Bewerbung 20.07.2016, 00:00 Uhr

Vorstellungsgespräch auf den Punkt gebracht

Im Vorstellungsgespräch geht es nicht darum, in mehr oder weniger gespannter Atmosphäre einen Kaffeeplausch über dieses und jenes Thema zu halten. Der Interviewer möchte nur eines wissen, ob der Kandidat zur offenen Stelle und zum Unternehmen passt. Anders ausgedrückt: Der Kandidat schneidet am besten ab, je öfter er diesbezüglich ins Schwarze trifft! In möglichst vielen Wortbeiträgen muss er also zeigen, dass er zu den fachlichen und persönlichen Anforderungen und den Aufgaben der Stelle sowie den allgemeinen Unternehmensrichtlinien usw. passt. Alles andere ist sekundär! Dieser Grundsatz muss dem Bewerber in jeder Phase des Vorstellungsgespräches vor Augen stehen.

Das Vorstellungsgespräch auf den Punkt gebracht.

Das Vorstellungsgespräch auf den Punkt gebracht.

Foto: panthermedia.net/Mactrunk

Ein Young Professional bewirbt sich um eine Stelle im Produktmanagement. Kernaufgaben sind laut Anzeige: Analysieren der Kundenwünsche, Planen der Marketingmaßnahmen, Aufstellen der Umsatzplanung, Durchführen von Kundenschulungen und -präsentationen, Erstellen der Produktkalkulation. In seiner Vergangenheit hat der Kandidat überwiegend Engineeringaufgaben im Anlagenbau wahrgenommen. Er war aber auch für die Marketingaufgaben in seiner Abteilung zuständig. Er legte ein Studium des Bauingenieurwesens und danach ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens ab. Zudem absolvierte er viele Praktika im In- und Ausland und erwarb interessante Zusatzqualifikationen. Bei der ausgeschriebenen Stelle geht es um Fördergeräte (Baukräne).

Antworten zum Lebenslauf mit hohen Streuverlusten vermeiden

Die Crux beginnt für den betrachteten Ingenieur schon bei der ersten Frage bzw. Aufforderung, die meist so oder ähnlich lautet: „Erzählen Sie doch einmal etwas zu Ihrem Lebenslauf.“ Der Kandidat textet viel und lang herum, er kommt vom „Hölzchen auf´s Stöckchen“ und erreicht nach vielen Minuten die aktuelle Arbeitsstation. Im betrachteten Fall tauchten in 10 Minuten Schilderung zum Lebenslauf nur erschreckende zwei Sätze zum Produktmanagement und der Fördertechnik (Baukräne) auf. Streuverlust also fast 100 % und so gut wie keine Treffer ins Schwarze. Die Zeit ist weg, der Interviewer hat noch nicht viel Passendes erfahren. Merke: Den Personaler interessieren nur passende Informationen aus dem Lebenslauf – nicht alle!

Fragen zu den Studienstationen

So ist es unerheblich, dass sich der Kandidat z.B. während des Studiums für Industrial Engineering interessierte. Wichtig ist, dass er aufzeigen kann, was die Erkenntnisse aus den Studien mit der Fördertechnik zu tun haben bzw. weshalb ihm die Erkenntnisse bei der Vermarktung der Baukräne weiterhelfen. Ausgeweitet werden dürfen die Ausführungen zur Diplomarbeit, die sich um ein Marktforschungsthema drehte. Alles was passt, darf ausführlich abgehandelt, alles andere sollte kurz und knapp gehalten oder nicht erwähnt werden! Dem Interviewer muss gezeigt werden, dass hier genau der gewünschte Kandidat vom Fach sitzt!

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Fragen zu Praktika, Nebentätigkeiten, Zusatzqualifikationen etc.

