Ladeinfrastruktur 23.10.2018, 14:02 Uhr

Die private Tankstelle für E-Autos

Viele Besitzer von Elektroautos wünschen sich eine komfortable Aufladung über Nacht. Morgens einsteigen und losfahren, ohne die Suche nach der nächsten Ladestation. Doch sind spezielle Ladestationen wirklich notwendig oder kann auch eine herkömmliche Haushaltssteckdose genutzt werden?

Elektroauto lädt an einer Ladestation von ABL

Foto: ABL

In Deutschland gibt es rund 54.000 Elektroautos, doch leider ist mit rund 13.500 Ladestationen noch kein flächendeckendes Angebot zur Aufladung vorhanden. Die Suche nach einer Ladestation kann je nach Region zu einer großen Herausforderung werden. Daher ist die komfortable Aufladung über Nacht mittels eigener Ladestationen von Webasto, Wallbox & Co. für viele Besitzer von Elektroautos eine reizvolle Alternative.

Elektroauto an der Haushaltssteckdose aufladen?

Je nach Hersteller und Modell benötigt ein Elektroauto an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose eine Aufladezeit von etwa 8 bis 15 Stunden. Während der Ladezeit wird die Ladeleistung der Steckdose voll ausgereizt, bei anderen Elektrogeräten ist dies jedoch nicht oder nur kurzfristig der Fall. Wenn beispielsweise ein Elektroauto mit einer 24-kWh-Batterie an einer normalen Steckdose mit einer Leistung von 2,3 Kilowatt geladen wird, dauert die Aufladung etwa 10 Stunden. Neben der langen Ladedauer stellt auch die Dauerbelastung der Steckdose ein Problem dar, denn dafür sind haushaltsübliche Steckdosen und Leitungen keinesfalls ausgelegt. Es kann zu Kurzschlüssen und im schlimmsten Fall sogar zum Schwelbrand kommen.

Vorteile einer privaten Ladestation für E-Autos

Deutlich sicherer sind spezielle Ladestationen für den Heimeinsatz. Mit einer eigenen Ladestation oder Wallbox werden sicheres Laden und deutlich geringere Ladezeiten erreicht sowie die Effizienz optimiert. Moderne Ladestationen sind explizit auf die Ladeleistung von heimischen Elektroinstallationen abgestimmt und gewährleisten durch die Kommunikation mit dem Fahrzeug eine optimale und sichere Aufladung. Bedingt durch die deutlich kürzere Ladezeit verbessert sich zusätzlich die Effizienz. Während der Ladezeit sind Nebenverbraucher wie die Batterieüberwachung aktiv und ein kürzerer Ladevorgang reduziert hier unnötigen Stromverbrauch. Zudem besitzen Ladestationen bei höherer Ladeleistung einen spürbar größeren Wirkungsgrad, da sie deutlich weniger Energieverlust aufweisen.

Unterschiedliche Stecksystem bei Wallboxen beachten

Je nach Hersteller besitzen Elektroautos unterschiedliche Stecksysteme. Der Typ-2-Stecker ist das Standardmodell in Europa, bei amerikanischen und asiatischen Modellen kommt vereinzelt der Typ-1-Stecker zur Anwendung. Vor dem Kauf einer Ladestation sollte darauf geachtet werden, dass diese mit dem eigenen Elektroauto kompatibel ist. Dies ist insbesondere bei einem Modell mit fest installiertem Ladekabel wichtig, denn Möglichkeiten zum Einsatz von Adaptern existieren hier nicht.

Pauschale Aussagen zur Verkürzung der Ladezeit sind nicht möglich, denn die Ladezeit eines Elektroautos hängt von Ladeleistung und Batteriekapazität ab. Der On-Board-Charger, also das verbaute Ladegerät des Elektroautos ist ohne Zweifel ein maßgeblicher Faktor für die Länge der Ladezeit, allerdings sind Ladekabel und Ladestation ebenfalls relevant. Immerhin ist für die mögliche Gesamtleistung die schwächste Stelle entscheidend.

Steckertypen für Elektromobile

Erweiterter Schukostecker: Dieser Strecker ermöglicht das Laden von Renault Twizys und Hybrid-Fahrzeugen an Haushaltssteckdosen, die sogenannten Schuko-Steckdosen. Geladen wird mit Wechselstrom und einer Ladeleistung von 3,7 kW. Die Steckdose sollte zusätzlich abgesichert sein.

Typ-2-Stecker: Die Standard-Lösung für alle Elektroautos in Europa ist der Typ-2-Stecker, der mit Wechselstrom arbeitet. Mit ihm sind Ladeleistungen von bis zu 43 kW möglich und er passt an den meisten öffentlichen Ladesäulen (Stichwort: Standard).

CCS-Combo-2-Stecker: CCS steht für Combined Charging System und verrät eigentlich alles. Denn dieser Stecker ist für alle, die neben der Standardlösung auch mit Gleichstrom laden möchten. Er vereint einen Typ-2-Stecker mit zwei Gleichstrom-Steckerpolen und ermöglicht eine Schnelladung.

