Online-Vorlesung statt Präsenzveranstaltung

Wissen online vermitteln: Hochschulen und Seminarleiter üben Lehre 2.0

Digitale Angebote in der Lehre und Weiterbildung boomen durch die Corona-Krise. Nicht nur Schulkinder mussten sich an das Lernen vom heimischen Schreibtisch aus gewöhnen, auch Studierende und Berufstätige üben die Lehre 2.0.

Frau lernt zuhause mit Laptop Schreibblock

Online-Kurse werden immer beliebter und interaktiver.

Foto: panthermedia.net/EdZbarzhyvetsky

Videokonferenzen mit den Kollegen, virtuelle Vorlesungen und Chats mit dem Professor: Seit ein paar Monaten ist das für viele Menschen Alltag. E-Learning-Angebote mussten rasend schnell bereit stehen, um die Universitäten und Fachhochschulen auf das Online-Semester umzustellen. Das Zentrum für Lehrentwicklung der TH Köln (ZLE) hat in diesen Zeiten besonders viele Anfragen. Professoren erhalten beim ZLE in Webinaren Hilfe und Anleitung für die digitale Lehre. Bis zu 60 Teilnehmer nahmen an den virtuellen Terminen statt. Ansonsten verzeichnet das Zentrum für Lehrentwicklung um die 16 Interessierte. Die Workshops werden seit 2011 angeboten. Das Angebot zur Online-Lehre wurde bislang als Ergänzung zu den Präsenzveranstaltungen verstanden – doch durch die Corona-Pandemie hat sich das schlagartig geändert. “Leider ist es das Coronavirus, das der Digitalisierung in der Lehre einen Schub verliehen hat”, gibt Susanne Glaeser, Leiterin des Teams Medien in der Lehre im TH-Zentrum an. Parallel sehe Sie aber “eine Riesenbereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen.”

Digitale Seminare finden großen Zuspruch bestätigt das VDI Wissensforum

Zuspruch an digitalen Seminaren verzeichnet auch das VDI Wissensforum. Präsenzveranstaltungen für die Weiterbildung von Ingenieuren wurden zunächst verschoben, um in Ruhe das digitale Angebot auszubauen. „Wir prüfen bei jeder Veranstaltung die Möglichkeit einer digitalen Umsetzung. Aktuell bieten wir einen Großteil unseres Seminar-Portfolios digital an, damit sich unsere Kunden auch aus dem Homeoffice weiterbilden können“, so Timo Taubitz, Geschäftsführer der VDI Wissensforum GmbH. Dabei handelt es sich keinesfalls um starre Webinare, bei denen die virtuellen Gäste keine Nachfragen stellen können. Interaktion und lebendige Vorträge stehen im Fokus.

Das VDI Wissensforum bietet mittlerweile 140 Online-Seminare an. In der Corona-Krise wurden nun auch die ersten Online-Konferenzen abgehalten. „Unsere drei Großveranstaltungen im Juni Dritev, PIAE (Plastics in Automotive Engineering) und AUTOMATION bilden wir auf einer virtuellen Plattform digital ab“, berichtet Taubitz. Die Teilnehmer können sich zwischen aufgezeichneten Vorträgen, Live-Sessions und der digitalen Ausstellung frei bewegen.

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Zu den weiteren Online-Meetings gehört auch die Präsentation von Arnd Bürschgens, Fachreferent im Bereich „Hygiene“ nach VDI/DVGW 6023/D „Hygiene in Trinkwasser-Installationen“. „Gemeinsam mit dem VDI Wissensforum habe ich ein reguläres zwei Tage Präsenz-Meeting online abgehalten und das hat wunderbar geklappt.“ Die ursprüngliche Präsentation konnte über das Tool gezeigt werden, Teilnehmer stellten ihre Fragen im Chat. „Die Zeit wurde auf diese Weise sehr effizient genutzt. Zudem legten wir regelmäßige Pausen ein, damit alle konzentriert weiter folgen konnten“, berichtet Bürschgens. „In einer Präsenzveranstaltung kommen schnell ausufernde Diskussionen auf, wenn mehrere Gäste von speziellen Fällen aus ihrem Alltag berichten, das hat man so bei einem Webinar nicht. Die Schulung wird dadurch effizienter.“ Bei der ersten Online-Schulung zu VDI 6023 kam das Tool Adobe Connect zum Einsatz. Darüber stellte Bürschgens auch Umfragen ein, die die User direkt beantworten konnten.

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Ansätze zur Lehre 2.0 gibt es viele

Ob Videokonferenz-Programme, hochschulinterne Lernplattformen, YouTube-Tutorials oder Quizformate: In der digitalen Lehre gibt es bereits viele erfolgreiche Ansätze. Besonders beliebt ist ein Gamification-Ansatz, bei dem die Lernenden spielerisch und interaktiv Wissen vermittelt bekommen. Dröge Vorlesungen werden so aufgelockert.

Das VDI Wissensforum hat dazu auch einen Ansatz entwickelt und setzt auf den sogenannten „Technical Online Course“. Teilnehmer schlüpfen in neue Rollen und können mit hohem Praxisbezug ihr Wissen erweitern. „Darüber hinaus stehen wir in engem Austausch mit den Behörden und prüfen die Möglichkeiten für Präsenzveranstaltungen in den verschiedenen Bundesländern. Dafür setzen wir auf ein Sicherheitskonzept mit angepassten Hygienemaßnahmen. Ab Juni werden wir die ersten Präsenz-Seminare unter diesen Auflagen wieder durchführen“, weiß Taubitz vom Wissensforum zu verkünden.

E-Learning lebt von guter Qualität und Austausch

Beim E-Learning gelten dieselben Regeln wie überall in der Lehre. Gute Qualität, persönliche Kontakte und eine Feedback-Kultur sorgen für eine erfolgreiche Lehrveranstaltung.Zu den aktuellen Herausforderungen gehört die Konzeption von digitalen Prüfungen, die nicht auf das reine auswendig gelernte Wissen beruhen. Komplexe Aufgaben virtuell zu lösen, wird auch das Team des ZLE in Köln beschäftigen.

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Von Sarah Janczura

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