Gasnetz 01.02.2013, 11:51 Uhr

Netzentwicklungsplan Gas soll transparenter werden

Die deutschen Ferngasleitungs­netzbetreiber haben 2012 erstmals einen Netzentwicklungsplan Gas vorgelegt, der den notwendigen Ausbau von Leitungen und Verdichterstationen für die nächsten zehn Jahre beschreibt. Die Bundesnetzagentur hat den Plan bereits für verbindlich erklärt, verlangt aber noch mehr Transparenz bei der Darstellung der einzelnen Investitionsprojekte.

Den Bau neuer Gasleitungen quer durch Deutschland regelt der Netzentwicklungsplan. Doch Investoren halten die Investitionsbedingungen für nicht ausreichend.

Den Bau neuer Gasleitungen quer durch Deutschland regelt der Netzentwicklungsplan. Doch Investoren halten die Investitionsbedingungen für nicht ausreichend.

Foto: Open Grid

Die Bundesnetzagentur hat die deutschen Ferngasleitungsnetzbetreiber im Dezember aufgefordert, bis zum März dieses Jahres eine Reihe von Änderungen in den Netzentwicklungsplan (NEP) Gas 2012 einzuarbeiten. Mit diesem „Änderungsverlangen“ sei der Plan bereits verbindlich, erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Mit den Planungsverfahren zu den Maßnahmen müsste unverzüglich begonnen werden. „Sowohl die Fernleitungs- und Verteilernetzbetreiber als auch die Kraftwerks- und Speicherbetreiber haben jetzt Planungssicherheit“, sagte Homann.

Die 14 deutschen Ferngasleitungsnetzbetreiber waren über das Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet worden, jährlich einen gemeinsamen NEP Gas jeweils für die nächsten zehn Jahre zu erstellen und der Bundesnetzagentur als zuständiger Regulierungsbehörde erstmalig zum 1. April 2012 vorzulegen. Zuvor sollten die Gasnetzbetreiber alle Marktteilnehmer und Interessenten dazu konsultieren. Danach hörte die Bonner Agentur noch einmal alle tatsächlichen und potenziellen Netznutzer an, bevor sie ihr Änderungsverlangen formulierte.

Annahme: Gasbedarf geht bis 2022 leicht zurück

Der NEP Gas 2012 geht davon aus, dass der deutsche Gasbedarf bis 2022 moderat zurückgeht. Der Plan enthält 32 Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 2,2 Mrd. €. Dafür sollen 730 km Leitungen und Verdichter mit insgesamt 360 MW Leistung gebaut werden.

Diese Investitionen sind der Bundesnetzagentur zufolge bis 2022 von den Ferngasleitungsnetzbetreibern umzusetzen. Außerdem beschreibe der Plan 15 Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von 1 Mrd. €, die bisher schon fest für die nächsten zwei bis drei Jahre eingeplant gewesen seien.

Alle 47 Projekte dienen laut Bundesnetzagentur einer verbesserten Nord-Süd-Verbindung sowie dem Anschluss neuer Gaskraftwerke und Speicher, die zur Verbesserung der Versorgungssituation in Süddeutschland beitragen. Dort war es bekanntlich im Februar 2012 zu einem Gasversorgungsengpass gekommen, der unter anderem auf eine unzureichende Infrastruktur zurückgeführt wurde.

Im NEP Gas 2012 verweisen die Ferngasleitungsnetzbetreiber nun darauf, dass im laufenden Jahr die Leitung von Sannerz in Hessen nach Rimpar in Bayern im Fernleitungsnetz von OGE Open Grid Europe ausgebaut werden soll. Damit werde die Fähigkeit, große Erdgasmengen von Nord- nach Süddeutschland zu transportieren, „signifikant erhöht“.

Bessere Anbindung Süddeutschlands an North Stream Pipeline

Größere Gasmengen werden in Bayern und Baden-Württemberg auch durch eine neue Anbindung der Ostseepipeline North Stream verfügbar: Im Januar ging die tschechische Gazelle-Leitung in Betrieb, die vom süddeutschen Einspeisepunkt Waidhaus über Tschechien zur Ostseepipeline-Anbindungsleitung Opal bei Olbernhau im Erzgebirge führt. Damit wird die süddeutsche Gasversorgung weniger abhängig vom Transportweg durch die Ukraine, auf dem es in den vergangenen Jahren immer wieder Schwierigkeiten gegeben hatte.

