Aktuelle Gehaltszahlen 02.09.2026, 05:47 Uhr

Einstiegsgehalt für Ingenieure: Diese 6 Faktoren machen den Unterschied

Was verdienen Ingenieure zum Berufseinstieg? Aktuelle Gehaltsdaten für 2026 und sechs Faktoren, die über das erste Gehalt entscheiden.

Zwei Ingenieure in einer Werkshalle

Branche, Tätigkeit, Arbeitgeber und Standort können das Einstiegsgehalt von Ingenieurinnen und Ingenieuren deutlich beeinflussen.

Foto: picture alliance / Zoonar | Sirinarth Mekvorawuth

59.250 € brutto im Jahr: So hoch liegt das Mediangehalt von Ingenieurinnen und Ingenieuren mit weniger als einem Jahr Berufserfahrung im Stepstone-Gehaltsreport 2026. Eine laufende Befragung von Berufsstart kommt für Hochschulabsolventinnen und -absolventen dagegen auf durchschnittlich 50.051 €.

Fast 10.000 € Unterschied – obwohl beide Zahlen etwas über den Einstieg ins Ingenieurwesen aussagen.

Das liegt zunächst an den Daten selbst. Stepstone arbeitet mit Medianwerten und standardisiert auf eine 40-Stunden-Woche. Boni, Provisionen und Prämien sind eingerechnet. Berufsstart bildet dagegen Durchschnittswerte aus den Angaben von derzeit 98 Unternehmen. Aus den beiden Zahlen lässt sich deshalb keine allgemeine Gehaltsspanne von 50.000 bis 60.000 € ableiten.

Sie zeigen aber, warum eine einzelne Zahl für die eigene Gehaltsvorstellung wenig taugt. Was ein Unternehmen tatsächlich anbietet, hängt vor allem von sechs Faktoren ab.

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1. Abschluss und relevante Erfahrung

Masterabschluss gleich höheres Einstiegsgehalt? So einfach ist die Rechnung nicht mehr.

Die laufenden Berufsstart-Daten für 2026 nennen für Ingenieurinnen und Ingenieure mit Bachelor durchschnittlich 50.457 €, mit Master 51.458 €. Daraus sollte man allerdings keinen allgemeingültigen Master-Aufschlag von rund 1000 € ableiten. Hinter den Werten stehen lediglich 93 beziehungsweise 48 Unternehmen.

Die Daten zeigen vielmehr, wie vorsichtig solche Durchschnittswerte interpretiert werden müssen. Ein Master kann bei einer Stelle wichtig sein, wenn das Unternehmen vertiefte Fachkenntnisse verlangt oder der Abschluss Voraussetzung für die Position ist. Für eine andere Stelle kann ein Bachelor vollkommen ausreichen.

Ähnlich verhält es sich mit Praxiserfahrung während des Studiums. Werkstudententätigkeiten, einschlägige Praktika oder eine Abschlussarbeit im Unternehmen erhöhen nicht automatisch das Gehalt. Sie können aber einen Bewerber interessanter machen, wenn die Erfahrung unmittelbar zur Stelle passt.

Wer beispielsweise bereits mit dem CAD-System, der Simulationssoftware oder dem Automatisierungsumfeld des künftigen Arbeitgebers gearbeitet hat, bringt andere Voraussetzungen mit als jemand, der diese Kenntnisse erst erwerben muss.

Der Abschluss ist deshalb nur ein Teil der Qualifikation. Wie viel er beim Gehalt wert ist, entscheidet sich erst in Verbindung mit der konkreten Stelle.

2. Die konkrete Tätigkeit kann wichtiger sein als das Studienfach

Der alte Beitrag stellte vor allem das Studienfach in den Mittelpunkt. Das greift zu kurz.