Zu diesen Themen erzählen Kandidaten in Vorstellungsgesprächen viel, manchmal viel zu viel. Im betrachteten Beispiel hängen die Antworten des Kandidaten zu diesem Fragenkomplex nur wenig mit dem Produktmanagement und der Fördertechnik zusammen. Angekommen ist beim Interviewer nur, dass sich der Kandidat gut in der Versorgungstechnik auskennt. Leider hat dies mit Baukränen nicht viel zu tun. Der Ingenieur vergaß aber anzusprechen, dass er auf Baustellen mit verschiedensten Baukränen gearbeitet hat, was ihn für Kundenschulungen auf diesem Gebiet prädestiniert. Hier kann er mit den Anwendern „auf Augenhöhe“ mitreden. Er sprach auch nicht an, dass er im Rahmen seines 12monatigen USA-Praktikums an einer Marktforschungsstudie über Kundenpräferenzen des amerikanischen Marktes für xyz-Produkte mitgearbeitet hat etc. Das war eine Null-Punkte Runde: Unwichtige Informationen abgegeben, wichtige nicht erwähnt!

Fragen zu den Berufsstationen

Es gilt wieder das gleiche Prinzip: Es zählt nur, was passt! Es ist zwar schön, dass der Ingenieur viele Aufgaben zu seiner jetzigen Berufsstation schildert, die mit der Auswahl von Subunternehmen für Projekte, dem Basic Engineering etc. zu tun haben. Leider bleibt offen, was er in seiner Abteilung als Marketingfachmann macht. Und darauf kommt es hier an. Deshalb wurde er zum Vorstellungsgespräch geladen! Wichtiger ist es daher, dass er über die Vorbereitung von Messen, Präsentationen, Angebotskalkulationen etc. spricht. Natürlich ist es auch wichtig zu erfahren, dass er an der Gewinnung des wichtigsten Projektes für seinen Arbeitgeber beteiligt war etc.

Taktische Fragen

Auch hier kann sich der Kandidat das Leben einfach machen, wenn er genau überlegt, was interessiert. Eine banale Frage: Wo liegt eine Ihrer Stärken? Dazu kann einiges erzählt werden. Der Kandidat hat aber bereits im Vorfeld im Internet recherchiert. In den Unternehmensgrundsätzen steht, dass das Unternehmen Kunden nie mehr versprechen möchte, als es halten kann. Klar, die passende Antwort wäre dann, dass man zuverlässig ist und sich an Versprechen gebunden fühlt. Oder umgekehrt, zielt die Frage nach einer Schwäche ab, lautet die Antwort eben, dass man leicht aus der Fassung gerät, wenn Versprechen nicht eingehalten werden.

Recherche und „Burn-in“ als Voraussetzung

Voraussetzung für die geschilderte Vorgehensweise ist die im Vorfeld des Interviews intensiv zu führende Informationsrecherche. Das, worauf es ankommt, Stellenanforderungen, Aufgaben, Unternehmensleitlinien o. ä. müssen nicht nur gesammelt, sondern regelrecht ins Gedächtnis „eingebrannt“ werden. Sie müssen dem Bewerber jederzeit vor Augen stehen damit er seine Antworten gezielt darauf abstimmen kann und nicht mehr oder weniger wahllos antwortet. Dass der Kandidat sich bestens im Pool der eigenen Qualifikationen und Erfahrungen auskennt, ist dabei selbstverständlich. Wer sich im Eifer des Gefechtes im Vorstellungsgespräch darauf verlässt, dass ihm schon das Richtige einfällt, ist häufig verlassen.

Wissen, was verkauft werden soll!

Die hohe Kunst der Gesprächsführung besteht darin, nicht passiv in ein Vorstellungsgespräch zu gehen, sondern vorher bereits festzulegen, welche Inhalte im Vorstellungsgespräch „verkauft“ werden sollen. Der Kandidat muss allerdings die Kreativität und Wortakrobatik beherrschen, um in seinen Antworten geschickt auf die Inhalte zu lenken, die er beim Interviewer unterbringen möchte, auch, wenn er nicht direkt danach gefragt wird. Wenn sich ein Kandidat bestens auf ein Einstellungsgespräch vorbereitet hat, nach dem Gespräch aber zu dem Ergebnis kommt, dass er weder die Informationen, die er zur Stelle und dem Unternehmen gesammelt hat, noch seine stärksten Argumente als Bewerber für die Stelle im Gespräch mitteilen konnte, hat er grundsätzlich etwas verkehrt gemacht!

Tipp:
Stressfragen im Vorstellungsgespräch richtig beantworten

 

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