Kälte für Kühlung 23.11.2017, 12:31 Uhr

Gigantisches Datencenter entsteht am Polarkreis – zum Energie sparen

Gewaltige Kapazitäten, ein ebensolcher Energieverbrauch – und doch soll das Datencenter von Kolos in Norwegen ein Öko-Projekt werden. Die Kälte in der Polarregion soll für das Projekt sogar ein Vorteil sein und Energie sparen.

Kolos-Datencenter

Das Kolos-Datencenter nutzt die Kälte im Norden Norwegens, um bei der Kühlung der Server Energie zu sparen.

Foto: Kolos/HDR

Die Pläne sehen toll aus: Relativ niedrige Gebäude fügen sich in die reizvoll karge Landschaft ein. Die Dächer begrünt, wirkt die gesamte Anlage wie ein Gletscher, der sich majestätisch langsam zu einem See hin bewegt. Jetzt, Ende November, bedeckt auch noch feiner weißer Schnee die Landschaft. Denn hier im norwegischen Ballangen, 225 Kilometer nördlich des Nordpolarkreis, liegt die Temperatur aktuell bei minus vier Grad. Die Tageshöchsttemperatur wohlgemerkt.

Kolos-Datencenter-aus-der-Luft

Wie ein Gletscher, der sich zum See hin bewegt, soll die Anlage in der Landschaft wirken.

Quelle: Kolos/HDR

Angenehme Arbeitsatmosphäre nördlich des Polarkreises.

Angenehme Arbeitsatmosphäre nördlich des Polarkreises.

Quelle: Kolos/HDR

Für ein gigantisches Daten- und Ökoprojekt sind das die besten Voraussetzungen. So sieht es jedenfalls das amerikanisch-norwegische Unternehmen, das schon in seinem Namen einen Hang zum Gigantischen verrät: Kolos. Die Firma hat das internationale Ingenieur- und Architekturbüro HDR mit dem Bau eines Datencenters in Rekordgröße beauftragt, zuständig für die Planung ist das Düsseldorfer HDR-Büro.

Bis zu 1000 Megawatt Serverleistung

Schon im kommenden Jahr soll in der kleinen Gemeinde Ballangen eine Server-Anlage mit 70 Megawatt Leistung in Betrieb gehen. Nach und nach soll das Zentrum so weit ausgebaut werden, dass Server mit bis zu 1000 Megawatt Leistung betrieben werden können.

Auf dem Grundstück im norwegischen Ballangen, auf dem Kolos sein Datencenter direkt am Ufer eines Fjordes baut, war bislang eine Stadt- und Landebahn für kleine Flugzeuge.

Auf dem Grundstück im norwegischen Ballangen, auf dem Kolos sein Datencenter direkt am Ufer eines Fjordes baut, war bislang eine Stadt- und Landebahn für kleine Flugzeuge.

Quelle: Kolos

Kolos-Grundstueck-bebaut

Und so sieht das Grundstück aus, wenn das Rechenzentrum 2018 eröffnet wird.

Quelle: Kolos

Das alles dient dazu, vor allem Daten von Unternehmen zu speichern – und das besonders sicher. Denn zum einen wird natürlich die modernste Technologie versprochen, und zum anderen ist die Anlage gegen einen realen, physischen Einbruch gut gesichert, weil sie weitgehend von Wasser umgeben ist. Von einer „Festung für Daten“ spricht Kolos. Für schnelle Übertragung ins südlichere Europa und Nordamerika soll ein Hochleistungsglasfasernetz im Nachbarland Schweden sorgen.

Der maximal vierstöckige Gebäudekomplex entsteht auf einer Fläche von 600.000 Quadratmetern. Für Ballangen und die umliegenden Orte liegt in dem Projekt eine große Chance, denn bis zu 15.000 Arbeitsplätze in der Region könnten dadurch direkt oder indirekt entstehen.

Energiebedarf drastisch reduziert

Skandinavien ist schon seit einigen Jahren ein beliebter Standort für derart große Datenzentren. Facebook, Google und Apple haben entsprechende Anlagen hier errichtet. In Norwegen ist es aber das erste Center dieser Art – und die Auftraggeber werden nicht müde, die Einzigartigkeit ihres Projektes zu betonen. Denn den üblicherweise gewaltigen Energiebedarf solcher Server-Zentren will Kolos durch die besondere Lage um 60 Prozent reduzieren können.

Kolos-Datencenter-in-Ballangen

Im Winter kann es in Ballangen, 225 Kilometer nördlich des Nordpolarkreis, leicht minus 20 Grad kalt werden.

Quelle: Kolos/HDR

 

Dieses Ziel soll vor allem dadurch erreicht werden, dass Wasser aus direkter Umgebung für die Kühlung genutzt wird. Außerdem will man Strom aus regionaler Wasser- und Windkraft nutzen und so zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie auskommen.

Kälte kann auch extrem werden

Wie groß der ökologische Fußabdruck der Anlage am Ende tatsächlich sein wird, bleibt abzuwarten. Denn genaue Angaben gibt es öffentlich noch nicht.

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