Aktuelle Stepstone-Daten zeigen, wie weit Ingenieurgehälter schon beim Einstieg auseinanderliegen können. Unter den besonders gut bezahlten Einstiegsberufen finden sich beispielsweise Ingenieurinnen und Ingenieure der Werkstofftechnik mit einem Median von 68.500 € sowie Betriebsingenieurinnen und -ingenieure mit 66.250 €.

Das bedeutet nicht, dass ein Studium der Werkstofftechnik grundsätzlich zu einem Einstiegsgehalt von 68.500 € führt. Stepstone erfasst konkrete Berufe und Tätigkeiten – nicht den Wert eines Studiengangs.

Für das Gehalt macht es einen Unterschied, ob jemand beispielsweise in der Entwicklung arbeitet, Produktionsanlagen betreut, Projekte koordiniert, Spezialsoftware entwickelt oder technische Kunden berät. Auch Verantwortung, erforderliches Spezialwissen und die wirtschaftliche Bedeutung der Tätigkeit fließen in die Vergütung ein.

Das Studienfach öffnet die Tür zu bestimmten Berufen. Bezahlt wird anschließend vor allem die Tätigkeit, die dahintersteht.

Wie stark sich Funktionen und Tätigkeitsfelder auf Ingenieurgehälter auswirken, zeigt auch unser aktueller Überblick „Gehalt von Ingenieurinnen und Ingenieuren: Branche schlägt Talent“.

3. Die Branche setzt den finanziellen Rahmen

Zwei Ingenieurinnen mit ähnlichem Studium können vergleichbare Aufgaben übernehmen und trotzdem deutlich unterschiedlich verdienen. Ein Grund ist die Branche des Arbeitgebers.

Aktuelle Stepstone-Zahlen für Ingenieurinnen und Ingenieure aller Erfahrungsstufen zeigen die Größenordnung: Im Fahrzeugbau und bei Zulieferern liegt das Mediangehalt bei 85.500 €, im Maschinen- und Anlagenbau bei 79.750 € und in Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik bei 77.750 €. Für das Baugewerbe nennt die Auswertung 66.770 €.

Das sind ausdrücklich keine Einstiegsgehälter. Die Werte zeigen aber, auf welchem unterschiedlichen Vergütungsniveau sich einzelne Branchen bewegen. Ein Unternehmen, das hohe Margen erzielt, international konkurriert oder um knappe Spezialisten wirbt, hat häufig andere Gehaltsstrukturen als ein regional arbeitendes Planungsbüro.

Auch der Arbeitsmarkt spielt mit hinein. Dabei lohnt sich 2026 ein genauer Blick. Die einfache Erzählung vom allgegenwärtigen Ingenieurmangel passt nicht zur aktuellen Lage.

Der jüngste VDI-/IW-Ingenieurmonitor weist für das vierte Quartal 2025 noch 96.760 offene Stellen in Ingenieur- und IT-Berufen aus. Gegenüber dem Vorjahr waren das allerdings 18,2 % weniger. Gleichzeitig gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Fachrichtungen.

Auch der Hays-Fachkräfte-Index Engineering sank im zweiten Quartal 2026 deutlich. Während manche Industriebereiche schwächeln, bleibt die Nachfrage beispielsweise in Teilen des Bauwesens, der Energieversorgung und der Automatisierung vergleichsweise hoch.

Mehr dazu: 58.392 Arbeitslose, 96.760 offene Stellen: Das steckt hinter dem Ingenieur-Paradox.

Ein knappes Bewerberangebot kann die Verhandlungsposition verbessern. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Ingenieurberuf automatisch ein überdurchschnittliches Einstiegsgehalt bringt.

4. Arbeitgebergröße und Tarifbindung verändern die Spielregeln

Auch der Arbeitgeber selbst spielt eine große Rolle.

Über alle Berufsgruppen hinweg zeigt der Stepstone-Gehaltsreport 2026 einen klaren Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Gehaltsniveau. Beschäftigte in Unternehmen mit 1 bis 50 Mitarbeitenden kommen im Median auf 48.800 €, bei Arbeitgebern mit mehr als 5.000 Beschäftigten sind es 63.000 €.