Chademo-Stecker:Im asiatischen Raum, wo die Elektromobilität wesentlich fortgeschrittener ist als in Europa, verwenden die meisten Hersteller den Chademo-Stecker. Er wurde in Japan entwickelt und wird u.a. von Citroën, Honda, Kia, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Subaru und Toyota genutzt

Tesla Supercharger: Das Softwareunternehmen Tesla, mit dem Elon Musk Elektroautos wie den Model S oder den Model X produziert, setzt auf einen eigenen Stecker und damit auch eine eigene Ladeinfrastruktur. Der Tesla Supercharger hat eine Ladeleistung von bis zu 120 kW, was die Ladezeiten auf unter zwei Stunden verkürzen soll. Er operiert mit Gleichstrom.

Quelle: VDI nachrichten

Wallbox, Keba, Webasto – Auswahl des Herstellers

Beim Kauf einer Ladestation ist die Entscheidung für einen Qualitätshersteller unbedingt empfehlenswert. Hersteller wie Keba, ABL, Alfen, Webasto und Wallbox sind bei den führenden Automobilherstellern gelistet und wurden auf Kompatibilität geprüft. In Hinblick auf erhältliche Ersatzteile, Serviceangebote und zukünftige Updates sind die renommierten Hersteller von Ladestationen somit sichere Partner. Von welchem Hersteller die Ladestation stammen sollte, hängt vom jeweiligen Elektroauto ab. Keba ist beispielsweise bevorzugter Favorit und Kooperationspartner von Daimler, während VW die Produkte von ABL empfiehlt. Das niederländische Unternehmen Alfen zeichnet sich durch smarte Ladestationen aus, die in erster Linie bei Gewerbekunden zum Einsatz kommen. Eine Wallbox „made in Germany“ bietet das Unternehmen Webasto – in einer als einfachen und einer smarten Variante. Die Ladestationen von Wallbox tragen ebenfalls das Prädikat „made in Germany“ und sind mit allen herkömmlichen Hybrid- und Elektrofahrzeugen sowie den klassischen Hausinstallationen kompatibel.

Zusatzfunktionen von smarten Wallboxes

Eine Ladestation kann neben der eigentlichen Ladefunktion noch mit unterschiedlichen Zusatzfunktionen ausgestattet sein. Für viele Unternehmen ist beispielsweise eine smarte Wallbox mit integriertem Abrechnungsservice sinnvoll, denn damit können sie individuell Abrechnungen für Mitarbeiter oder Hotelgäste erstellen. Aber auch für Privathaushalte kann sich der Abrechnungsservice als sinnvoll herausstellen, etwa wenn ein Firmenwagen zum Haushalt gehört oder der Nachbar tagsüber seinen E-Roller laden möchte. Die Bandbreite der möglichen Abrechnungsservices reicht vom integrierten Subzähler bis zur smarten Version mit automatischer Abrechnung durch einen externen Dienstleister. Ebenfalls möglich ist bei Firmenwagen die Abrechnung mit dem Arbeitgeber, wenn der Strom an der heimischen Wallbox geladen wurde.

In Gemeinschaftsgaragen oder frei zugänglichen Parkplätzen (Carport, etc.) kann eine Wallbox mit Zugangsbeschränkung empfehlenswert sein. Dieser Zugangsschutz per RFID gewährleistet, dass ausschließlich berechtigte Personen die Wallbox nutzen können. Werden mehrere Elektroautos gleichzeitig geladen, kann ein Lastmanagementsystem sinnvoll sein. So wird die verfügbare Leistung automatisch auf die angeschlossenen Elektroautos verteilt.
Wenn eine Verbindung zu eigenen Stromerzeugern wie einer Photovoltaikanlage hergestellt werden soll, ist eine Ladestation mit Energiemanager sinnvoll. Die Verbindung aus Elektroauto und Photovoltaikanlage durch ein Energiemanagementsystem ermöglicht die Einsparung von Stromkosten und ein zu 100% emissionsfreies Fahren. Beim Kauf eines externen Systems sollte unbedingt auf Kompatibilität zum Ladegerät geachtet werden.

Installation von Ladestationen ist Profisache

Die fachgerechte Installation einer Wallbox sowie weitere Montage- und Wartungsarbeiten erfolgen ausschließlich durch einen qualifizierten Elektroinstallateur. Individuelle Gegebenheiten wie die mögliche Montage an einer Wand, die Entfernung zum Sicherungskasten und die Möglichkeit zur Nutzung einer vorhandenen Leitung spielen bei der Installation eine wichtige Rolle und können von Laien meist nicht oder nicht ausreichend eingeschätzt werden. Elektrische Sicherungselemente sind ebenfalls wichtige Faktoren, denn jede Ladestation muss einen eigenen Stromkreis besitzen, der mit FI-Schalter und Leitungsschutzschalter effektiv abgesichert ist.

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