Interview mit dem Projektleiter von EnBw 30.03.2020, 08:13 Uhr

Deutschlands größter Solarpark entsteht in Brandenburg

Der Energiekonzern EnBw baut in diesem Jahr den größten Solarpark in Brandenburg. Für das Projekt Weesow-Willmersdorf sollen 465.000 Solarmodule montiert werden. Wir haben dem Projektleiter Tim Morath dazu ein paar Fragen gestellt.

Solarzellen

Solarstrom könnte einen noch größeren Beitrag zur Energiewende leisten, wenn er flexibel gespeichert werden könnte.

Foto: panthermedia.net/Rtbilder

ingenieur.de: Der größte Solarpark Deutschlands soll in Weesow-Willmersdorf entstehen. Warum hat man sich für diesen Standort entschieden?

Tim Morath: Die Standortauswahl und Bauleitplanung erfolgte über den Projektentwickler Procon Solar aus Cottbus. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden in enger Abstimmung mit der Kommune und den örtlichen Landwirten ausgewählt. Die Flächen eignen sich aufgrund Ihrer niedrigen Ackerzahl für einen Solarpark. In Brandenburg können aufgrund des größeren Flächenangebotes eher große Projekte umgesetzt werden. Das zeigt sich auch in der Vergangenheit. Ein Großteil großer deutscher Solarparks befindet sich da. In der Projektentwicklung müssen die Belange der Kommune, der Landwirtschaft und der Ökologie beachtet und eingebunden werden. Wichtig sind uns dabei auch attraktive Rahmenbedingungen, wie gute Flächen- und Sonnenverhältnisse sowie die regulatorischen Rahmenbedingungen.

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Welche Energieleistung kann vom Solarpark erwartet werden?

Die installierte Modulleistung beim Solarpark Weesow-Willmersdorf wird 187 Megawatt peak betragen. Zur Einspeisung ins öffentliche Netz werden hierfür zwei neue Umspannwerke in unmittelbarer Nähe zu den dort verlaufenden 110 kV-Freileitungen der E.DIS Netz GmbH errichtet. Basierend auf den Ertragsprognosen rechnen wir mit einem jährlichen Stromertrag von über 180 Millionen Kilowattstunden. Die Erzeugungsleistung entspricht dem Strombedarf von rund 50.000 Haushalten.

Wie lange wird der Bau des Parks auf 164 Hektar dauern?

Wenn alles planmäßig verläuft, wollen wir die Inbetriebnahme noch in 2020 durchführen. Nach der Inbetriebnahme beginnen wir in Abhängigkeit von den Wetterbedingungen und angepasst an die Pflanzzeiten mit der Begrünung und den landschaftlichen Ausgleichsmaßnahmen. Dazu zählen weitere 45 Hektar im direkten Umfeld des Solarparks.

Wo lassen sich Solarparks am besten hinbauen? Gibt es da auch Hürden seitens der Kommunen?

Grundsätzlich investieren wir bundesweit, neben Photovoltaik (PV) insbesondere in Wind auf Land und auf See sowie im Rahmen unserer selektiven Internationalisierung auch über die Grenzen unseres deutschen Heimatmarkts hinaus, zum Beispiel mit der Übernahme von Valeco in Frankreich.
Die Akzeptanz der Kommunalen Vertreter wie natürlich der Bürger vor Ort ist immer wichtig. Ohne diese lässt sich ein Projekt schwerlich realisieren, wie uns die Erfahrungen vor allem im Wind-Onshore Bereich zeigen. Neben naturschutzrechtlichen Aspekten sind für Kommunen insbesondere das Landschaftsbild, Auswirkungen auf die kommunalen Entwicklungen als auch die Vorteile relevant. Seitens EnBW treten wir im Zuge der Projektentwicklung möglichst früh mit allen Akteuren in Kontakt, um deren Belange in die Planungen einfließen zu lassen.

Erneuerbare Energie wird als unerlässlich für eine grüne Zukunft gesehen. Welche Hindernisse sieht die EnBW noch dahingehend?

Auch wenn der Betrieb dieses Parks in seiner Größe förderfrei erfolgen kann, trifft das nicht auf alle Projekte zu. Insbesondere nicht auf kleinere Projekte, die weiterhin auf eine Förderung angewiesen sind. Der nahezu erreichte PV-Deckel mit 52 GW ist ein Hindernis für die Realisierung kleiner Projekte. Des Weiteren regelt das EEG zum Beispiel den Einspeisevorrang der Erneuerbaren Energien was auch in Zukunft zwingend erhalten bleiben muss.