Diese Werte lassen sich nicht eins zu eins auf Ingenieurabsolventen übertragen. Sie zeigen aber einen strukturellen Effekt, der auch bei technischen Berufen zu beobachten ist: Große Unternehmen verfügen häufig über stärker ausdifferenzierte Gehaltssysteme und zahlen im Mittel höhere Gehälter.

Hinzu kommt die Tarifbindung.

2025 arbeiteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 49 % aller Beschäftigten in Deutschland in einem tarifgebundenen Betrieb. In für Ingenieurinnen und Ingenieure wichtigen Bereichen gibt es große Unterschiede: In der Energieversorgung lag der Anteil bei 84 %, im verarbeitenden Gewerbe bei 52 % und im Baugewerbe bei 44 %.

Ein Tarifvertrag garantiert nicht automatisch das höchste Gehalt. Er verändert aber die Gehaltsfindung. Entgeltgruppe, Tätigkeit, Tarifgebiet und Arbeitszeit geben einen größeren Teil des Rahmens vor. Hinzukommen können tarifliche Sonderzahlungen.

Bei einem nicht tarifgebundenen Arbeitgeber kann der individuelle Verhandlungsspielraum größer sein – nach oben wie nach unten.

Die Frage lautet daher nicht nur: „Wie groß ist das Unternehmen?“ Mindestens ebenso wichtig ist: Nach welchem System wird dort bezahlt?

5. Der Standort wirkt sich weiterhin auf das Gehalt aus

Dass Ingenieurgehälter regional unterschiedlich ausfallen, ist kein Relikt vergangener Gehaltsstudien.

Auch aktuelle Auswertungen zeigen ein deutliches Gefälle. Der Stepstone-Gehaltsreport 2026 nennt über alle Berufe hinweg für Hamburg ein Mediangehalt von 60.000 €, für Baden-Württemberg 58.500 € und für Hessen 58.250 €. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 47.750 €, in Sachsen-Anhalt 48.250 € und in Thüringen 48.500 €.

Zwischen West- und Ostdeutschland, Berlin ausgenommen, ermittelt Stepstone einen Unterschied von rund 13 %.

Auch bei Ingenieurinnen und Ingenieuren liegen die Gehälter in west- und süddeutschen Bundesländern im Schnitt höher. Das aktuelle Gehaltsniveau hängt unter anderem davon ab, welche Branchen und Arbeitgeber in einer Region vertreten sind.

Damit verschwindet auch eine besonders problematische Aussage aus der alten Fassung dieses Beitrags: Nürnberg ist nicht allein deshalb ein Gehaltsschwerpunkt, weil dort technische Hochschulen und große Industrieunternehmen sitzen. Ein solcher kausaler Zusammenhang lässt sich aus Gehaltsdaten nicht ableiten.

Außerdem sagt ein höheres Bruttogehalt noch wenig darüber aus, wie viel davon wirtschaftlich übrig bleibt. Wer für eine Stelle den Wohnort wechselt, sollte deshalb auch Mieten, Fahrtkosten und andere regionale Kosten berücksichtigen.

6. 60.000 € sind nicht immer 60.000 €

Ein Punkt wird bei Gehaltsvergleichen erstaunlich oft übersehen: die Arbeitszeit.

Ein Jahresgehalt lässt sich nur sinnvoll vergleichen, wenn klar ist, wie viele Stunden dafür gearbeitet werden. Ein Angebot über 60.000 € bei 35 Wochenstunden ist finanziell anders zu bewerten als derselbe Betrag bei 40 Stunden.

Das ist auch bei Gehaltsstudien wichtig. Stepstone standardisiert seine Angaben auf eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Zugleich umfasst das ausgewiesene Bruttojahresgehalt Boni, Provisionen und Prämien.

