Unter dem Bosporus 21.12.2016, 12:15 Uhr

Im ersten Autotunnel zwischen Europa und Asien rollt der Verkehr

Europa und Asien sind jetzt erstmals durch einen Autotunnel unter dem Meer verbunden: Am Dienstag ist der Eurasien-Tunnel, der den Bosporus unterquert, feierlich eröffnet worden. In der Betonröhre unter dem Meer fließt der Verkehr nicht nebeneinander, sondern übereinander.

Istanbul ist die einzige Stadt weltweit, die auf zwei Kontinenten liegt. Mit dem Eurasien-Tunnel sind die beiden Stadthälften nun durch fünf Verkehrswege verbunden. Es gibt bereits drei Brücken und einen U-Bahn-Tunnel. „Der Eurasien-Tunnel war einer unserer größten Träume“, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim bei der feierlichen Eröffnungszeremonie, an der auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan teilnahm.

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Stahl für zehn Eiffeltürme verbaut

Die erste unterirdische Straßenverbindung zwischen Europa und Asien ist ein extrem ehrgeiziges Bauprojekt. Eine Bohrmaschine grub den Tunnel mit einer Geschwindigkeit von acht bis zehn Metern pro Tag durch den Untergrund. Mit dem unter dem Bosporus verbauten Zement könnte man 18 große Fußballstadien verfüllen und mit dem verwendeten Stahl zehn Eiffeltürme errichten.

Die doppelstöckigen Tunnelröhren liegen an ihrer tiefsten Stelle gut 106 Meter unter dem Wasser des Bosporus, wobei die Tunneldecke dort etwa 25 Meter unter dem anstehenden Fels bleibt.

Fünfeinhalb Jahre Bauzeit

Die Ingenieure versprechen so eine Erdbebensicherheit bis zu einer Magnitude von 7,5 auf der Richterskala. Selbst ein Tsunami soll keine Auswirkungen auf die Betriebssicherheit im Eurasien-Tunnel haben. Nach offiziellen türkischen Angaben handelt es sich um den tiefsten und breitesten Tunnel der Welt.

Jede Tunnelröhre hat einen nutzbaren Durchmesser von zwölf Metern. Bei Bedarf können die Tunnelröhren sogar als Schutzbunker genutzt werden. Der Tunnel hat Rettungssysteme integriert und bietet mit vier Wendestellen im Tunnel ein hohes Sicherheitsniveau.

Telefon und Internet sind auf der gesamten Tunnelstrecke verfügbar. Realisiert hat diesen Tunnel das Konsortium ATAS, das aus der türkischen Baufirma Yapi Merkezi und der südkoreanischen SK E & C Group besteht. Mit dem Bau wurde im Februar 2011 begonnen. Schon am 22. August 2015 erfolgte der Durchstich.

Fahrtzeit von 100 auf 15 Minuten verkürzt

Im Normalfall werden nun täglich bis zu 130.000 Fahrzeuge den Tunnel passieren. Zugelassen sind allerdings nur Pkw und Kleinbusse. Mit dem 5,4 Kilometer langen Tunnel verkürzt sich die Fahrtzeit zwischen den beiden Ufern des Bosporus von 100 auf nur noch 15 Minuten. Insgesamt ist der Eurasien-Tunnel 14,6 Kilometer lang.

Auf der europäischen Seite befindet sich der Eingang des Tunnels im Bezirk Çatladıkapı nahe der berühmten blauen Moschee. Der Tunnel endet auf der asiatischen Seite in Kadıköy, nahe der Fährstation und des alten Istanbuler Bahnhofs. 

Vier Dollar Maut pro Durchfahrt

An beiden Tunnelportalen befinden sich Mautstellen. Vier US-Dollar, also rund 3,8 Euro, plus der Umsatzsteuer kostet die Fahrt durch den Tunnel. Diese Maut soll innerhalb von 25 Jahren die Baukosten von rund 1,19 Milliarden US-Dollar (1,14 Mrd. Euro) und die laufenden Betriebskosten wieder einspielen.

Der Tunnel ist aber nicht das einzige Jahrhundertprojekt in Istanbul. Derzeit im Bau ist eine Brücke, die gleich mehrere Rekorde aufstellt. Sie hat die höchsten Pylone der Welt, ist so breit wie keine andere und ist die längste Bahnbrücke der Welt, über die Hochgeschwindigkeitszüge rasen. Neugierig? Hier lesen Sie mehr.

Ein Beitrag von:

  • Detlef Stoller

    Detlef Stoller ist Diplom-Photoingenieur. Er ist Fachjournalist für Umweltfragen und schreibt für verschiedene Printmagazine, Online-Medien und TV-Formate.

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