Weiterbildung planen 20.03.2018, 10:10 Uhr

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen MBA?

Viele Arbeitnehmer wollen ihr Ingenieur- oder Informatikstudium im Laufe ihres Berufsleben um ein wirtschaftsnäheres MBA-Studium ergänzen. Aber ist das unabhängig von Alter, Zeit und eigener Karrierephase oder ist irgendwann der Zug abgefahren und die Mühe umsonst?

Nachdenklicher Mann vor einer Skizze zum MBA

Wer sich für einen MBA entscheidet, muss im Auge haben, dass die Ausbildung viel zeit und Kraft kostet.

Foto: panthermedia.net/denisimagilov

Sich als Ingenieur für ein MBA-Studium zu entscheiden, ist schon nicht einfach: Die Sache geht richtig ins Geld, kostet Kraft und viel Zeit. Aber wann, in welchem Alter und in welcher Phase der Karriere, ist der Schritt überhaupt angebracht? Schwierige Frage. Die klare Antwort lautet: Hängt davon ab. Davon, ob der Weg in die Führungsebene führt, ein Branchenwechsel angestrebt ist oder schon vorhandene Managementkenntnisse vertieft werden sollen. „Wenn Ingenieure nach zwei bis drei Jahren erste Schritte in Richtung Team- und Gruppenleitung gehen oder auch schon Budgets managen, dann wird es Zeit für betriebswirtschaftliche Kenntnisse“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Harald Vergossen, der die Studiengänge Berufsbegleitendes Betriebswirtschaftliches Studium sowie Master of Business Administration an der Hochschule Niederrhein leitet. Und damit wird es unter Umständen Zeit, sich nach einem MBA-Studienplatz umzuschauen.

Was dafür spricht, den MBA frühzeitig zu wagen

„Früh einen MBA zu absolvieren, ist ein großer Vorteil für alle, die an der Schnittstelle von Technologie und Management arbeiten möchten. Diese Allrounder kommen in Auswahlprozessen oft weiter als reine Ingenieure“, weiß Stephan Scheuner, Recruiting & Admissions  Manager am NIT Northern Institute of Technology Management. „Später in der Karriere bereitet ein MBA auf konkrete Führungspositionen vor oder hilft, sich beruflich umzuorientieren.“ Vergossen spricht aus seiner Erfahrung zwar von altersmäßig „bunt gemischten“ MBA-Jahrgängen, bei denen vom Mittzwanziger bis zur 55-jährigen Führungskraft alles vertreten ist, doch eine Tendenz fürs richtige Timing gibt es trotzdem: Eher früher im Arbeitsleben, nach ein paar Jahren Praxis oder spätestens, wenn eine Top-Führungsposition möglich scheint.

„Der MBA ist immer ein Mittel zum Zweck, vor allem natürlich, um sich in Richtung Management zu entwickeln“, sagt Sebastian Horndasch, MBA-Experte und Autor des Buches „Master nach Plan“. Für günstig hält er den Zeitpunkt nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung. Auch aus ganz praktischen Gründen: Dann ist genug Zeit, dass sich die hohen Kosten amortisieren (wenn die Firma knausert) und der Gehaltsausfall bei einem Vollzeitstudium hält sich in jungen Jahren noch in Grenzen. Nicht zuletzt: „Die Lernbereitschaft ist in dieser Zeit noch sehr groß. Zudem lässt sich das zeitintensive Studium in dieser Phase oft noch gut mit anderen Lebensbereichen, etwa der Familie, kombinieren“, ergänzt Vergossen.

Wertvolle Ratschläge und persönliche Infos zu Stipendienprogrammen erhalten Sie auch auf den VDI nachrichten Recruiting Tagen.

Wertvolle Ratschläge und persönliche Infos zu Stipendienprogrammen erhalten Sie auch auf den VDI nachrichten Recruiting Tagen.

Neben der üblichen akademischen Qualifikation setzen die meisten Hochschulen per se Berufserfahrung voraus. „Außerdem profitieren die Lerngruppen eher voneinander, wenn die Studierenden berufserfahren sind, was den Lerneffekt erhöht und die Perspektive über eigene Branchengrenzen hinweg weitet“, sagt er. „Direkt nach dem Studium einen MBA draufsatteln zu wollen, ist Quatsch. Seriöse Hochschulen werden solche Anwärter aber auch erst gar nicht zulassen.“ In der Regel sind MBA-ler um
die 30 Jahre alt, ist Horndaschs Erfahrungswert. Bei allzu Eiligen kommt hinzu, dass sie ohne Praxis schwer den Fragestellungen des Studiums werden folgen können – und schon gar
nicht das Gelernte sinnvoll in den Berufsalltag einbringen können. Wer erst in den Job eingestiegen ist, wird wohl kaum bewerten können, ob ihn die Lerninhalte weiterbringen werden und womöglich gibt es auch noch keine konkreten Karriereziele – so lässt sich nicht das Optimum aus der Ausbildung herausholen.

