Bau 15.02.2013, 16:59 Uhr

„Wir stärken die Qualität am Bau“

Mindestens einmal am Tag wird Thomas Terhorst, Geschäftsführer der VDI-GBG, derzeit gefragt, ob deutsche Ingenieure ein Großprojekt pünktlich fertigstellen können. Verzögerungen und Pannen beim Bau des Flughafens Berlin Brandenburg, der Hamburger Elbphilharmonie oder des Stuttgarter Bahnhofs werfen Fragen auf.

Große Bauvorhaben wie Stuttgart 21 scheinen sich häufig zu verzögern. Aber ist das tatsächlich so?

Große Bauvorhaben wie Stuttgart 21 scheinen sich häufig zu verzögern. Aber ist das tatsächlich so?

Foto: dpa

„Es gibt eine ganze Reihe von großen Projekten, die gut laufen, die pünktlich fertig werden, die gut funktionieren, über die redet aber keiner“, antwortet Thomas Terhorst, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (VDI-GBG): „Bei denen, die nicht fertig werden, liegt die Ursache häufig in den Budgets begründet, in einer unklaren Zieldefinition, ,Was soll gebaut werden?‘ oder in einer unklaren Rollenverteilung. Die Planungszeiten sind viel zu lange und manche Planung hat sich überlebt.“

„Die pauschale Lösung gibt es nicht und die Ansätze sind so vielfältig wie die Probleme z. B. empfehlen Fachleute, zu Beginn der Planungsphase die Bedarfsberatung und die Bedarfsplanung zu verbessern“, kommentiert Terhorst. „Wenn ich entscheide, ich will einen Flughafen, einen Bahnhof oder ein Hochhaus bauen, dann wird empfohlen, mit dem Bauherren – bevor man über Budgets spricht – zu analysieren, was überhaupt gebraucht oder genau gewünscht wird.“

Gemeinsam etwas bewegen: Die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik ist die fachliche Heimat der Architekten, der Bauingenieure, der Ingenieure für Technische Gebäudeausrüstung und der Facility-Manager. Etwa 15 000 der knapp 150 000 VDI-Mitglieder haben sich ihr zugeordnet.

„Uns geht es in der Gesellschaft GBG darum, Dinge gemeinsam zu machen und uns in der Öffentlichkeit zu Fragen an Gebäuden zu positionieren, die wir auch nur gemeinsam lösen können“, erläutert Terhorst das Ziel der Arbeiten.

Dazu gehören beispielsweise Fragen der EDV-Planung (Building Information Modelling, BIM) im Bauprozess, zur Gebäudesicherheit oder zur Energieeffizienz.

Auf die Energieeffizienz haben, so der VDI-Manager, der Architekt Einfluss mit seinem Entwurf, der Bauingenieur mit der Dämmung, der Ingenieur für die Technische Gebäudeausrüstung mit der Auswahl der Heizung und der Klimatechnik und der Facility-Manager mit seinem Know-how beim Betrieb der Anlagen.

Vier Fachbereiche bietet die GBG als fachliche Heimat für Experten an:

-Der Bereich Architektur sucht als erst drei Jahre alter Fachbereich ganz intensiv die Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen der VDI-Gesellschaften, aber auch mit den Berufsverbänden der Architekten,

-die Bautechnik bildet eine große Gruppe im VDI, die früher als VDI-Gesellschaft Bautechnik aktiv war und jetzt die Arbeiten in der GBG fortführt,

-Technische Gebäudeausrüstung ist die Arbeitsplattform für die Ingenieure aus den Bereichen Aufzugtechnik, Elektrotechnik, Sanitär, Heizung Lüftung, Reinraumtechnik und

– Facility Management bietet professionellen Gebäudebetreibern den Erfahrungsaustausch. Thomas Terhorst: „Wir bieten den VDI-Mitgliedern, die sich uns zugeordnet haben, technisch-wissenschaftliche Informationen und die Vertretung unserer Branche in der Öffentlichkeit.“

Wer sich der GBG zuordnet, erhält auf Wunsch die Fachpublikationen HLH oder das Jahrbuch Bauingenieur oder rabattiert weitere Fachzeitschriften.

