Transparente STELEN 07.08.2015, 06:12 Uhr

Leuchtendes Mahnmal für die havarierte Costa Concordia

Wenn es nach den Machern der Ideenplattform Matterbetter geht, wird eine lange Reihe leuchtender Stelen, die vom Land bis ins Wasser reicht, an das Unglück der Costa Concordia erinnern. So jedenfalls sieht der Siegerentwurf des Wettbewerbs aus, an dem sich Architekten, Designer und Künstler aus aller Welt mit 282 Beiträgen beteiligten.  

Dickes Ende: Beim Gewinner-Entwurf Concordia Lightscape sind Land und Meer miteinander verbunden. Zum Wasser hin werden die Linien immer dicker. 

Dickes Ende: Beim Gewinner-Entwurf Concordia Lightscape sind Land und Meer miteinander verbunden. Zum Wasser hin werden die Linien immer dicker. 

Foto: Matterbetter

Ein Leuchtturm ist solide, massiv, trutzig. Einen Leuchtturm sollten die Teilnehmer des Wettbewerbs „Concordia Lighthouse“ entwerfen. Und doch ist der Sieger einer, der dieses Konzept über den Haufen wirft: Eine lange Reihe von schlanken, beleuchteten Stelen, die von der Insel aus bis weit ins Meer reichen und damit die Grenze zwischen Land und Wasser umso deutlicher sichtbar machen.

Sieht zwar gar nicht nach Leuchtturm aus, überzeugte aber die Jury: der Gewinnerentwurf bei Tag. 

Sieht zwar gar nicht nach Leuchtturm aus, überzeugte aber die Jury: der Gewinnerentwurf bei Tag. 

Quelle: Gwizdala Andrzej, Adrien Mans/Matterbetter

Der Pole Andrzej Gwizdala und der Belgier Adrien Mans entwickelten diese Idee und stachen damit nach Ansicht der Jury unter den 282 Bewerbern heraus. Die Ästhetik der Struktur, deren Stelen zum Wasser hin immer dicker werden, zeige sich schon tagsüber und verwandle sich nachts in einer poetischen und dramatischen Weise, heißt es in der Bewertung. Aus einem Leuchtturm sei damit eine Lichtgestalt, eine leuchtende Landschaft geworden.

Bisher nur eine Figur und eine Bronzetafel auf Giglio

Geht es nach den Machern der in Großbritannien beheimateten Ideenplattform „Matterbetter“, dann wird dieser Entwurf bald auf der Insel Giglio an das Schiffsunglück erinnern, bei dem vor dreieinhalb Jahren 32 Menschen ums Leben kamen. Doch ob sich dort jemand für das Konzept interessiert, ist fraglich.

Komplett lichtdurchlässig soll der Turm sein, mit dem ein Team aus Vietnam auf den zweiten Platz kam. 

Komplett lichtdurchlässig soll der Turm sein, mit dem ein Team aus Vietnam auf den zweiten Platz kam. 

Quelle: Matterbetter

Offizielle Planungen für ein solches Mahnmal gibt es bislang nicht. Das Schiff selbst lag ja mehr als zwei Jahre lang, auf die Seite gekippt und vor sich hin rostend, als stete Erinnerung an die Katastrophe vor der kleinen Insel. Erst im Sommer 2014 konnte die Costa Concordia aufgerichtet, abgeschleppt und zerlegt werden. Heute erinnern nur eine Heiligenfigur und eine Bronzetafel auf der Hafenmauer an das Unglück.

Zweitplatzierter Entwurf ist völlig transparent

Vorgaben für den Leuchtturmwettbewerb hinsichtlich Größe, Material oder Form gab es kaum. Die Leute hinter Matterbetter, die jüngst auch einen Wettbewerb für ein Mahnmal zum Absturz des  Fluges MH-17 in der Ukraine gestartet haben, setzen bewusst wenig Grenzen. Die Realisierbarkeit gehört nicht zu den wichtigsten Kriterien.

Leuchtturm Catharsis: Völlig unsichtbar bleibt die Architektur im drittplatzierten Entwurf, der nur das Licht selbst erkennen lässt. 

Leuchtturm Catharsis: Völlig unsichtbar bleibt die Architektur im drittplatzierten Entwurf, der nur das Licht selbst erkennen lässt. 

Quelle: Matterbetter

Der zweitplatzierte Entwurf für das Concordia Lighthouse, entwickelt von einem Team aus Vietnam, wirkt indes durchaus machbar: Ein Leuchtturm in klassischer Form, dessen Außenhülle allerdings transparent ist. Deshalb ändert sich sein Erscheinungsbild stetig im Laufe des Tages. Er wirkt elegant und leicht und nicht als Störfaktor innerhalb der Natur.

Das drittplatzierte Entwurf verlässt dagegen die Ebene des physischen Bauens komplett: Zwei Italiener spielen darin mit dem Licht, dessen Quellen in der Landschaft verborgen oder in der Erde verankert sind.

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

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