Elektromobilität 21.09.2021, 15:03 Uhr

Die Höhle der Löwen: Gründer lehnen Angebot von Elon Musk ab

Ihr Elektromotorrad Novus hat viel Potenzial: So viel, dass sogar Tesla-Chef Elon Musk anklopfte. Doch die beiden Gründer lehnten ab und versuchten ihr Glück in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“. Dort kam das böse Erwachen.

Das Elektromotorrad Novus sieht schick aus. Bei "Die Höhle der Löwen" bekamen die Gründer dennoch keine Investoren. Foto: Novus

Das Elektromotorrad Novus sieht schick aus. Bei "Die Höhle der Löwen" bekamen die Gründer dennoch keine Investoren.

Foto: Novus

An mangelndem Pathos wird es nicht gelegen haben: „Ich wollte wissen, ob es wirklich stimmt, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will“, sagt Industriedesigner René Renger bei seinem Pitch in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Investieren wollten die TV-Löwen am Ende aber nicht sein E-Motorrad namens Novus, das Renger zusammen mit Kumpel Marcus Weidig entwickelt hat. Dabei hat das futuristisch anmutende Elektromotorrad einiges zu bieten – ausschlaggebend war für die Absage der Investoren letztlich aber nicht die Frage, was das Motorrad kann.

Zehn Jahre haben Renger und Weidig nach eigener Aussage an ihrem Fahrzeug gebastelt. „Nach der Arbeit und am Wochenende, wenn alle anderen im Freibad waren, haben wir an unserem Prototypen geschraubt“, erzählt Renger im obligatorischen Einspieler vor dem Pitch. Das Novus sei ein „Zweirad, mit dem man die Zukunft schon heute fahren kann“. 1,6 Millionen Euro wollten die Gründer für 10% Anteile an ihrem Unternehmen haben, das wie das Motorrad ebenfalls Novus heißt. Rein optisch überzeugte die E-Maschine. „Wow“, entfuhr es Formel-1-Fahrer und „Die Höhle der Löwen“-Investor Nico Rosberg, als Marcus Weidig das Elektromotorrad lautlos ins Studio gleiten ließ.

Die Höhle der Löwen: „Hatte Elon Musk nicht genug Geld?“

2019 stellten die Gründer ihr Produkt auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas vor. „Wir hatten die Sekretärin von Elon Musk am Telefon, weil er den Prototypen kaufen wollte“, sagt Renger. „Und dann? Hatte der Elon nicht genug Geld zusammenbekommen?“, witzelte Investor Carsten Maschmeyer. Man habe sich gegen das Angebot entschieden, weil man eine Vision habe, konterte der 36-jährige Novus-Gründer – wie gesagt, an Pathos mangelte es nicht.

Das eigene Smartphone kann das Display ersetzen. Über eine App lassen sich alle Funktionen steuern. Foto: Novus

Das eigene Smartphone kann das Display ersetzen. Über eine App lassen sich alle Funktionen steuern.

Foto: Novus

Tatsächlich ist einiges am Novus durchaus innovativ. Augenfällig wird das am extrem schlanken Design: Das Novus sieht schlichtweg anders aus als andere Modelle. Etablierte Marken gehen beim Design ihrer Elektromodelle bislang deutlich konventionellere Wege: Die Harley Davidson Livewire etwa ist auf den ersten Blick kaum von einem normalen Motorrad zu unterscheiden. Novus hingegen könnte einem modernen Sci-fi-Blockbuster entstammen.  Es hebe „die Grenzen zwischen E-Bike und Motorrad komplett auf“, so die Firmengründer. Das E-Motorrad wiegt nur 75 Kilogramm. Dabei ist es nicht einmal besonders kompakt bei einer Länge von mit 1,84 Meter, einer Höhe von 94 Zentimetern Höhe und 76 Zentimetern Breite. Weil der Motor im Hinterrad sitzt, wirkt der Karbon-Rahmen durch großzügige Aussparungen aber sehr luftig. Der Rahmen selbst wiegt gerade einmal 6,9 Kilo. Auch die Felgen sind aus Karbon, ebenso wie das Zentralfederbein.

Was kann das Elektromotorrad von Novus?

Der Motor in der hinteren Radnabe wartet mit einer Leistung von 30 Kilowatt und einem Drehmoment von 200 Newtonmetern auf. Das Novus gibt es in mehreren Leistungsklassen an: Die 30-KW-Version bietet eine Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h, in 2,8 Sekunden sollen Fahrer das Elektromotorrad auf 50 Stundenkilometer beschleunigen können. Die 11-KW-Version hat eine Spitzengeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern. Bei der 7-KW-Variante ist die Maximalgeschwindigkeit auf 45 Stundenkilometer gedrosselt. Dieses Modell kann auch von Fahrern, die einen normalen Pkw-Führerschein haben, genutzt werden. Die Reichweite des Elektromotorrads variiert je nach Leistungsklasse: Die 30- und die 11-KW-Version schaffen 100 Kilometer, Das 7-KW-Modell 130. Der Akku soll innerhalb von 30 Minuten auf 80 Prozent seiner Kapazität aufgeladen werden können.

Extrem luftiges Design: Im Karbon-Rahmen sitzen alle lebensnotwendigen Organe: Der Motor ist über hinteren Radnabe verbaut, der Akku sitzt weit unter dem Sitz. Foto: Novus

Extrem luftiges Design: Im Karbon-Rahmen sitzen alle lebensnotwendigen Organe: Der Motor ist über hinteren Radnabe verbaut, der Akku sitzt weit unter dem Sitz.

Foto: Novus

Digitale Nutzerschnittstelle via App und Handy

Wirklich zeitgemäß ist, wie die E-Maschine das Smartphone als digitale Schnittstelle in seine Steuerung integriert: Per App kann das Elektromotorrad schlüssellos gestartet werden. Die App macht das Handy auch zum Tacho des Bikes: Denn das eigene Smartphone kann direkt angeschlossen werden und ersetzt dann das eigentliche Display. Darüber ist dann die Steuerung nahezu aller Funktionen des Motorrads möglich:

  • So können Fahrer zum Beispiel die Leistung konfigurieren, etwa den Energieverbrauch zu steuern
  • An Bord ist ferner ein eigenes Navigationssystem

Kein Deal bei „Die Höhle der Löwen“

Klingt alles prima – wäre da nicht der Preis des Novus. Derzeit können Interessenten ein „Founders Edition“-Exemplar reservieren, die Stückzahl ist limitiert. Dafür werden mindestens 30.000 Euro fällig. Später soll das Elektro-Bike dann mehr als 40.000 Euro kosten – dafür könnte man schon ein Tesla Modell 3 haben.  Die 30-KW-Variante kostet gar mehr als 50.000 Euro. Zum Vergleich: Die Harley-Davidson Livewire – ebenfalls kein Schnäppchen – schlägt mit 33.000 Euro zu Buche. Und die Bravo TS der noch neuen Marke Alrendo mit einem 58-KW-Motor kostet gerade einmal 10.000 Euro. Ein Deal zwischen Gründern und den „Die Höhle der Löwen“-Investoren kam denn schließlich nicht zustande.

Nach und nach zog sich ein Löwe nach dem anderen zurück. „Das ist ganz viel Geld und ein Riesen-Risiko. Ich muss leider sagen, dass ich hier und heute raus bin“, begründete schließlich auch Formel-1-Star Nico Rosberg seine Entscheidung.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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