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Rheinmetall baut Wasserstoff-Elektroden – was steckt dahinter?

08. Januar 2026

: Schützenpanzer von Rheinmetall in einer Produktionshalle
Rheinmetall ist vor allem als Rüstungskonzern bekannt – doch das Unternehmen investiert zunehmend in Wasserstofftechnologie. Foto: picture alliance / Noah Wedel | Noah Wedel
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hat neue Elektroden für die alkalische Elektrolyse entwickelt. Die Fertigung soll schon 2026 starten. Zeichnet sich hier eine größere Wasserstoff-Strategie ab?
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Rheinmetall macht Ernst im Wasserstoffgeschäft. Die Konzerntochter KS Gleitlager aus St. Leon-Rot hat eine neue Elektrodentechnologie für die alkalische Elektrolyse entwickelt, die komplett ohne Edelmetalle auskommen soll. Nach dreijähriger Forschung im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie will Rheinmetall noch in diesem Jahr eine industrielle Pilotfertigung am Standort St. Leon-Rot starten.

Wie der Rüstungskonzern am 7. Januar mitteilte, besitzen die neuen Elektroden eine doppelt so hohe Leistungsdichte wie herkömmliche Systeme. Auch der Wirkungsgrad soll um mehr als 10 % höher sein. Dies senkt potenziell die Produktionskosten für grünen Wasserstoff, da die Komponenten Elektrolyseure vergünstigen und ihre Effizienz erhöhen könnten.

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Eine spannende Technologiemeldung aus der H2-Welt also. Die Frage ist nur: Wieso kommt sie gerade von Rheinmetall?

Inhaltsverzeichnis

Ein Rüstungskonzern setzt auf E-Fuels

Die Elektrodenentwicklung ist nicht Rheinmetalls erster Vorstoß in den Wasserstoffmarkt. Im November 2025 hatte der Konzern das Projekt „Giga PtX“ vorgestellt: ein Netzwerk aus Hunderten E-Fuel-Anlagen für Militär und kritische Infrastrukturen. Partner sind die deutschen Unternehmen Sunfire, ein Elektrolyseurhersteller, und das E-Fuel-Start-up Ineratec.

„Kriegstüchtigkeit erfordert eine resiliente Energieinfrastruktur“, begründete Rheinmetall-CEO Armin Papperger damals den Vorstoß. Die Produktion synthetischer Kraftstoffe vor Ort mache den Anwender unabhängig von fragilen Lieferketten für fossile Energieträger. Klar: Das gilt auch für Streitkräfte.

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Ob die neuen Elektroden auch in den Giga-PtX-Anlagen zum Einsatz kommen, ist noch offen. „Die Auswahl der Elektrode erfolgt durch den Elektrolyseurhersteller“, teilte Rheinmetall auf Anfrage mit. Klar ist: Der Konzern positioniert sich nicht nur in einem Glied, sondern entlang der ganzen H2-Wertschöpfungskette.

Warum der Verzicht auf Edelmetalle auch bei der AEL entscheidend ist

Edelmetalle wie Platin oder Iridium sind vor allem bei der PEM-Elektrolyse ein kritischer Kostenfaktor. Die alkalische Elektrolyse (AEL) kommt traditionell ohne sie aus: Ihre Standard-Elektroden basieren auf preisgünstigem Nickel. Der Nachteil: Nickel erreicht nur begrenzte Stromdichten. Wer mehr Leistung will, greift daher auch beim AEL-Elektrolyseur oft zu Edelmetall-Beschichtungen.

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Im E²ngel-Projekt gelang es nun, hohe Stromdichten von bis zu 1,2 A/cm² ohne Edelmetalle zu erreichen. „Durch den Verzicht auf Edelmetalle reduzieren sich die Kosten wesentlich und die Risiken, die mit kritischen Materialien verbunden sind, werden gemildert“, erklärt Regine Reißner, Projektleiterin beim DLR-Institut für Technische Thermodynamik.

