Projekt in Österreich 18.05.2014, 08:00 Uhr

„Bus:Stop“: Sieben Wartehäuschen der anderen Art

Wer sehen will, wie inspirierend die Architektur eines einfachen Nutzbaues sein kann, muss nach Österreich fahren. Im Dörfchen Krumbach haben sieben Architekten außergewöhnliche Bushaltestellen gebaut und dabei alte Traditionen mit modernen Ideen verbunden. Ein inspirierendes Projekt lokaler Initiatoren.

Radic überträgt die Intimität der Bregenzerwälder Stube in die Ausgesetztheit einer öffentlichen Bushaltestelle. Der Glaspavillon mit Betondecke und bäuerlichen Holzsesseln ist vertraut und fremd zugleich.

Radic überträgt die Intimität der Bregenzerwälder Stube in die Ausgesetztheit einer öffentlichen Bushaltestelle. Der Glaspavillon mit Betondecke und bäuerlichen Holzsesseln ist vertraut und fremd zugleich.

Foto: kultur krumbach

Vielleicht hätten diese Bushaltestellen einen Superlativ verdient. Sind es die ungewöhnlichsten und schrägsten Wartehäuschen Österreichs, Europas, oder gar weltweit? Jedenfalls haben die „Wartehüsle“, wie sie lokal genannt werden, den Überraschungsmoment auf ihrer Seite.

Die flämischen Architekten de Vylder, Vinck, Tailleu, beeindruckt von der Fahrt über die Alpenpässe, haben einen Unterstand gefaltet, in dem sich drei Richtungen treffen. Die Dreiecksform in ihrer minimalistischen Einfachheit strahlt Klarheit und auch Poesie aus.

Die flämischen Architekten de Vylder, Vinck, Tailleu, beeindruckt von der Fahrt über die Alpenpässe, haben einen Unterstand gefaltet, in dem sich drei Richtungen treffen. Die Dreiecksform in ihrer minimalistischen Einfachheit strahlt Klarheit und auch Poesie aus.

Foto: kultur krumbach

Wer hier, im Bregenzerwald, auf einen der Landbusse wartet, darf sich als etwas Besonderes fühlen und die Wartezeit mit ein paar Gedanken über Architektur verkürzen. Wie sinnvoll, funktional und beständig die sieben neuen „Bus:Stops“ sind, wird die Zeit zeigen.

Vorarlberg als Zentrum für zeitgenössische Architektur

Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass das Haltestellen-Projekt, ausgehend vom Verein „kultur krumbach“, in Vorarlberg umgesetzt wird. Das kleine Bundesland im Westen Österreichs hat nicht nur die höchste Dichte an Holzhäusern weltweit, sondern hat sich auch, fernab von den spektakulären Bauten in den Metropolen, als Zentrum für zeitgenössische Architektur auf hohem Niveau entwickelt.

Sou Fujimotos Haltestelle gibt keinen Schutz vor der Witterung. Stattdessen gehen die dünnen Stahlstangen, zwischen denen sich eine Treppe hinaufwindet, einen offenen Dialog mit der Natur ein. Damit will der japanische Architekt eine neue Dimension von Ort, Raum und Natur eröffnen.

Sou Fujimotos Haltestelle gibt keinen Schutz vor der Witterung. Stattdessen gehen die dünnen Stahlstangen, zwischen denen sich eine Treppe hinaufwindet, einen offenen Dialog mit der Natur ein. Damit will der japanische Architekt eine neue Dimension von Ort, Raum und Natur eröffnen.

Foto: kultur krumbach

Nicht solitäre Stararchitektur, sondern architektonisch wertvolle Alltagsbauten sind hier zu sehen. Das Vorarlberger Architektur Institut (vai) bietet sogar eigene Touren für interessierte Touristen dazu an.

Jetzt gehören also auch sieben Bushaltestellen, die wie außergewöhnliche Skulpturen den öffentlichen Raum betreten haben, zum Vorarlberger Architekturgeschehen. Von der Idee bis zur Ausführung hat es knapp  Jahre gedauert. Sieben internationale Architekturbüros hatte der Krumbacher Kulturverein eingeladen, jeweils eines der sieben Wartehäuschen zu gestalten. 

Die beiden spanischen Architekten Antón Garcia-Abril I und Débora Mesa waren fasziniert von den rohen, unbehandelten Eichenbrettern und deren Schichtung in den Trockenlagern der Holzwerkstätten im Bregenzerwald. Aus völlig unbehandelten Brettern haben sie einen geschützten und einen offenen Raum aufgeschichtet.

Die beiden spanischen Architekten Antón Garcia-Abril I und Débora Mesa waren fasziniert von den rohen, unbehandelten Eichenbrettern und deren Schichtung in den Trockenlagern der Holzwerkstätten im Bregenzerwald. Aus völlig unbehandelten Brettern haben sie einen geschützten und einen offenen Raum aufgeschichtet.

Foto: kultur krumbach

Die Architekten wurden von lokalen Handwerkern und regionalen Architekten begleitet, die Finanzierung war durch Material- und Sachspenden gesichert. Statt eines Honorars erhalten die eingeladenen Baukünstler eine Woche Urlaub im Bregenzerwald. Im Frühjahr reisten sie zur Besichtigung an und machten sich mit der Vorarlberger Baukultur vertraut. Größtmögliche Gestaltungsfreiheit war zugesichert, zur Bedingung machten die Kuratoren des Projektes lediglich den Bezug zur Region, widerstandsfähiges Material sowie Funktionalität. Nun sind alle sieben Bushaltestellen fertig – manche mehr und manche weniger als solche zu erkennen.

Von Gudrun von Schoenebeck

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