Scheufelen Papierfabrik 22.02.2024, 15:25 Uhr

Flächenrecycling: Aus brachliegendem Industriegelände wird wertvoller Wohnraum

Nach wie vor werden jeden Tag riesige Flächen neubebaut, dabei liegen viele Flächen brach und können umgenutzt werden. Ein Beispiel ist die Scheufelen Papierfabrik, die zu einem Wohnquartier umfunktioniert werden soll.

Scheufelen Papierfabrik

Noch liegt die Scheufelen Papierfabrik brach, bald schon soll ihr neues Leben eingehaucht werden.

Foto: DLE GmbH

Das 250.000 Hektar große Gelände der Papierfabrik Scheufelen in Lenningen steht seit 2018 leer. Einst wurden dort Papiere hergestellt, die in alle Welt exportiert wurden und sogar mit zum Mond fliegen durften. Der Berliner Projektentwickler DLE Land Development GmbH plant, die Industriebrache in ein gemischt genutztes Stadtquartier umzuwandeln. Bis zu 650 Wohnungen sollen entstehen. Im Zuge der Revitalisierung sollen 30 zum Teil denkmalgeschützte Gebäude saniert oder durch Neubauten ersetzt werden. Die Projektsteuerung liegt in den Händen des Stuttgarter Bau- und Immobilienspezialisten Drees & Sommer SE.

Papier von Scheufelen schaffte es sogar ins Weltall

Die Papierfabrik Scheufelen, deren Ursprünge bis in das Jahr 1855 zurückreichen, als Karl Scheufelen eine seit 1769 bestehende Papiermühle übernahm, war über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil von Lenningen. Sie entwickelte sich zum führenden Hersteller von Kunstdruckpapieren in Europa und beschäftigte in den 1950er Jahren bis zu 2.000 Mitarbeiter.

In den geschichtsträchtigen Werkhallen der Scheufelen-Fabrik wurde einst sogar ein schwer entflammbares Papier für die Apollo-Flüge zum Mond hergestellt. Trotz mehrfacher Umstrukturierungen und Übernahmen endete die Produktion 2019. Mit der Umgestaltung des Geländes zum Scheufelen Quartier soll die reiche Geschichte der Fabrik fortgeschrieben und ein neues Kapitel für Lenningen aufgeschlagen werden.

Halle Papierfabrik

In den Hallen der Papierfabrik wurde sogar Papier für den Weltraum produziert.

Foto: DLE GmbH

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Bis 2050 soll Flächenverbrauch auf Netto-Null reduziert werden

In Deutschland werden täglich 52 Hektar Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke neu in Anspruch genommen. Ziel der Bundesregierung ist es, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2050 auf Null zu reduzieren. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn brachliegende Flächen und Industriebrachen, so genannte Brownfields, revitalisiert und einer neuen Nutzung zugeführt werden.

„Die Umnutzung der ehemaligen Scheufelen Fabrik schafft nicht nur einen neuen, nachhaltigen Lebens- und Wohnraum für Lenningen, sondern trägt auch dazu bei, die wertvollen Flächen zu entsiegeln und wiederzubeleben. Insgesamt planen wir durch die Quartiersentwicklung rund 25 Prozent der Fläche zu entsiegeln“, sagt Petra Müller, Director Conceptual Development & Communication bei der DLE.

Stillgelegte Industrieflächen, darunter auch das Scheufelen-Gelände, nehmen in Deutschland derzeit mehr als 150.000 Hektar ein. Der 2020 gegründete Deutsche Brownfield Verband (DEBV) setzt sich dafür ein, diese Situation zu ändern. Ziel ist es, die Bedingungen für die Wiedernutzung dieser Brachflächen zu optimieren.

Papierfabrik Scheufelen

Einige Gebäude der Papierfabrik stehen unter Denkmalschutz und bleiben bestehen, andere werden zurückgebaut.

Foto: DLE GmbH

So soll der Umbau der Papierfabrik gelingen

Im Rahmen der Umnutzung der Papierfabrik Scheufelen sollen die meisten der rund 30 Bestandsgebäude, darunter ehemalige Werkstätten und Produktionshallen, abgerissen werden. Einige Gebäude, wie das Verwaltungsgebäude und die Werkswohnungen, stehen jedoch unter Denkmalschutz und sollen erhalten und für neue Nutzungen umgebaut werden.

Darüber hinaus beabsichtigt der Projektentwickler, die Lauter, die derzeit teilweise unter dem Werksgelände verläuft, im Einklang mit den denkmalpflegerischen Auflagen offen zu legen und die Uferbereiche zu renaturieren. Durch diese Maßnahme sollen neue Grün- und Erholungsflächen im Scheufelen-Quartier entstehen und so eine attraktive grün-blaue Erholungsachse gebildet werden.

Insgesamt umfasst das Areal eine Fläche von über 31 Fußballfeldern, was zahlreiche Möglichkeiten für die Entwicklung eines kreativen Stadtviertels bietet. Aktuelle Pläne umfassen diverse Teilbereiche mit vielfältigen Funktionen wie Wohnen, Arbeit und Gewerbe. Im zukünftigen Scheufelen Quartier, benannt nach der historischen Papierfabrik, könnten bis zu 650 Wohnungen entstehen.

Papierfabrik

Unter der Papierfabrik verläuft ein Fluss, der im Zuge der Umstrukturierung freigelegt und renaturiert wird.

Foto: DLE GmbH

Flächenrecycling als Chance

Im Januar wurde das städtebauliche Konzept für Lenningen dem Planungsausschuss und dem Landratsamt Esslingen vorgestellt. Sobald der Gemeinderat in den nächsten Monaten den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst hat, kann der Projektentwickler die Planung konkretisieren. Das Stuttgarter Beratungsunternehmen Drees & Sommer unterstützt als Projektsteuerer. Sie überwacht Termine, Wirtschaftlichkeit und Schnittstellen und koordiniert die beteiligten Planer und ausführenden Firmen.

„In Deutschland ist ein Flächenrecycling mit vielen Hürden verbunden und in der Regel sehr aufwendig. Neben Denkmalschutzauflagen erschweren oft die bürokratischen Hürden und die fehlenden einheitlichen Standards die Flächenerneuerung. Gleichzeitig bietet es die Chance, der Neuversiegelung von Grünflächen entgegenzuwirken und einfach das zu nutzen, was schon da ist“, erklärt Max Vogel, Verantwortlicher für das Projekt Scheufelen Quartier bei Drees & Sommer.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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