Wer einen Vergleichswert aus einer Studie in die eigene Gehaltsverhandlung übernimmt, sollte daher zuerst klären, was darin enthalten ist.

Bei einem Stellenangebot gehören zum Vergleich unter anderem das feste Jahresgrundgehalt, die Wochenarbeitszeit, variable Vergütung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, mögliche Überstundenregelungen sowie weitere tarifliche oder betriebliche Leistungen.

Ein höheres Jahresbrutto muss deshalb nicht automatisch das bessere Angebot sein.

Wer verschiedene Bruttogehälter durchrechnen möchte, kann dazu den Brutto-Netto-Rechner von ingenieur.de nutzen.

Was ist nun ein realistisches Einstiegsgehalt für Ingenieure?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht.

Der Stepstone-Gehaltsreport 2026 weist für Ingenieurinnen und Ingenieure mit weniger als einem Jahr Berufserfahrung ein Mediangehalt von 59.250 € aus. Kununu nennt für Ingenieurinnen und Ingenieure mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung aktuell durchschnittlich 57.400 €. Berufsstart kommt in seiner laufenden Unternehmensbefragung bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen auf 50.051 €.

Diese drei Zahlen sollten nicht zu einer vermeintlichen Gehaltsspanne zusammengerührt werden. Stepstone verwendet einen Median und standardisiert die Arbeitszeit. Kununu fasst bis zu drei Jahre Berufserfahrung zusammen. Berufsstart arbeitet mit einer wesentlich kleineren Unternehmensstichprobe und bildet einen Durchschnitt.

Für die eigene Gehaltsvorstellung ist deshalb ein möglichst passender Vergleich besser als ein bundesweiter Mittelwert. Ein Elektroingenieur in einem tarifgebundenen Industriekonzern in Baden-Württemberg braucht andere Vergleichsdaten als eine Bauingenieurin in einem kleinen Planungsbüro in Sachsen.

Wer anschließend eine konkrete Forderung formulieren muss, findet weitere Hinweise im Beitrag „Gehaltsverhandlung: Diese 3 magischen Zahlen müssen Sie kennen“.

Mehr Gehaltstransparenz ist geplant – aber noch nicht umgesetzt

Für Berufseinsteiger könnte sich die Suche nach einem realistischen Gehalt künftig vereinfachen. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie sieht vor, dass Bewerber Informationen über das Einstiegsentgelt oder eine Gehaltsspanne erhalten. Das kann bereits in der Stellenanzeige oder vor dem Vorstellungsgespräch geschehen. Arbeitgeber sollen außerdem nicht mehr nach der bisherigen Vergütung fragen dürfen.

Deutschland hätte die Richtlinie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen müssen. Diese Frist ist verstrichen.

Nach dem zuletzt veröffentlichten Stand des Deutschen Bundestages vom 16. Juli 2026 hatte das zuständige Bundesministerium die Vorbereitungen für einen Gesetzentwurf getroffen, klärte aber noch offene Fragen. Das Gesetzgebungsverfahren sollte anschließend beginnen.

Für Bewerber bedeutet das: Die Vorgaben der EU-Richtlinie sollten derzeit nicht mit bereits geltendem deutschem Bewerbungsrecht gleichgesetzt werden.

Fazit: Der Durchschnitt ist nur der Ausgangspunkt

Das Einstiegsgehalt eines Ingenieurs entsteht nicht aus einer einzigen Tabelle. Die konkrete Tätigkeit, die Branche, der Arbeitgeber, der Standort, die Qualifikation und die Arbeitsbedingungen greifen ineinander.

59.250 € können deshalb für eine Stelle ein sinnvoller Vergleichswert und für eine andere völlig ungeeignet sein.

Wer ein Angebot bewerten will, sollte nicht fragen: „Was verdienen Ingenieure?“ Die bessere Frage lautet: Was wird für diese Tätigkeit, bei diesem Arbeitgeber, in dieser Region und unter diesen Arbeitsbedingungen bezahlt?

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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