Recruiting Tag Blog

Neu in der Führungsrolle

Wenn man selbst nicht Vorgesetzter ist, weiß man nicht genau wie Führung geht. Wie ist der Chef nur da hingekommen wo er/sie ist? Theoretisch sind wir alle Führungskräfte. Aber nun ist es soweit: Der erste Job in der Führungsetage. Sie können zeigen was in Ihnen steckt, aber das ist dann oft doch gar nicht so einfach, wie man dachte. 

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Foto: panthermedia.net/maxkabakov

Diese Woche beantwortet Jo Kristof Fragen zu diesem Thema in unserem Blog. Sie ist selbständige Beraterin und war schon häufig auf unseren Recruiting Tagen und unserer Online-Karrieremesse als Referentin dabei. Sie berät zu den Themen Führung und Change Management.

Jo Kristof

Jo Kristof

Guten Tag Frau Kristof, die erste Führungsposition. Alle wissen theoretisch wie es geht. Wie fängt man am besten an?

Jo Kristof: Am besten fängt man mit der Erkenntnis an, dass diese Führungsposition eine Veränderung bedeutet. Eine Veränderung für einen selbst, weil man eine neue Aufgabe übernimmt. Aber auch eine Veränderung für das Team, die Kollegen, den Vorgesetzten und für die gesamte Organisation.

Danach sollte man sich daran machen, sich die neue Herausforderung genauer anzuschauen. Was kommt auf mich zu? Was wird von mir erwartet? Woran werden mein Team und ich gemessen? Was erwarte ich von mir selbst?

Die ersten Tage im neuen Job sollte ich dafür nutzen, mit allen Beteiligten zu sprechen. Und bitte nicht den Fehler machen, die eigenen Mitarbeiter dabei zu vergessen!

Ab dem ersten Tag in der Führungsposition prasseln unfassbar viele Eindrücke, Erwartungen, Einflussnahmen, gut gemeinte Ratschläge auf mich ein. Die muss ich erstmal verdauen und einordnen. Gespräche führen, beobachten und sich orientieren, das ist die beste Strategie für die ersten Tage.

Durch welche Eigenschaften zeichnet sich eine gute Führungskraft aus?

Gute Führungskräfte zeichnen sich vor allem durch eine sehr gute Fähigkeit zur Selbstreflexion aus. Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst und hinterfragen sich selbst und die Auswirkungen ihres Handelns.

Moderne Führungskräfte haben verstanden, dass es darum geht, mit Menschen zu arbeiten. Menschen und soziale Systeme funktionieren nicht wie Maschinen. Gerade für Ingenieure, die eine Führungsaufgabe übernehmen ist wichtig: Beim Führen von Menschen gibt es kein “Input = Output“. Es geht um Menschen und das Management von Beziehungen. Eine gute Führungskraft hat eine menschenorientierte und wertschätzende Grundhaltung. Sie fördert, fordert und unterstützt die Eigenmotivation im Team.

Wie entwickelt man seinen eigenen Führungsstil?

Kein Mensch wird als fertige Führungskraft geboren. Vieles erlebt man, probiert es aus, stellt fest, dass es funktioniert und macht mehr davon. Und auch das Lernen aus dem, was nicht funktioniert, ist ein wichtiges Puzzleteil für den eigenen Führungsstil.

Nichtsdestotrotz kann man sich vorbereiten, in dem man sich über sein eigenes Werteverständnis Gedanken macht, und über das Menschenbild, das einen prägt. Auch die Rolle einer Führungskraft mit allen Hochs und Tiefs und Herausforderungen sollte man sich vor Antritt einer Führungsposition bewusst machen. “Von unten“ sieht das oft ganz leicht aus, viele junge Führungskräfte treibt der Gedanke “Das kann ich aber besser!“. Wenn man plötzlich feststellt, dass von allen Seiten Anforderungen an einen gestellt werden, die sich sehr oft widersprechen, dann sieht die Welt plötzlich anders aus.