2014 wollen außerdem die Netzbetreiber Gascade und GRTgaz Deutschland die Ferngasleitungen Megal und Midal bei Gernsheim miteinander verbinden. Megal führt vom oberpfälzischen Waidhaus nach Frankreich, während Midal von Nordwestdeutschland nach Südwesten verläuft.

Für 2015 bis 2017 planen die Ferngasleitungsnetzbetreiber weitere Gastransportprojekte, mit denen große Gasspeicher in Österreich besser an das deutsche Ferngasleitungsnetz angebunden werden sollen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es bei der Bundesnetzagentur und den Ferngasleitungsnetzbetreibern derzeit noch, was die Verbindlichkeit der angekündigten Investitionen und die Transparenz der Projekte betrifft. So forderte die Bonner Behörde in ihrem Änderungsverlangen von den Unternehmen, die geschätzten Kosten für die einzelnen Netzausbaumaßnahmen konkret aufzuführen. Bedingungen, an die sie die Investitionen jeweils geknüpft hatten, sollen aus der Maßnahmenliste entfernt werden.

Besser als bisher sollen die Ferngasleitungsnetzbetreiber auch ihr offenbar neu entwickeltes, noch wenig bekanntes Produkt der „temperaturgeführten festen frei zuordenbaren Kapazitäten“ erklären. Immerhin veranschlagen sie dafür Ausbaumaßnahmen an Gasspeichern für insgesamt 750 Mio. € bis 1 Mrd. €.

Investoren halten Investitionsbedingungen für unzureichend

Doch bisher könnten die Marktteilnehmer dieses Produkt wegen fehlender Informationen nicht bewerten, bemängelte die Bundesnetzagentur. Offenbar gingen die Ferngasleitungsnetzbetreiber auch davon aus, dass nur die Projektplanungen des NEP Gas 2012 für die nächsten drei Jahre verbindlich sind. Dagegen ist die Bundesnetzagentur fest davon überzeugt, dass der Plan für die nächsten zehn Jahre verbindlich ist. Die Netzbetreiber wiederum halten die Investitionsbedingungen für den Netzausbau insgesamt für unzureichend. Es müsse sichergestellt sein, dass die Netzinvestitionen keine negativen Auswirkungen auf die Effizienzbewertung der Unternehmen haben. Dies werde im Bundesnetzagentur-Änderungsverlangen offen gelassen.

Im Klartext: Wenn ein Netzbetreiber große Summen in seine Leitungen investiert, geht er das Risiko ein, dass diese Leitungen schlecht ausgelastet sein können. Damit kann die Effizienz seines Unternehmens sinken, die wiederum einen Einfluss auf die Netzentgelte hat, die er mit Genehmigung der Bundesnetzagentur von seinen Gastransportkunden kassieren kann.

Diese Fragen werden beide Seiten wohl noch in den kommenden Jahren beschäftigen. Die Bundesnetzagentur geht zwar derzeit davon aus, dass die im NEP Gas 2012 enthaltenen Projekte umgesetzt werden und die Ferngasleitungsnetzbetreiber mit den Planungen dafür beginnen, eine Behördensprecherin verwies aber darauf, dass die Projekte in den folgenden NEP noch einmal überprüft und angepasst werden können.

Die Ferngasleitungsnetzbetreiber arbeiten derzeit bereits am NEP Gas 2013, den sie zeitgleich mit dem geänderten NEP Gas 2012 vorlegen müssen. Diese Überschneidung möchten die Unternehmen künftig vermeiden und schlagen deshalb eine zeitliche Streckung vor: Der Gesetzgeber könne die NEP-Erstellung beispielsweise mit dem europäischen Gasnetzentwicklungsplan synchronisieren, der sich in einem zweijährigen Rhythmus bewege.

  • Stefan Schroeter

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