen nicht bilden, die einen Komplettaustausch nötig machen. Bei vielen aufeinanderfolgenden Bremsmanövern ist die iDisc der Graugussschwester überlegen: Sie zeigt kein „Fading“, so heißt das Nachlassen der Bremswirkung bei Erhitzung der Scheibe.

Rost hat keine Chance mehr

Ideal ist die iDisc auch für Elektrofahrzeuge, die die mechanische Bremse nur selten benötigen. Normalerweise bremsen sie, indem der Motor auf Generatorbetrieb umgestellt wird, um die Bordbatterien aufzuladen. An den ruhenden Bremsscheiben bildet sich dann Flugrost, der eine geringere Verzögerung zur Folge hat.

Continental hat ein Rad speziell für Elektroautos entwickelt

Continental hat ein Rad speziell für Elektroautos entwickelt. Es ist inklusive Bremse 2 kg leichter als herkömmliche Räder. Der besondere Vorteil: Die flache Bremsscheibe aus Guss ist durch einen Aluminiumring ersetzt worden.

Foto: Continental

Gedanken über das Problem rostender Bremsscheiben bei Elektroautos hat sich auch der Automobilzulieferer Continental gemacht. Das Unternehmen hat erst im Sommer ein spezielles Rad vorgestellt, in dem Elektromotor und eine Bremsscheibe aus Aluminium integriert sind.

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