Aktiv Interessen vertreten: Im politisch-gesellschaftlichen Bereich will diese VDI-Gesellschaft aufzeigen, welche Bedeutung das Thema Bauen für die ganze Gesellschaft hat.

Aktuelles Beispiel ist eine Politikveranstaltung zum Thema „Infrastruktur für unsere Zukunft“, hier wird mit Politikern über die Akzeptanz von Großprojekten in Deutschland gesprochen. Eine VDI-Stellungnahme zu diesem Thema wurde in den letzten 18 Monaten erarbeitet und bereits im Rahmen eines VDI-Zukunftskongresses im Oktober 2012 mit den Ingenieuren diskutiert.

Terhorst: „Wir arbeiten mit Politikveranstaltungen in Berlin, mit Stellungnahmen und Positionspapieren auch daran, die Bedeutung der energetischen Gebäudesanierung gegenüber politisch-gesellschaftlichen Entscheidungsträgern herauszustellen.“

Seiner Meinung nach sind die Ziele der Energiewende ohne Energieeinsparungen im Bereich Gebäude nicht erreichbar. 40 % der in Deutschland eingesetzten Energie werde in Gebäude aufgewendet. Der VDI-Manager sieht Korrekturbedarf bei den politischen Vorgaben: „Alle politischen Reglementierungen in diesem Bereich zielen nur auf den Neubau. Das jährliche Neubauvolumen beträgt aber nur 1 % vom Baubestand. Wenn wir nur auf den Neubau setzen, werden wir die politischen Ziele der Energieeinsparung verfehlen.“

Zentraler Bestandteil der Arbeiten in der GBG sind VDI-Richtlinien. Dieses Regelwerk prägt im Bereich der Gebäudetechnik den Markt.

Terhorst: „Wir schaffen die Standards, die vom Markt eingefordert und auch umgesetzt werden. Damit tragen wir ganz wesentlich zu einer Qualitätsverbesserung der Bauwerke bei.“ Ungefähr 180 VDI-Richtlinien für Bau- und Gebäudetechnik sind am Markt, jedes Jahr kommen etwa 40 bis 50 Stück neu oder in überarbeiteter Fassung heraus. Bei der VDI-GBG kümmern sich etwa 600 bis 700 ehrenamtliche Mitarbeiter ganzjährig in gut 120 Gremien um die Richtlinienarbeit.

Gigantisches Auftragsvolumen: Die größte Herausforderung der Branche ist und bleibt aber die energetische Sanierung des Baubestandes. Dieses Thema wird laut Thomas Terhorst alle Fachplaner und ausführenden Unternehmen die nächsten Jahre und Jahrzehnte beschäftigen. Das zugehörige Auftragsvolumen sei gigantisch. Thomas Terhorst: „Wir werden für die energetische Sanierung neue Technologien und damit neue Möglichkeiten bekommen, denen wir auch über Richtlinien den Markt bereiten werden.“

Terhorst verdeutlicht: „Wir sehen deutliche Veränderungen in der Heizungstechnik, weil wir andere Dämmstandards als früher haben und der Energiebedarf eines Gebäudes sinkt. Deswegen kann hier der Anteil regenerativer Energien steigen.“

Weil die Herausforderungen, die Experten in Deutschland diskutieren, keine nationalen sind, sucht die VDI-GBG den Erfahrungsaustausch mit Fachleuten im Ausland. Der derzeit wichtigste Partner im Ausland ist laut GBG Rehva, der europäische Ingenieurverein der TGA-Ingenieure.

Doch es geht um mehr als nur den Erfahrungsaustausch. Thomas Terhorst: „Unsere TGA-Industrie ist Weltmarktführer. Es gibt bei den Nachbarn einen Markt für unsere TGA-Ingenieurleistungen sowie unsere Richtlinien.“   rus

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