Diese Fragen sollten sich MBA-Anwärter stellen

Irgendwann ist es jedoch genug der Erfahrung – und der Zug für einen MBA als Karriere-Turbo ist abgefahren. Dann tragen Ingenieure bereits Verantwortung und können schwerlich auch nur in Teilzeit aussteigen. Und wenn doch, ist rasch ein anderer Kandidat zur Stelle, der sich voll auf die Aufgabe im Unternehmen konzentrieren kann. Möglicherweise hat sich auch die rein fachliche Laufbahn mit überschaubarer Führungsverantwortung als richtige Wahl erwiesen, dann wäre es kaum nachvollziehbar, einen MBA draufzusatteln. Und natürlich schmerzt irgendwann die Gehaltslücke, die ein Studium reißen würde. Haben Sie Ihre Erwartungen mit diesen Überlegungen abgeglichen?

Grundsätzlich sollte sich jeder bei der Entscheidung selbstkritisch ein paar Dinge vor Augen halten und diese mit der jetzigen und künftigen Lebenssituation abgleichen: „MBA-Studiengänge sind in der Regel sehr zeitaufwendig, insbesondere berufsbegleitende Programme erfordern oft etwa 20 Stunden pro Woche“, bemerkt Vergossen, „Um diesen Aufwand
erfolgreich zu bewältigen, sollte das berufliche und private Umfeld vorbereitet werden.“ Wie steht der Arbeitgeber zu der Sache?

Ist man bereit, auf Hobbies und Vereinstätigkeit zumindest für eine gewisse Zeit zu verzichten? Passen Familiengründung und MBA zusammen? „Der Aufwand neben dem Beruf ist riesig und meiner Meinung nach nur schwer mit einer Familie vereinbar. Daher sollte man den MBA idealerweise vor einer Familiengründung in der Tasche haben“, betont Horndasch.

Gänzlich abraten würde Scheuner vom NIT, „wenn die Hauptmotivation lediglich der Erwerb eines Titels ist – und nicht die persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Dann sollten Zeit und Geld besser anders investiert werden“.

Man sieht: Ein ideales Timing wird es nicht geben. Doch der richtige Zeitpunkt lässt sich mit selbstkritischen Fragen und ehrlichen Antworten durchaus abklopfen. Aber: Nicht zu lange überlegen, denn das Zeitfenster für einen erfolgreich absolvierten MBA ist nicht ewig sperrangelweit offen – spätestens ab Mitte 40 schließt es sich.

 

Dieser Beitrag erschien im Magazin „Ingenieurkarriere – Spezial: MBA for engineers“ der VDI nachrichten.

Von Chris Löwer Tags:

Stellenangebote im Bereich Hardwarenahe Programmierung

engineering people GmbH-Firmenlogo
engineering people GmbH Embedded Software Engineer Automotive (m/w/d) Ettlingen
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Systemingenieur Bremssysteme für automatisiertes Fahren (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Entwickler Hochautomatisiertes Fahren – HiL/SiL Architekt (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG Softwareingenieur (m/w) Qualitätssicherung Frankfurt am Main
Manz AG-Firmenlogo
Manz AG Software-Architekt / Software-Applikationsingenieur (m/w) für Produktionsanlagen Reutlingen
Nord-Micro GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
Nord-Micro GmbH & Co. OHG Software Testentwickler / Software Testingenieur (m/w) Entwicklung Frankfurt am Main
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG Softwareentwickler / Softwareingenieur (m/w) Entwicklung Frankfurt am Main
HERMA GmbH-Firmenlogo
HERMA GmbH Embedded Software Entwickler (m/w) Maschinenbau Filderstadt-Bonlanden
Jungheinrich AG-Firmenlogo
Jungheinrich AG Senior-Entwicklungsingenieur (m/w) Embedded Software / Softwarearchitektur und -module / Energy and Drive Systems Norderstedt
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG Software Ingenieur (m/w) Frankfurt am Main

Alle Hardwarenahe Programmierung Jobs

Das könnte sie auch interessieren