Kunst von Edoardo Tresoldi 26.08.2016, 07:11 Uhr

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Im süditalienischen Apulien ist eine im 13. Jahrhundert zerstörte Kirche neu auferstanden – als Skulptur aus insgesamt sieben Tonnen Maschendraht. Das historisch plausible, moderne Kunstwerk beschwört eindrucksvoll die Vergangenheit und schlägt Brücken zur Gegenwart.

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Eine 800 Jahre alte Basilika aus sieben Tonnen Maschendraht: Der italienische Künstler Edoardo Tresoldi hat die bei einem Erdbeben im 12. Jahrhundert zerstörte Kirche Santa Maria di Siponto wieder eindrucksvoll rekonstruiert.

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Die rekonstruierte Kirche steht neben der alten Gemeindekirche: alt und neu vereint.

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Was für ein Blick: Die Kirche Santa Maria di Siponto, rekonstruiert aus Maschendraht, vor einem Sonnenuntergang.

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Sieben Tonnen Maschendraht hat Edoardo Tresoldi verbaut, um die vor 800 Jahren zerstörte Basilika Santa Maria di Siponto wieder herzustellen.

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Rekonstruktion des Chores der vor 800 Jahren zerstörten Basilika Santa Maria di Siponto.

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Wie 7 Tonnen Maschendraht eine zerstörte Basilika wieder sichtbar machen

Foto: Edoardo Tresoldi

Nacht für Nacht, wenn es dunkel wird, erstrahlt im süditalienischen Apulien eine Basilika, die eigentlich seit 800 Jahren verschwunden ist. Transparent, aber mit klaren Formen, unverrückbar, aber durchlässig für Wind, Regen und die Elemente – und seit einiger Zeit Anziehungspunkt für Touristen, Kunstliebhaber und Historiker.

Was die Menschen so anzieht, ist der kunstvoll illuminierten Nachbau einer mittelalterlichen Basilika, die an genau dieser Stelle stand, von Hand des italienischen Designers und Skulpturenkünstlers Edoardo Tresoldi. Errichtet wurde die ursprüngliche Basilika um das 12. Jahrhundert auf den Fundamenten einer frühchristlichen Kirche aus dem 6. Jahrhundert. Im Jahr 1223 fiel sie größtenteils einem schweren Erdbeben zum Opfer.

Verbleibende Teile blieben in Gebrauch

Mit der Santa Maria di Siponto genannten Kirche ging auch die damalige Siedlung Sipontum unter, nicht weit vom heutigen Badeort Siponto in der Provinz Foggia, und wurde wenige Jahrzehnte später als Manfredonia wiedergegründet – ziemlich erfolgreich: Heute zählt die Stadt knapp 60.000 Einwohner. Die Bevölkerung baute die verbleibenden Teile der antiken Kirche um und nutze sie weiter – bis heute, einschließlich sämtlicher Modernisierungen und Sanierungen.

Während der gesamten Zeit jedoch erinnerten die Ruinen gleich nebenan an die Katastrophe, die das ursprüngliche Gotteshaus zum Einsturz gebracht hatte. Wie es ausgesehen hatte, konnte sich niemand so recht vorstellen – bis Edoardo Tresoldi sich der Sache annahm.

Akribische Forschung, Vorstellungskraft und Draht

Der in Mailand geborene Künstler baute die komplette Basilika in Originalgröße an Ort und Stelle nach – Wand für Wand, akribisch rekonstruiert anhand der noch vorhandenen Ruinen und Grundmauern. Inspirieren ließ er sich zudem von Vergleichen mit anderen Kirchen aus der fraglichen Zeit und Region sowie vom Wissen um die Trends in der romanischen Baukunst des frühen Hochmittelalters – Stichwort „Goldener Schnitt“.

Ebenfalls benötigt: eine gehörige Portion Vorstellungskraft und nicht zuletzt sieben Tonnen stählerner Maschendraht, ein gern und oft verwendetes Material des Künstlers, der international für seine Drahtskulpturen bekannt ist.

Mit seinem Team schnitt er aus dem Geflecht die gesamte Konstruktion in Einzelteilen aus und heftete sie über den Ruinen zusammen, fest verbunden mit den noch verbliebenen Mauerresten. Ob die Kirche wirklich ganz genau so ausgesehen hat, ist fraglich, aber möglich: Proportionen und Größe stimmen jedenfalls, ebenso wie der Baustil. Nur das Material ist nicht gerade historisch korrekt. Dafür formte der Künstler sogar imaginäre Besucher aus dem zart-harten Geflecht.

Kunst schlägt Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Insgesamt fünf Monate dauerte die Arbeit an dem Projekt – allein 30 Tage brauchten Tresoldi und seine Mitstreiter, um die antike Kirche gleich neben der heute noch Genutzten neu entstehen zu lassen – schemenhaft integriert in die Umgebung und verbunden mit der Gegenwart, zugleich da und nicht da. Um die Einzelteile an die richtigen Stellen zu bugsieren, nutzten sie hydraulische Hebebühnen, auch „Cherrypickers“ genannt.

Mitte April enthüllte das italienische Ministerium für Kulturgüter, kulturelle Aktivitäten und Tourismus, das das Projekt finanziert hat, die stahlgewordene Vergangenheit. Seitdem gehört der auch bei Tag eindrucksvoll-unwirkliche Geist der alten Kirche zu einer wichtigen Touristenattraktion der Gegend, Anziehungspunkt für Kultur-, Geschichts- und Kunstinteressierte gleichermaßen. Ein Ende ist nicht abzusehen: Pläne, die metallgewordene Geschichte wieder abzubauen, gibt es derzeit nicht.

Ganz anders genutzt wird dagegen eine Kirche in Chicago. Sie ist heute ein spektakuläres Wohnhaus.

 

Ein Beitrag von:

  • Judith Bexten

    Judith Bexten ist freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Logistik und Diversity.

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