Ist es wichtig, Distanz zu halten?

Innere Distanz ist eine wichtige Voraussetzung, um dauerhaft emotional stabil und gesund zu bleiben. Die Arbeitsumfelder werden immer komplexer, fast täglich ist man Veränderungen und neuen Anforderungen ausgesetzt.

Innere Distanz heißt aber nicht, unbeteiligt und “kalt“ zu bleiben. Es geht darum, sich bewusst zu machen, dass man eine Rolle ausfüllt: die der Führungskraft. Auch als Führungskraft darf (und muss) ich Mensch bleiben. Ich darf also menschlich mitleiden, wenn ich einem mir ans Herz gewachsenen Mitarbeiter kündigen muss. Gleichzeitig darf ich in meiner Rolle professionell distanziert sein, um mich selbst zu schützen. Das hilft übrigens in der Regel auch dem Mitarbeiter, mit der Kündigung umzugehen!

Ich bin ein junger Vorgesetzter – eine junge Vorgesetzte. Um mich herum viele ältere Mitarbeiter. Wie verschaffe ich mir die nötige Akzeptanz als Küken?

Das ist je nach Situation und Auftrag aus der Organisation sehr unterschiedlich. Man sollte sich immer den Kontext, in dem man eine Führungsposition übernimmt, sehr genau anschauen und entscheiden, wie man sich aufstellt.

Grundsätzlich macht man in einem Umfeld mit älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht viel falsch, wenn man sich respektvoll aber bestimmt verhält. Gerade wenn es darum geht, Änderungen umzusetzen, sollte man sich Gedanken darüber machen, auf welche Änderungen es wirklich ankommt – und welche Änderungen man im Zweifel auch gegen Widerstand umsetzen möchte oder muss.

Ganz entscheidend ist, dass man die Mitarbeiter einbindet und sich und seinem Team die Frage stellt, was von dem Bestehenden gut war und bleiben soll. Wertschätzung gegenüber dem bisher dagewesenen und Begeisterung für das, was man gemeinsam neu schaffen kann.

Wie gelingt es am besten, Mitarbeiter zu motivieren und auf eine gemeinsame Strategie zu fokussieren?

Die gute Nachricht, gerade für junge Führungskräfte: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen müssen nicht motiviert werden. Das können die an sich sehr gut alleine. Häufig scheitert es aber daran, dass die Führungskräfte es nicht schaffen, ein Umfeld aufzubauen, in dem die Mitarbeiter ihre Eigenmotivation einbringen können.

Aufgabe der Führungskraft ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Mitarbeiter selbstverantwortlich und selbst organisiert arbeiten können (und dürfen). Dafür brauchen sie Wertschätzung, Rückendeckung und ein Miteinander auf Augenhöhe. Ich muss meine Ziele, Strategien und Ideen kommunizieren, meine Mitarbeiter einbinden und Feedback einholen – und offen sein für Kritik.

Je offener ich kommuniziere und mehr ich in die Selbstorganisationsfähigkeit meines Teams vertraue, desto mehr bekomme ich an Selbstverantwortung und Eigenmotivation zurück.

Wie sieht es mit dem Duzen oder Siezen aus?

Da gibt es definitiv keine “So müssen Sie das unbedingt machen“-Antwort. Keinem ist dabei geholfen, sich an eine Duz- oder Siez-Kultur anzupassen, die einem nicht liegt. Das gilt für Führungskräfte genauso wie für Mitarbeiter. Entscheidend ist: Wie ist die Kultur? Was wird von mir in diesem Umfeld erwartet? Und fühle ich mich wohl damit?

Gerade als neue Führungskraft: Lieber mal ein paar Tage länger damit warten, zum Du überzugehen. Erst einmal beobachten. Und dann entscheiden, was im Zusammenhang der Unternehmenskultur und des Teams für einen selbst der beste Weg ist.

Vielen Dank für das spannende Interview Frau Kristof. Der Link bei Fragen jo.kristof@jkbc.de

 

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