Absolventen an die Digitalisierung heranführen

Wie Hochschulen Ingenieure auf die digitale Transformation vorbereiten müssen

Die digitale Transformation stellt derzeit das Berufsleben von Ingenieuren auf den Kopf und die Hochschulen verschlafen es, Berufseinsteiger und Studierende darauf vorzubereiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des VDI, die den Fortschritt der digitalen Transformation in der Bildung untersucht hat. Mehr Ergebnisse und was Hochschulen jetzt tun sollten, lesen Sie hier.

Studierende um Tisch

Foto: panthermedia.net/ Rawpixel

Ob Sensoren, künstliche Intelligenz, digitale Inspektionstätigkeiten oder virtuelle Baupläne: Absolventen werden spätestens beim Berufseinstieg mit den  Auswirkungen der Digitalisierung konfrontiert. Bereiten die deutschen Hochschulen ihre Studierende auch wirklich auf die digitale Transformation vor? Diese und weitere Fragen erörterte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) am Dienstag auf einer Pressekonferenz auf der Hannover Messe 2019. Ralph Appel, VDI-Direktor, stellte dabei konkrete Forderungen an die Hochschulen. Klaus Kreulich, Vizepräsident der Hochschule München, griff die Worte Appels auf und verdeutlichte die herausfordernde Lage der Universitäten. Zudem gab Rainer Dittmar von der Deutschen Bahn AG Auskunft über die Ingenieurausbildung bei der DB.

Deutsche Hochschulen bereiten Studierende nicht gut genug vor

Der VDI hat unter Zuhilfenahme von Professoren, Studierenden und Berufseinsteigern untersucht, wie weit die deutsche Hochschullandschaft die digitale Transformation als strategisches Ziel in die Lehrpläne aufgenommen hat. Zu digitalen Lehrinhalten wurden 423 Professorinnen und Professoren an Hochschulen, 933 Studierende und 652 Berufseinsteiger befragt. Das Ergebnis: Deutsche Hochschulen hinken hinterher, ihre Lehrpläne so anzupassen, dass sie Absolventen ideal auf das digitale Arbeitsleben vorbereiten. Warum ist das so?

VDI-Direktor Ralph Appel  gibt auf der Pressekonferenz an, dass Studierende und Berufseinsteiger sich durch die Hochschulen nicht auf die digitale Transformation vorbereitet fühlen. Weiterbildungsangebote für Lehrende seien zwar vorhanden, werden aber entweder nicht ausreichend wahrgenommen oder wirkten sich nicht oder nur gering auf die Lehre aus. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass die Unterstützung für die Aufnahme von Lehrinhalten zur Digitalisierung vor allem im Kollegium der Professoren fehlt. “Hier sind nach Einschätzung der Professoren erschreckend viele ihrer Kollegen nicht bereit, Lehrinhalte anzupassen. Ein äußerst denkwürdiges Ergebnis”, so Appel.

Dies ist umso bedenklicher, da 61 % der befragten Professoren angeben, dass die zur Verfügung stehenden Mittel gut seien. Diese Gemengelage führt letzten Endes dazu, dass sich Studierende nicht gut auf die digitalisierte Arbeitswelt vorbereitet fühlen. Die Bereiche Informatik, Wirtschaft, Recht und Soziales sind besonders betroffen. Nur 3 % der Studierenden und Berufseinsteiger sind der Meinung, dass die Hochschulen sie gut auf rechtliche Aspekte der digitalen Transformation wie Urheberrecht oder Datenschutz (DSGVO) vorbereitet habe. Dabei wären 80 % der Studierenden bereit, ihren Studienschwerpunkt zu verlagern, um gut auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet zu sein. “Dieser enormen Flexibilität muss die Lehre unbedingt künftig gerecht werden”, fordert Appel.

Fachhochschulen liegen bei der digitalen Transformation vorn

Im Hinblick auf die digitale Transformation bewerten Studierende Fachhochschulen besser als Universitäten. Digitale Lehrinhalte werden häufiger eingebunden; Professoren zeigen eine höhere Bereitschaft, ihre Lehre anzupassen.

Als Treiber für mehr digitale Lehrinhalte sehen Studierende vor allem die Unternehmen und die Anforderungen des Arbeitsmarkts. IT-Kompetenz ist nicht nur gefragt, sondern wird auch mit einem hohen Gehalt belohnt, wie die aktuelle Gehaltsstudie von ingenieur.de zeigt.

