Karrierestrategie 04.08.2015, 00:00 Uhr

Mobilität von Ingenieuren in Europa

Nach Angaben der EU denken rund ein Viertel der Europäer daran, ihre berufliche Zukunft im Ausland zu suchen. Da Ingenieure nicht nur in Deutschland in der Regel zu den gefragtesten Fachkräften gehören, bieten sich für sie grundsätzlich gute Chancen interessante Jobs in ganz Europa zu finden. 

Karriere im EU Ausland.

Karriere im EU Ausland.

Foto: iStock / Thinkstock

Als einer von mehreren Karriereschritten kann ein Arbeitsaufenthalt im Ausland zur mehr oder weniger lehrreichen Episode im Leben werden. Wenn diese Zeit von Anfang an befristet ist, wird die Herangehensweise eine andere sein als bei einem wirklichen Wechsel des Lebensmittelpunktes. Wer mit seiner Familie, den Kindern, ins Ausland geht, taucht ganz anders in eine fremde Kultur ein und wird vielleicht ein Teil von ihr.

Ingenieure, die von ihren Unternehmen ins Ausland entsandt werden, haben natürlich beste Voraussetzungen, um mit organisatorischer Hilfe des Arbeitgebers, beispielsweise bei der Wohnungssuche, schnell im fremden Land Fuß zu fassen. Die Entsendung ist juristisch aber gerade dadurch definiert, dass sie von vorn herein befristet ist.

Forschung und Arbeitsplätze

Forschungsintensität und Ingenieurarbeitsplätze stehen in einem direkten Zusammenhang. Immer dann, wenn es eine intensive Forschung gibt, werden viele Ingenieure beschäftigt. Finnland hatte nach VDI-Angaben 2011 einen Anteil von 27.2 Prozent erwerbstätiger Ingenieure an der Gesamtzahl der beschäftigten Akademiker, Deutschland lag im europäischen Vergleich an zweiter Stelle mit 19,3 Prozent gefolgt von Schweden und Belgien, das UK lag bei 10,6 und Norwegen sogar nur bei 5 Prozent. Italien kam auf 15,8 Prozent und damit fast auf den Mittelwert von 15,3 Prozent. Doch innerhalb Italiens ist natürlich der Ingenieuranteil im Norden mit seinen Industriestädten ungleich höher als im Süden des Landes. Vergleichbares gilt für alle anderen europäischen Staaten: Es gibt regionale Unterschiede, Konjunkturen wechseln immer schneller, sodass Arbeitsaufkommen und Jobangebote für Ingenieure natürlich einem stetigen Wechsel unterliegen. Aber manchmal führen ja auch Motive jenseits des Berufes dazu, ins Ausland zu gehen. Mit guten Qualifikationen und Sprachkenntnissen sollte die Stellensuche in Ländern mit technisch ausgerichteten Branchen nicht schwieriger sein als in Deutschland.

Ingenieure in Deutschland sind international

Von den rund 1,66 Millionen Ingenieuren in Deutschland haben 159.000 einen ausländischen Pass, zu 70 Prozent eines anderen europäischen Staates. 15.000 von ihnen wurden aber bereits in Deutschland geboren. Interessant ist auch, dass 95.000 deutsche Ingenieure im Ausland geboren und dann zugewandert sind.

Bei den Auslandsaufenthalten während des Studiums bilden deutsche Studierende im Vergleich zu den anderen Disziplinen das Schlusslicht. 2012 verbrachten gerade mal vier Prozent der Ingenieurstudierenden einen Teil des Studiums im Ausland. Nach dem Abschluss sind deutsche Ingenieure dann wesentlich mobiler. 29 Prozent der Maschinenbau- und Verfahrenstechnikabsolventen, 19 Prozent der Elektrotechniker und 13 Prozent der Bauingenieure und Vermessungstechniker verbringen nach Angaben des Hochschulinformationsdienstes in den ersten fünf Jahren ihrer Berufstätigkeit mindestens einen Monat im Ausland. Da Unternehmen des Maschinen- und Fahrzeugbaus und der Elektrotechnik 60 bis 70 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwarten, ist eine hohe Auslandsmobilität der beschäftigten Ingenieure naheliegend.

Kulturen und Mentalitäten

Es ist offensichtlich, dass wir Europäer uns in den letzten Jahrzehnten sehr viel näher gekommen sind, neue Generationen die Ressentiments ihrer Eltern nicht einfach weiterleben, auch wenn die aktuelle Lage alte Wunden und Vorurteile wieder stärker ins Bewusstsein bringt. Doch Unterschiede bestehen weiterhin und genau das macht ja auch den Reiz eines Wechsels ins Ausland aus. Wer als Kölner Urgestein nach Madrid zieht, sollte nicht meckern, wenn er in den dortigen Kneipen bzw. Bars kein Kölsch zu trinken bekommt. Das wäre lächerlich. Man muss wissen, was auf einen zukommt und offen sein für das zunächst Fremde.

Die Sprache ist natürlich ganz entscheidend. In Frankreich beispielsweise reichen Englischkenntnisse nicht aus, um im Beruf voran zu kommen. Auch in Spanien ist das Erlernen der Landessprache wohl unausweichlich. In anderen kleineren Ländern könnte Englisch zunächst ausreichen. Aber selbst im deutschsprachigen Raum ist ein Lerneffekt nötig, um zum Beispiel die österreichische Ausformung der deutschen Sprache in ihren Feinheiten und Besonderheiten zu verstehen.

Soziale Absicherung

In den Staaten des europäischen Wirtschaftsraumes, das sind die 28 EU-Staaten plus Norwegen, Island und Lichtenstein, gilt grundsätzlich, dass Ansprüche auf Leistungen der Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, und Unfallversicherungen nicht verloren gehen, wenn jemand in mehreren Mitgliedsstaaten gearbeitet hat. Doch die Tücke steckt oft im Detail und ohne Bürokratie geht es auch nicht. Die Europäische Union hält einige Formulare bereit, die beispielsweise notwendig sind, um Versicherungs-und Beschäftigungszeiten im Ausland gegenüber der deutschen Agentur für Arbeit nachweisen zu können

engineerING Card

Als erste Berufsgruppe in Europa können Ingenieure einen freiwilligen Berufsausweis nutzen, die engineerING Card. Sie soll den Nachweis beruflicher Qualifikation und damit Bewerbungen im europäischen Ausland erleichtern. In 11 Mitgliedsstaaten der EU ist die engineerING Card bereits anerkannt, so auch in Deutschland, wo sich der VDI bereits seit 2010 für die Idee eines europäischen Berufsausweises für Ingenieure einsetzte.

In einer Datenbank können Abschlusszeugnisse und auf Wunsch auch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie von einem Fachgremium geprüfte Nachweise über relevante Berufserfahrung hinterlegt werden, was den Unternehmen größere Transparenz und Vergleichbarkeit der Bewerber ermöglichen soll.

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