CO2-Belastung beim Heizen 21.02.2020, 14:10 Uhr

Klimafreundliche Heizung: Welche Möglichkeiten gibt es?

Umweltbewusstsein hört in den eigenen vier Wänden nicht auf, zumal der Markt mittlerweile viele Möglichkeiten bietet, um die CO2-Belastung beim Heizen zu reduzieren. Wichtig ist das allemal, wie ein Blick in die Statistik zeigt: Ein Drittel aller CO2-Emissionen der Bundesrepublik werden durch private Haushalte verursacht. Die Heizung nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.

Thermostat Heizung Wärme

Sparen beim Heizen.

Foto: panthermedia.net/Marc Mielzarjewicz

Eine moderne Heizung und Umweltbewusstsein widersprechen sich nicht

Gute Gründe, für einen Umstieg auf ein klimafreundliches Heizsystem, sind leicht gefunden. Der eigene Verbrauch fossiler Brennstoffe geht zurück, durch den geringeren CO2-Ausstoß wird, zumindest auf einer persönlichen Ebene, der Treibhauseffekt gemindert. Alles zusammen sorgt, wenn sich eine ausreichend große Masse dafür entscheidet, für eine Verlangsamung oder gar Begrenzung der globalen Erderwärmung.

Vorteile entstehen aber längst nicht nur mit Hinblick auf unsere Umwelt. Haushalte selbst profitieren durch eine gesteigerte Effizienz von modernen Heizsystemen, die zu erwartenden Heizkosten lassen sich bei gleichbleibendem Verbrauch reduzieren. Zukunftssicher sind diese Systeme allemal. Dafür sorgt allein die CO2-Steuer, die ineffiziente und besonders umweltschädliche Heizsysteme besteuert und somit zusätzliche Kosten verursacht. Zusammengefasst, lohnt sich eine klimafreundliche Heizung daher aus diesen Gesichtspunkten:

  • CO2-Fußabdruck wird reduziert, die Umwelt im Gegenzug geschont
  • Verbrauch fossiler Brennstoffe wird eingeschränkt
  • Energieverbrauch und Heizkosten lassen sich reduzieren
  • CO2-Kosten, wie im Klimapaket der Bundesregierung geplant, fallen (größtenteils) weg

Ist das Vorhaben erst einmal gefasst, hilft eine Betrachtung des aktuellen Marktes. Da existieren viele Optionen, um im eigenen Zuhause selbst bei eisigen Temperaturen noch die Umwelt zu schonen.

Deutsche vertrauen aktuell noch auf etablierte Systeme

Zumindest einige Deutsche überlegen sich bereits, wie sie umweltbewusster heizen können. Bis dato ist das aber ein verschwindend kleiner Teil, wie eine Umfrage vom BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) zeigt. Folgendes Ergebnis wurde ermittelt:

  • 42,1 % möchten gern mit Erdgas heizen
  • 15,5 % mit Heizöl
  • 9,7 % bevorzugen eine Hybridheizung aus Solarthermie und Erdgas
  • 5,2 % wünschen sich eine Pelletheizung

Obwohl Gasheizungen in Zukunft durchaus sehr umwelteffizient arbeiten könnten, ist das zum aktuellen Zeitpunkt noch reine Zukunftsmusik. Die Entwicklung der Alternativen wie Biomethan oder Wasserstoff befindet sich noch in den Kinderschuhen. Selbst bei einer weiteren Verbreitung wären es zuerst die gewerblichen Großabnehmer, für die solch eine Option in Frage kommen würden. Der private Hausbesitzer ist mit einer Gasheizung also nicht unbedingt umweltfreundlich aufgestellt. Trotzdem lässt sich selbst an den Bdew-Umfragen ein Umdenken feststellen, wie gut am Beispiel der Hybridheizung deutlich wird. In der Erhebung aus dem Vorjahr waren es lediglich 4,1 % der Deutschen, die so ein Heizsystem überhaupt in Erwägung ziehen. Jahr über Jahr, ergab sich also eine Verdopplung der Bereitschaft für diese Heizung.

Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoß beim Heizen zu reduzieren

Was umweltfreundlich ist, liegt ein Stück weit im Auge des Betrachters. Während die eine Gruppe lediglich Solarthermie, Wärmepumpe und Co. als wirklich umweltfreundlich erachtet, verweisen Freunde der Gasheizung auf die bewiesene Effektivität sowie die hohe Effizienz von aktuellen Modellen. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte, wie unter anderem ein Blick auf die vorhandenen Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) aufzeigt.

Da nämlich werden Gasheizungen gefördert, immerhin mit einem Zuschuss in Höhe von 20 %. Wer nicht vollends auf Gas baut und stattdessen ökologische Hybridheizungen präferiert, kann mit einem Zuschuss von immerhin 30 % rechnen. Der identische Prozentsatz wird übrigens auch für Solarthermie veranschlagt. Eine weitere Erhöhung der Zuschüsse ergibt sich dann, wenn private Haushalte vollständig auf erneuerbare Energien umschwenken und vor allem fossile Brennstoffe aus dem eigenen Haushalt verbannen. Die Gesamtkosten für eine moderne Gasheizung belaufen sich, inklusive Brennwerttechnik, auf etwa 6.000 bis 9.000 Euro.