Rheinmetall will Zulieferer werden

Für Rheinmetall ist das womöglich von strategischer Relevanz: Wer Hunderte E-Fuel-Anlagen in ganz Europa bauen will, braucht günstige und skalierbare Komponenten. Je billiger die Elektrolyse, desto eher rechnet sich die dezentrale Kraftstoffproduktion für Militär und kritische Infrastrukturen. Günstige Hochleistungselektroden aus eigener Fertigung würden das Unternehmen dabei unabhängig von externen Zulieferern machen – und die im Giga-PtX-Projekt formulierte Vision realistischer.

Eine eigene Elektrolyseur-Fertigung plant Rheinmetall jedoch nicht, wie der Konzern auf Anfrage bekräftigte. Stattdessen soll KS Gleitlager die Elektroden als Schlüsselkomponente am Markt anbieten und nach kundenspezifischen Vorgaben gefertigt ausliefern.

Giga PtX ist Teil von Rheinmetalls „One Stop Shop“-Strategie, mit der die Düsseldorfer nach eigenen Angaben „Lösungen zur Erreichung der Kriegstüchtigkeit Europas, der NATO und seiner verbündeten und befreundeten Nationen“ bereitstellen wollen. „Das Projekt ergänzt das Rheinmetall-Portfolio um den Anteil Energieversorgung, die den Kern jeder Verteidigungsbereitschaft darstellt. Wasserstoff- und PtX-Technologie sind dafür der Schlüssel“, so der Konzern gegenüber Ingenieur.de.

Leistung auf Augenhöhe mit Edelmetall-Systemen

Auf Nachfrage berichtete das DLR, dass es die Elektroden über 1000 Stunden getestet habe. Konsortialpartner McPhy, ein Hersteller von Elektrolyseuren aus Frankreich, prüfte sie laut dem DLR weitere 1200 Betriebsstunden im Stack-Betrieb. Die dabei erbrachte Leistung sei „absolut konkurrenzfähig“ mit edelmetallbasierten Systemen, so DLR-Projektleiterin Reißner. Auch die Degradationsraten entsprächen dem Niveau etablierter Technologien.

Die geplante Fertigungslinie in St. Leon-Rot (Rhein-Neckar-Kreis) ist für Elektroden bis zu 2 m Länge ausgelegt. Diese wären ausreichend groß, um Elektrolyseanlagen im Multi-Megawatt-Bereich zu bestücken. Rheinmetall betonte in seiner Pressemitteilung, die Anlage lasse sich bei Bedarf schnell auf größere Produktionsvolumina ausrichten.

FAQ: Elektrolyse und Elektroden

Eine Elektrode leitet Strom in die Elektrolysezelle. An der Kathode entsteht Wasserstoff, an der Anode Sauerstoff. Das Material und die Beschichtung bestimmen, wie effizient die Reaktion abläuft. Was ist der Unterschied zwischen AEL und PEM-Elektrolyse?

Die AEL nutzt Kalilauge als Elektrolyt und günstige Nickel-Elektroden. Die PEM-Elektrolyse arbeitet mit einer Polymermembran und benötigt teure Edelmetalle wie Platin oder Iridium. AEL ist günstiger, PEM kompakter und dynamischer. Warum sind Edelmetalle bei der Elektrolyse ein Problem?

Edelmetalle wie Platin oder Iridium sind teuer, knapp und stammen oft aus geopolitisch kritischen Regionen. Ihre Preise schwanken stark. Für den großflächigen Ausbau der Wasserstoffproduktion sind edelmetallfreie Alternativen daher entscheidend. Was bedeutet Stromdichte bei Elektrolyseuren?

Die Stromdichte (in A/cm²) gibt an, wie viel Strom pro Elektrodenfläche fließt. Höhere Stromdichten bedeuten mehr Wasserstoffproduktion bei gleicher Anlagengröße, und damit geringere Investitionskosten pro Kilogramm Wasserstoff.



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