VDI fordert Hochschulen zum Handeln auf

  1. Die Lehre braucht mehr Personal, das die digitale Transformation mitträgt. Dafür muss die Digitalkompetenz der Lehrenden gestärkt werden.
  2. Die digitale Transformation muss sich in den Curricula im Pflichtbereich niederschlagen. Nur so kann Deutschland weiterhin Technikstandort bleiben. Die Studiengänge müssen so agil sein, dass sie neue Themen einfließen lassen können.
  3. Hochschulen müssen sich mit Unternehmen verzahnen, um die Bedürfnisse der Absolventen zu verstehen und stärker in den Lehrplan einzubinden.

Hochschulen stehen vor einer großen Herausforderung

Das Ingenieurstudium bräuchte mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterangebote viel Neues mit sich. Durch die Digitalisierung müssen selbst die bereits angepassten fachtechnischen, methodischen wie auch nicht-fachlichen Kompetenzfelder überdacht werden. Kreulich von der Hochschule München spricht auf der Hannover Messe von einer „großen Herausforderung“ für das Hochschulwesen und dass der Zeitpunkt gekommen sei, „die Ingenieurausbildung auf die digitalisierte Zukunft angemessen vorzubereiten“. Er fordert dafür Zeit und nachhaltige Ressourcen, damit die Hochschulen digitale Inhalte für das Lehrangebot entwickeln können.

Hochschulen stehen des Öfteren in Konkurrenz zueinander — sei es bei Finanzierung, Forschung oder wettbewerblichen Programmen. „Sowohl Länder als auch der Bund sollten mehr Kooperationen und weniger Wettbewerb zwischen Hochschulen fördern“, so Kreulich. Wettbewerbliche Bedingungen würden den digitalen Wandel behindern. Das führt dazu, dass Hochschulen nicht gemeinsam digitale Inhalte in die Lehrpläne integrieren, sondern in Konkurrenz stehen. Dafür sieht Kreulich eine Aufwertung der Lehre seitens der Politik als notwendig an. Auch die Industrie könne ihren Teil leisten, indem sie sich stärker mit den Hochschulen verzahnt. Ein Beispiel dafür sind an Hochschulen angesiedelte Gründerzentren in denen Unternehmen, Wissenschaftler und Studierende digitale Lösungen entwickeln.

Hochschule München lehrt digitaler

Aktuell werden an der Hochschule München  neue Studienangebote zur Digitalisierung entwickelt. In den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen werden fachspezifische Module eingeführt. Als Beispiele sind die Bauinformatik oder generative Fertigungsverfahren (3D-Druck) zu nennen. Am SCE, dem Institut für Entrepreneurship, können Ingenieure in ein projektorientiertes Masterprogramm zur digitalen Transformation einsteigen. Ein nächster wichtiger Baustein der Digitalisierungsstrategie ist die Einführung interdisziplinärer Studiengänge, z.B. im Bereich Informatik oder intelligenter Maschinen.

Stärkere Anpassung an die digitalisierte Arbeitswelt

Die Anstrengungen der Hochschule zahlen im Idealfall direkt auf die Arbeitswelt ein. Nichtsdestotrotz sorgen die Unternehmen ebenfalls vor, um Absolventen schnell in digitale Prozesse einzugliedern. Die Deutsche Bahn AG stellt pro Jahr circa 1.000 Ingenieure ein. Um für einen idealen Einstieg zu sorgen, hat der Konzern mit dem “DB Training” verschiedene Bildungsangebote entwickelt, so Dittmar von der Abteilung Technik und Digitalisierung der Deutschen Bahn AG. Denn viele Absolventen bringen die methodischen Kompetenzen im Hinblick auf den digitalen Wandel nicht mit. „Nur mit neuen Lernkonzepten gelingt es uns, die circa 10.000 in unserem Konzern tätigen Ingenieure auf den digitalen Wandel vorzubereiten”, verdeutlicht Dittmar am Dienstag in Hannover.

Appel schloss in Hannover mit den Worten, dass 32 % der Professoren planten, digitale Fachinhalte künftig zu implementieren. Nun müsse der Freiraum und die Bereitschaft der Professoren gestärkt werden, um die Studiengänge für angehende Ingenieure in das 21. Jahrhundert zu befördern.

Die Digitalisierung fordert Ingenieure heraus, weil sie Neues schafft und Altes obsolet macht. Worauf es in der digitalen Welt für angehende Ingenieure ankommt, erfahren Sie im Interview mit Don Wu von der IABG aus dem aktuellen VDI-Karriereführer.

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