Diese drei Optionen werden vom Bafa mit aktuell 35 % bezuschusst:

  1. Pelletheizungen
  2. Holzheizungen
  3. Wärmepumpen

Wer aktuell noch mit einer Ölheizung für Wärme sorgt, darf sich sogar auf einen zusätzlichen Bonus freuen. Auf die eben erwähnten Zuschüsse gibt es einen Bonus in Höhe von 10 %, wenn im Zuge der Umstellung die Ölheizung eingemottet wird. Sie gilt aufgrund ihrer Bindung an stark begrenzte fossile Brennstoffe als besonders umweltschädlich. Die Bundesregierung plant daher, um die insgesamt entstandenen CO2-Emissionen pro Jahr in Deutschland zu reduzieren, eine Abkehr von der Ölheizung. Der zusätzliche Bonus unterstreicht dieses Vorhaben von praktischer Seite. Moderne Ölheizungen kosten etwa 10.000 Euro.

Mit Hinblick auf die Zuschüsse vom Bafa zeichnet sich ein klares Bild ab, was als „umweltfreundlich“ oder zumindest „teilweise umweltfreundlich“ gilt. Wer umweltbewusst heizen möchte, sollte mindestens auf Gasheizungen zurückgreifen. Wichtig ist, dass die Heizsysteme bereits mit erneuerbaren Technologien kompatibel sind. Eine 20 Jahre alte Gasheizung wäre nicht nur nicht umweltfreundlich, auch würde sie natürlich nicht bezuschusst werden. Wem das nicht reicht, der kann sich immer noch für ein Hybridystem, Holz- beziehungsweise Pelletheizungen oder direkt für eine Wärmepumpe entscheiden.

Fossile Brennstoffe neu erdacht

Zuschüsse vom Bafa sind an zukunftstaugliche Heizsysteme gebunden. Wie bereits im vorherigen Abschnitt dargelegt, muss das nicht unbedingt bedeuten, dass die Gasheizung gar nicht mehr in Frage kommt. Mittlerweile werden eifrig neue Optionen für „alte“ fossile Brennstoffe entwickelt, die zumindest teilweise auf regenerativer Basis hergestellt werden.

Da wäre beispielsweise das Biogas, welches aus pflanzlichen Reststoffen entsteht. Verarbeitet wird es in kostspieligen Biogasanlagen, die mit Hilfe von Bakterien die pflanzlichen Stoffe vergären und so die Entstehung von Methan fördern. Größte Hürde ist aktuell noch, dass sich das Biogas nur mit großem Aufwand ins Gasnetz einspeisen lässt. Für gewöhnlich wird es direkt an Ort und Stelle verbraucht.

EE-Gas ist eine weitere Option, die sich elektrischer Energie bedient. Gewonnen wird selbige beispielsweise über Photovoltaik-, Wind- oder Wasserkraftanlagen. Durch die Aufbereitung des Wasserstoffes, gewonnen aus dem Prozess der Elektrolyse, lässt sich ein regeneratives und komplett synthetisches Erdgas gewinnen. Es handelt sich hierbei also nicht mehr um den fossilen, endlich verfügbaren Brennstoff.

Bio-Flüssiggas wiederum wird aus Industrieabfällen und Pflanzen gewonnen. Der gemessene CO2-Ausstoß lässt sich durch eine Umstellung bilanziell um 90 Prozent reduzieren. Solche modernen Heizsysteme arbeiten also mit Erdgas, jedoch aus regenerativer Quelle. Eine Förderung wäre in dieser Situation ebenfalls möglich.

Bioheizöl ist unter den genannten Beispielen die am wenigsten umweltfreundliche Möglichkeit zu heizen. Es handelt sich um ein Gemisch, das teilweise aus gewöhnlichem Heizöl und zu Teilen aus Biokomponenten entsteht. Da der Anteil des gewöhnlichen Heizöls aber sehr hoch ist, wird die persönliche Umweltbilanz nur geringfügig verändert.

Noch mehr Umweltbewusstsein: Technologien der Zukunft nutzen!

Bei allen eben genannten Beispielen handelt es sich gewissermaßen um Neuinterpretationen der bekannten fossilen Brennstoffe. Wie die eingangs aufgeführte Bezuschussung vom Bafa darlegt, gibt es aber noch viele Alternativen, die ab Werk umweltbewusster heizen. Eine Möglichkeit davon ist die Wärmepumpe, die in den überwiegenden Fällen sehr umweltfreundlich arbeitet. Etwa zwei Drittel der Heizwärme werden aus dem Erdreich, Wasser oder der Luft gewonnen. Was noch fehlt, wird über Strom oder Gas erzeugt. Luft-Wärmepumpen kosten etwa 13.000 bis 24.000 Euro, Erdwärmepumpen etwa 12.000 bis 15.000 Euro. Zusätzlich muss die Wärmequelle erschlossen werden, was ebenfalls 6.000 bis 12.000 Euro kostet.

Holzheizungen gelten ebenfalls als sehr umweltfreundlich, weshalb sie stärker als die neuartigen Modelle, mit veränderten fossilen Brennstoffen, gefördert werden. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, anders als die endlich vorhandenen fossilen Brennstoffe. Speziell Pelletkessel weisen eine sehr hohe Effizienz auf und nutzen den Rohstoff daher zum aktuell technisch möglichen Maximum. Als weitestgehend CO2-neutral gelten die Heizungen deshalb, weil die genutzten Bäume zuvor Sauerstoff abgegeben haben. Weitestgehend deshalb, weil Pelletheizungen eine hohe Feinstaubbelastung erzielen. Sie sind also nicht zu 100 % umweltfreundlich, aber zu einem großen Teil. Die Anschaffungskosten beziffern sich auf etwa 10.000 bis 15.000 Euro, abhängig vom Modell.

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