Auch die aktuelle Situation aufgrund der Corona-Pandemie in Deutschland macht es nicht leichter. Wir halten es angesichts der besonderen Situation für sachgerecht, wenn die BNetzA insbesondere Fristen für die Realisierung von bereits bezuschlagten Projekten verlängern würde, da eine zeitgerechte Umsetzung (ohne Verschulden des Projektierers) unter Umständen nicht möglich sein wird. Wir begrüßen es daher, dass die Bundesnetzagentur hierzu entsprechende Initiativen angekündigt hat.

Reicht Deutschlands Sonne eigentlich für Solarenergie?

Die Solartechnologie hat in den letzten Jahren eine starke Kostendegression durchschritten. Das war letztlich auch einer der Treiber, dass förderfreie Großprojekte wie der Solarpark Weesow-Willmersdorf umgesetzt werden können. In vielen Ländern gibt es eine höhere Globalstrahlung als in Deutschland, was letztlich auch zu höheren speziellen Erträgen führt. Die Einstrahlung in Deutschland reicht aber aus, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen Solaranlagen wirtschaftlich betrieben werden können. Technologisch bedingt erzeugen Solaranlagen nachts keinen Strom. Daher ist neben der Photovoltaik auch ein konsequenter Ausbau der Windenergie notwendig, auch der Einsatz von Speichern wird zunehmend wichtig.

Wie viel günstiger ist Strom aus Solarenergie?

Die Stromgestehungskosten aus Solarenergie hängen von vielen Faktoren ab. Neben den Investitionskosten, Betriebskosten und Erträgen werden diese auch von den Kapitalkosten beeinflusst. Insbesondere große Freiflächenanlagen haben das Potenzial von führenden Stromgestehungskosten.

Der Solarpark in Brandenburg wird ohne die Förderung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes gebaut. Warum konnte das Projekt so realisiert werden und was steckt hinter dem Förderprogramm?
Aus unserer Sicht sind es mehrere Faktoren, weshalb zumindest bei großen, industriell umgesetzten PV-Projekten ein Kostenniveau erreicht werden kann, bei dem eine Förderungsunterstützung – über den Marktpreis hinaus – nicht mehr erforderlich ist.

Tim Morath

Projektleiter Tim Morath.

Foto: EnBw

Zunächst einmal hat die Solartechnologie in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Neue Technologien, günstigere Solarmodule und größere verfügbare Flächen haben die Kosten für die Errichtung von Solarparks drastisch gesenkt – in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren um bis zu 80 %. Das hat dazu geführt, dass in Deutschland innerhalb von drei Jahren die Auktionsergebnisse für Solarparks um 50 % gesunken sind und Solarenergie heute kostenseitig auf Augenhöhe zu anderen Technologien, zum Beispiel Windkraft an Land, ist. Ebenso tragen Synergieeffekte aufgrund der Anlagengröße und deutlich längere Laufzeiten dazu bei, dass Projekte dieser Größenordnung auch ohne Förderung wirtschaftlich zu betreiben sind. Die Kostenbasis, die wir als Ergebnis unserer Optimierungen nun im vorliegenden Projekt erreicht haben, ist keine Fantasie, sondern real.

Unbestritten ist natürlich, dass die Projekte letztendlich dem vollen Marktpreisrisiko unterliegen. Aber wir sind als großer Energiekonzern durchaus daran gewöhnt, in einem schwankenden Marktumfeld erfolgreich zu arbeiten. Insgesamt sehen wir zudem Effekte, die eher den Strompreis nach oben treiben werden in den kommenden Jahren. Da spielen zum Beispiel die gestiegenen Preise für CO2-Emissionen eine Rolle, aber auch das Alter des deutschen Kraftwerksparks, der Kernenergieausstieg und die Perspektive für die Kohle-Verstromung.

Welche weiteren Großprojekte sind geplant?

Die EnBW hat sich ein Projektportfolio von rund 800 MW aufgebaut, darunter auch weitere Großprojekte. Konkrete Angaben können wir dazu aktuell noch nicht machen.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

Tim Morath ist technischer Betriebswirt und arbeitet seit mehr als 6 Jahren als Projektleiter im Bereich Projektentwicklung Photovoltaik der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und sein 2003 in der Photovoltaik-Branche aktiv. Seine berufliche Laufbahn begann er als Energieelektroniker bei der Brennet AG und wechselte dann zunächst als Netzmonteur zur EnBW Regional AG und wurde dort Produktmanager Photovoltaik. Weitere Erfahrungen im Photovoltaik-Bereich sammelte er bei Bosch und Day 4 Systems, bevor er wieder zur EnBW zurückkehrte.

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Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Referentin für Presse und Kommunikation beim VDI e.V.

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