Modulare Häuser 04.10.2021, 11:19 Uhr

Bau-Revolution: Simple Erfindung löst Problem des knappen Wohnraums

Knapper Wohnraum ist in vielen Städten ein Kernproblem. Ein russischer Milliardär will die Lösung des Problems gefunden haben.

Bau Kran

Modulare Wohneinheiten sollen mehr Wohnraum schaffen.

Foto: panthermedia.net/siraanamwong (YAYMicro)

Horrende Mietpreise, Hunderte Bewerber auf eine Wohnung und kaum noch freies Bauland: Das klingt nach vielen deutschen Großstädten. Ob Köln, München oder Berlin: Wohnraum ist knapp. In vielen Orten gelingt städtische Nachverdichtung nur schwer – was kann die Lösung sein? Dieser Mann plant eine Bausatz-Revolution.

Modulare Wohneinheiten entstehen in 14 Tagen

Sergej Gordejew ist ein russischer Milliardär und hat sich nichts Geringeres als die Neuerfindung des Wohnungsbaus vorgenommen. Wer nun an Plattenbauten aus dem Osten denkt, liegt falsch. Daran sollen die Bauten von Gordejew nicht erinnern. Seine russische PIK Group PJSC verzeichnet einen Zuwachs von 140 Prozent 2021. Damit zählt das Unternehmen zu einem der wertvollsten in der europäischen Baubranche. Der CEO sieht seine Branche vor einem enormen Umbruch und vergleicht diesen mit dem Umstieg vom Verbrennungsmotor auf batterieelektrische Fahrzeuge. Seine Idee ist simpel: modulare Wohneinheiten.

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Dieses Mehrfamilienhaus wurde in 4 Monaten gebaut

Wohnhäuser in Wochen statt Monaten errichten – dank modularer Einheiten soll das gelingen. Parallel will Sergej Gordejew eine Plattform schaffen, die Kauf und Anmietung von Wohnungen kinderleicht machen soll. Vorstellen darf man sich das wie das Shoppen im Internet.

Die russischen Wohnungspreise boomen, sodass auch das Business des Milliardärs boomt. Die Corona-Pandemie hat die Preise auf dem russischen Wohnungsmarkt weiter explodieren lassen. Weltweit stiegen die Immobilienpreise sie im Corona-Jahr um 7,3 Prozent. In Deutschland mussten Hauskäufer im Vergleich 8,1 Prozent mehr für ihre Immobilie bezahlen. Von Juli 2020 bis März 2021 stiegen die Preise noch einmal um 5,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreswert stiegen die russischen Immobilienpreise um satte 11,1 Prozent an. In Moskau legten die Preise für Wohneigentum sogar um 16 Prozent zu. (Quelle Global House Price Index von Knight Frank).

Laut dem Bloomberg Billionaires Index liegt das Vermögen von Gordejew bei 8,6 Milliarden Dollar.

Lesen Sie auch: Klimaschutz beim modularen Bauen

Units für neunstöckiges Haus

Der neue Geschäftsbereich von PIK nennt sich „Units“. Die Module sollen ein einer Fabrik fertig zusammengebaut werden, um Zeit und Arbeitskosten zu sparen. Das erste Modul-Haus soll neun Stockwerke umfassen und 136 Wohnungen in Moskau schaffen. Ab Oktober soll der Bau losgehen – 30 Arbeiter haben dafür zwei Wochen Zeit. Geht es nach dem Milliardär „bestehe in 10 bis 15 Jahren alles aus Modulen“. Die modularen Hochhäuser stehen im Gegensatz zu den beengten Plattenbaute der Sowjetzeit. Attraktives Design und hochwertige Module machen diese experimentelle Gebäudetechnik aus. Ob sie das Problem des knappen Wohnraums auf lange Sicht lösen kann – und das vielleicht weltweit – wird die Stabilität und bauliche Integrität wohl erst noch beweisen müssen. Die eigene Fabrik soll laut Angaben von PIK jährlich 40.000 Quadratmeter Wohnraum schaffen können. Das entspricht 800 Wohnungen in Moskau.

Stützenfreie Holzbauweise dank großer Leimbinder

Häuser im Online-Shop kaufen

Einfach online stöbern und das Traumhaus bestellen. So kann es laut PIK gehen. Das Bauunternehmen hat den Verkauf von Immobilien in die Online-Welt verlagert. Ein virtueller Marktplatz ist entstanden. Auf „Kvarta“ lassen sich Wohnungen shoppen, verkaufen oder mieten. Eine Besichtigung der Immobilie ist dafür nicht notwendig. „Makler, Vermittler und Hausbesitzer schaffen nur zusätzliche Unannehmlichkeiten“, so die Meinung von Sergej Gordejew. Der erwartete Umsatz der Plattform liegt bei 330 Millionen Dollar bei einer Marge von zehn Prozent.

Weitere Entwicklungen aus dem Bau gibt es im Bauingenieur.

Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Referentin für Presse und Kommunikation beim VDI e.V.

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